- Anzeige - (Wochenblatt-Werbung wirkt)

Die Bronzezeit zum Anfassen

Bronzeitfunde Orsingen
Joachim Kitzberger (li.) , wissenschaftlicher Grabungsleiter, vor den Resten einer Feuerstelle einer bronzezeitlichen Behausung. In der Mitte: Landrat Frank Hämmerle; rechts: Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald. swb-Bild: eck

Rund 1.175 Einzelfundstellen in Orsingen gefunden

Orsingen. Das Randstück eines circa 3.500 Jahre alten Tonkrugs in der Hand halten, ist wie eine Berührung mit dem Leben einer vergangenen Kultur durch einen »Zeittunnel«. Den Brückenschlag in die Welt unserer Vorfahren ermöglichte eine Führung über die archäologische Ausgrabungsstätte im künftigen Kiesabbaugebiet »Im Unteren Bann« auf der Gemarkung Orsingen, bei der Landrat Frank Hämmerle, sowie der Orsinger-Nenzinger Bürgermeister Bernhard Volk und der Stockacher Bürgermeister Rainer Stolz anwesend waren.
Reste einer ausgedehnten Siedlung der Bronzezeit, vermutlich bestehend aus mehreren Gehöften, wurden auf einer Fläche von knapp vier Hektar freigelegt. Rund 1,40 Meter unter der Erdoberfläche kamen rund 1.175 Einzelfundstellen zum Vorschein. Die rund 50 Besucher pilgerten zu den mit Wasser leicht befeuchteten Fundstellen der Grabungsfläche, die vom Kreisarchäologen Dr. Jürgen Hald, sowie Mitarbeitern der beauftragten Grabungsfirma »Archaeotask« ausführlich erläutert wurden. Das Benetzen der Überreste mit Wasser ließe deren Konturen besser erkennen, erklärte eine Mitarbeiterin. Teils gut erhaltene Hausgrundrisse, Fundamentgruben von Holzpfosten, Vorrats- und Abfallgruben, Feuerstellen, Erdöfen und Keramiken aus der Mittel- und Spätbronzezeit wurden von dem Archäologen-Team in drei Grabungskampagnen seit März 2017 freigelegt. Datiert werden die Funde in die Zeit der Helvetier-Kultur, zwischen circa 1.600 bis 1.000 vor Christus. Auch ein Gräberfeld der Zeit um 1400 bis 1000 vor Christus wurde innerhalb der Siedlungsfläche entdeckt: ein kleinerer Friedhof mit 20 Brandbestattungen, sowie fünf Brandgräber ohne Steinabdeckung. Über die Brandgräber, sowie die Brandbestattung während der Bronzezeit sei noch wenig bekannt, sagte Dr. Hald. Nur wenige Gräber hätten Waffen, wie Bronzedolche und Bronzelanzenspitzen, als Beigaben enthalten. Verbrannte Bronzefragmente seien des öfteren in den Grabgruben zu finden. Daraus zogen die Archäologen den Schluss, dass die Toten mitsamt ihrer Tracht und persönlichen Gegenständen verbrannt wurden. Einige Schmuckstücke ließen sich identifizieren, unter anderem Armreif-Fragmente und bronzene Gewandnadeln. Aus einem bereits vor Jahrhunderten geplünderten Grab wurden mehrere Bernsteinperlen und zwei Golddrahtspiralen geborgen. Für die Teilnehmer der Führung ergab sich die einmalige Gelegenheit die bronzezeitlichen Fragmente auch einmal in Händen zu halten. Die bereits restaurierten Bernstein- und Glasperlen, sowie die goldenen und bronzenen Schmuckstücke, alles weich verpackt in durchsichtigen Kunststoff-Kästchen, gab es jedoch nur zum Anschauen. Die Ausgrabung der Gräber sei abgeschlossen und alle Funde geborgen, erklärte Kreisarchäologe Hald. Die dritte Grabungskampagne begann im August 2018 und dauert noch bis Ende Oktober. Die Kosten für die Ausgrabungen muss das Kieswerk Hardt tragen. Dies sei mit der Genehmigung zum Kiesabbau auf der 11,2 Hektar großen Fläche verbunden, so Kreisarchäologe Hald.


Wochenblatt Redakteur @: Matthias Güntert