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Die Individualität des Kollektivs

Ausstellung Hohenfels
Drei Tage lang präsentierten sechs Hohenfelser Künstler in Liggersdorf ihre Werke.swb-Bild: sw

Keine Kolonie: von der Kunst der selbstbewussten Gemeinschaft

 

Hohenfels. Das Kollektiv kann beherrschen, bezwingen, beschränken, begrenzen. Das Kollektiv kann aber auch beflügeln, bereichern, beleben, befähigen. Das Kollektiv nicht als einschnürendes Korsett, sondern als inspirierende Gemeinschaft manifestiert sich beispielsweise in den sechs Hohenfelser Künstlern, die die dreitägige Bilder- und Objektausstellung in der Korbinian-Brodmann-Schule in Liggersdorf bestückt hatten. In den Räumlichkeiten in der Hauptstraße 49 waren Bilder, Gemälde und Skulpturen zu sehen. Die Werke keiner Künstlerkolonie, keiner Künstlergruppe, keines Künstlerkollektivs, wie Laudator Thomas Warndorf scharfsichtig und -züngig herausstrich – die Werke aber einer Künstlergemeinschaft, die abseits von ideologisch-dogmatischen Konzeptdiktaten durch ihr Miteinander ihre individuellen Qualitäten herausstreicht. 

 

 

Individualität kann ausschließen, auslagern, ausbooten, ausgrenzen. Individualität kann aber auch ausfließen, ausformen, ausbreiten, ausgreifen. Individualität nicht als egomanisch-rücksichtsloses Sich-Selbst-Verwirklichen, sondern als Expression künstlerischen Selbstbewusstseins, kunstschaffender Experimentierfreude und qualitätvoller Fantasie wurde von Rosa Graf, Ursula Rehmann, Günther Mokinski, Helene Wessmer, Roswitha Lehmler und Siegfried Ludwig, den sechs ausstellenden Hohenfelser Künstlern, gelebt. Ihre Werke waren während der dreitägigen Veranstaltung getrennt nach Genre und Künstler, aber auch verbindend und koordiniert nach Schwerpunkt und Aussage in den Räumlichkeiten der Schule gruppiert. Sie, so führte Jochen Goldt vom organisierenden Bürgerverein »Hohenfels hat Zukunft« bei der Vernissage aus, sei als Veranstaltungsort ein würdiger Ersatz für Schloss Hohenfels außerhalb der Gemeinde, wo die Ausstellungen zuvor im Zwei-Jahres-Rhythmus stattgefunden hatten. Denn Kunst gehört nach den Worten von Bürgermeister Florian Zindeler zu einer lebendigen Gemeinde, durchbricht sie doch farbenfroh den Alltag und sorgt für Abwechslung. 

 

Gemeinschaft in der richtigen Dosierung aus Kollektiv und Individualität kann erweitern, erlösen, ergänzen, erfüllen. Und diese Gemeinschaft, so führte Thomas Warndorf aus, wird von den ausstellenden Hohenfelser Künstlern gelebt. Musikalisch originell und unverbraucht vom Hohenfels-Chor unter Uwe Mingo begleitet, demonstrierten die Kunstschaffenden ohne optische Reibungsflächen im harmonischen und dennoch spannungsgeladenen Diskurs ein breites Schaffensrepertoire: Der konturhaft erkennbare Mensch wird unter dem Titel »Depression« bei Helene Wessner von grellen bis kühlen Farbblitzen durchzuckt, gespalten, gequält, während sinnliche Lebensfreude und elegante Erotik daseinsbejahend aus der Frauenskulptur von Siegfried Ludwig förmlich herausexplodiert. Rote, biegsame Körper schmiegen sich realistisch-erkennbar sanft um einen weißen Hintergrund und auf schrill rotem Terrain im »Rot« genannten Bild von Rosa Maria Graf, während sich in den fast naiv-kindlichen Gemälden von Ursula Rehmann die Farben überlappend, übergreifend und überbordend im abstrakten Loslösen zum wilden Fantasiespektakel vermengen. Kollektive Individualität kann sich gegenseitig behindern, ausschließen und entfremden, kollektive Individualität kann aber auch belohnen, ausbilden und erhöhen. 

 

 

Wochenblatt Redakteur @: Simone Weiß