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Besitzdenken und die Gewalt an Frauen

Gewalt Frauen
Dorothea Wehinger mit Referentin Heike Akli bei der Eröffnung der Ausstellung »Ich verbrenne von Innen« in der Singener Stadtbibliothek. swb-Bild: of

Ausstellung in der Singener Stadtbibliothek will aufrütteln

Singen. Anlässlich des »Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen« am Montag wurde als eine der Aktionen im Landkreis eine Ausstellung in der Singener Stadtbibliothek eröffnet.
In Kooperation mit dem Frauenhaus wurden dafür Fotos von Wolfgang Schmidt aus seinem Buch »Ich verbrenne von Innen« ausgesucht, die es auch in Buchform gibt. Zu jedem der Bilder gehört freilich ein Zitat, das erklärt, wie verschieden Gewalt gegen Frauen entsteht, und auch wie verschieden diese empfunden wird, was sie an Menschen anrichtet. Die Ausstellung ist in und vor der Bibliothek bis zum 14. Dezember zu sehen und sehr zu empfehlen.
Dorothea Wehinger als Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion für Frauen, Familie und Kinder, die diese Ausstellung mit ihrem Büro organisierte, ist es alarmierend, das die Gewalt gegen Frauen wieder dramatisch zunimmt. Auch Claudia Zwiebel vom Singener Frauenhaus sorgt sich deswegen. Der neue Frauenhass stehe laut jüngster Studien auch mit dem zunehmenden Rechtspopulismus in Zusammenhang. Ihre Einrichtung seit aktuell mehr als voll, doch es brauche nicht nur mehr Platz sondern im Vorfeld mehr Beratung.
Diplom-Psychologin Heike Akli, die das Thema auch an der Polizeischule vermittelt, versuchte die Spiralen zu verdeutlichen, an der Frauen in Gewaltbeziehungen abrutschen. Oft ohne zu bemerken, wie schwer der Weg ist, da wieder raus zu kommen, besonders wenn aus der 2. Chance für den Schläger schon die 100. geworden sei. Bei vielen Beziehungen stehe ein »Besitzdenken« ganz normal am Anfang, doch wenn es bleibe oder sich gar noch verstärke, sei man drinnen. Und wenn man noch schwanger werde, dann würden Abhängigkeiten gnadenlos ausgenutzt. Akli beschrieb die Martyrien mancher Frauen, für die es noch viel schlimmer sei, wenn der Gewalttäter nicht Zuhause sei, weil er bei seiner Rückkehr sicher für ihn etwas falsch gemachten finden würde, die nicht einmal mehr schlagen könnten in der Nacht in der ständigen Angst vor Übergriffen oder gar Vergewaltigungen. In einem Fall habe der Mann seiner Frau eröffnet, dass er sich am Abend nun lieber mal die eigene Tochter vornehmen wolle, die noch ein Kind war. Eine Zeit, in der oft nicht mehr reagiert werden kann.

Auch die Wege aus der Gewalt und solchen Beziehungen gingen immer nur individuell. »Seien sie da und bleiben sie da, wenn sie so was in ihrem Umfeld mitbekommen«, appellierte sie. Rund 100 Personen waren an der Vernissage, statistisch hätten davon schon 25 in ihrem Leben schon einmal Gewalt-Erfahrung in einer Beziehung. Noch wichtiger sei für die betroffenen Frauen, dass sie ihr Schweigen brechen könnten. Hilfe bietet schnell und unbürokratisch das »Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen« unter 08000 116 016 oder www.hilfetelefon.de

Wochenblatt @: Oliver Fiedler