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FDP beantragt neue Positionierung des Kreistags zur Gäubahn

Gäubahn
Symbolbild Gäbahn

Singener Kurve wird abgelehnt - Befürchtung von neuerlichen Verzögerungen

Kreis Konstanz. Seit Anfang Februar und dem "Bahngipfele" des Bundestagsabgeordneten Andreas Jung ist die Diskussion um das Projekt Ausbau der Gäubahn neu entflammt, insbesondere im Raum Stuttgart. Neue und alte Vorschläge werden wieder in die Diskussion eingebracht. Auch der Landkreis Konstanz ist davon betroffen, durch die neuerliche Favorisierung einer "Singener Kurve" in den Plänen um auf der Strecke Zeit zu sparen, was an anderer Stelle offensichtlich nicht gelingt. Der Landkreis hatte in der Vergangenheit zur Gäubahn schon mehrere Resolutionen auf den Weg geschickt gehabt. 

Aufgrund der neuerlichen Aktualität beantragte die FDP-Fraktion nun, dass das Thema durch den Kreistag behandelt werden soll, wie Fraktionssprecher Georg Geiger am Sonntag informierte. Die aktuellen Gutachten und Planideen auf Bundes- und Landesebene sollten gegenüber dem Landkreis Konstanz  gelegt werden, verlangt die Fraktion, denn die direkte Anbindung des Landkreises Konstanz an das Fernverkehrsnetz der DB müsse gewährleistet sein. Die Umfahrung der Stadt Singen soll dabei aus Sicht des Landkreises abgelehnt, ist die Forderung der FDP-Fraktion. Der Personenfernverkehr ist vollständig am bestehenden Bahnhof Singen abzuwickeln. 

Die Begründung: Das Projekt Gäubahn ist inzwischen in der ersten Klasse des Bundesverkehrswegeplans 2030 mit vordringlichem Bedarf verankert. Damit soll das Projekt realisiert werden. Die bisherige noch nicht genehmigte Planung sieht vor, die Gäubahn mit Halt in Böblingen (Umstieg nach Stuttgart Hauptbahnhof) bei Stuttgart-Rohr mit den Gleisen der S-Bahn Richtung Flughafenbahnhof zu verbinden. Im an das Fernverkehrsnetz angebundenen Flughafenbahnhof stünde für die Gäubahn ein eigener Bahnsteig zur Verfügung.

Damit wäre aus Siche von Georg Geiger nach bisheriger Planung gewährleistet, dass der Landkreis Konstanz mit der Gäubahn direkt an das bundesdeutsche Fernverkehrsnetz angeschlossen wäre (direkte Umsteigemöglichkeiten ins ICE-Netz nach Karlsruhe/Mannheim/Würzburg/ Nürnberg/München). Der Landkreis Konstanz würde dadurch eine wesentliche Verbesserung des Angebots auf der Schiene erhalten. Eine Forderung aus dem Landkreis, die bei der Abstimmung zu Stuttgart 21 eine wesentliche Rolle spielte.

Die Streckenführung innerhalb des Landkreises sieht die vollständige Abwicklung des Personenfernverkehrs am bestehenden Bahnhof in Singen vor. Die Singener Kurve wurde bereits in einem Gutachten 2016 als mögliche Variante  zur Verkürzung der Fahrzeit und den Güterverkehr vom Ministerium für Verkehr des Landes Baden-Württemberg ins Spiel gebracht. Dazu gab es auch eine Resolution des Gemeinderats der Stadt Singen vom Februar 2017.

Neu sei nun der Vorschlag des Bundesverkehrsministeriums anstelle der Anbindung über das S-Bahn-Netz die Gäubahn über einen zehn Kilometer langen Tunnel, ohne Halt in Böblingen, in den Flughafenbahnhof zu führen. Verkehrsminister Hermann vertritt hingegen die Idee einer unterirdischen Ergänzungsstation beim Hauptbahnhof unter Erhalt der bisherigen Gäubahntrasse (Panoramastrecke). Und 14 Gäubahn-Anrainerkommunen fordern die gleichwertige Prüfung der sogenannten P-Option. Diese sieht eine 180-Grad- Kehre im Tunnel im Stuttgarter Norden vor, wobei die Gäubahngleise an einem S21-Tunnel anschlössen.

Alle Vorschläge hätten eines gemeinsam, der Ausbau der Gäubahn im Bereich der S-21-Struktur im Raum Stuttgart würde sich um Jahre verzögern, machen die Kreispolitiker deutlich.

Nach Auffassung der FDP-Kreistagsfraktion müsse der Landkreis Konstanz in alle Überlegungen direkt mit einbezogen werden, da die Interessen des Landkreises je nach Variante massiv tangiert werden. Die Gutachten und Planideen sollen gegenüber dem Landkreis offen gelegt werden, ist die Forderung.  Nur so sei eine sachliche Auseinandersetzung möglich. "Bisher haben wir die Kenntnisse nur über die Medien erhalten. Der Landkreis Konstanz muss seine wesentlichen Interessen am Ausbau der Gäubahn nachdrücklich geltend machen", fordert die Fraktion in ihrem Schreiben an Landrat Zeno Danner.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler