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Flagge gezeigt für die Demokratie

Buntes Engen
Flagge zeigten die Teilnehmer am Samstag beim Demokratiefest im Rahmen der landesweiten Initiative »Meine. Deine. Eine Welt.« swb-Bild: pr

»Unser Buntes Engen« feierte mit bei der Aktion »Meine. Deine. Eine Welt.«

Engen. Bei Sonnenschein und Musik vom Engener »Songman« Sebastian Kemper feierte »Unser buntes Engen« am Samstag den Aktionstag zur Demokratie vor der Begegnungsstätte Engener Brücke und im Pfarrgarten der Seelsorgegemeinde Oberer Hegau. Fünf der Kandidatinnen und Kandidaten für den deutschen Bundestag aus dem Landkreis waren dazu sogar angereist, um über ihr Programm zur Integration zu informieren, aber auch, um sich selbst über die Ideen aus Engen kundig zu machen. Ehrenamtliche Hände buken Waffeln, gaben Getränke aus, sammelten persönliche Slogans für die Kampagne der Jugendstiftung.

In vielen Gesprächen und kurzen Reden zeigte sich die Bandbreite demokratischer Politik: Bürgermeister Johannes Moser schaute zurück auf die Anfänge unserer Demokratie und erinnerte an den langen Weg der Gleichberechtigung und daran, dass auch hierzulande Frauenrechte erst hart erkämpft werden mussten und noch müssen. Das Recht auf Asyl, betonte Bernhard Grunewald (inSi e.V.), sei das einzige Grundrecht im Verfassungsrang in Deutschland, das für Menschen aus anderen Ländern gemacht sei, und erinnerte an dessen Ursprünge. In der Zeit des Nationalsozialismus mussten auch Menschen von hier fliehen und in anderen Ländern Schutz suchen, das sollten wir nicht vergessen. Auch Ann-Veruschka Jurisch (FDP) betonte das hohe Gut, frei und sicher die eigene Meinung bilden und vertreten zu können. Und sie sagte ganz deutlich: »Geht wählen!« – für Menschen, die ihr Wahlrecht nicht wahrnehmen, habe sie kein Verständnis. Und Andreas Jung (CDU) betonte, welche Herausforderung gesellschaftliche Spaltung für die Stabilität unserer Demokratie ist.

Lina Seitzl (SPD) sprach über die Notwendigkeit, Bildungschancen in der Gesellschaft gerechter zu verteilen. Der eigene Bildungsweg sollte nicht vom ökonomischen Status im Elternhaus abhängig sein, leider sei die Realität noch immer eine andere. Gesellschaftliche Mitbestimmung, betonte auch Sibylle Röth (Die Linke), brauche  nicht nur persönliches Engagement und Mut, sondern auch gute Grundlagen. Es ist ihr wichtig, dass die Gesellschaft ihre Stimme wahrnimmt, auch über die Wahl hinaus, und dass man diese Mitspracheangebote nicht verschwörungstheoretischen Plattformen überlassen dürfe. Mehr Mitbestimmung wagen bedeutet auch, Menschen mit Migrationshintergrund angemessen in die demokratischen Strukturen zu integrieren. Ajmal Farman (Unser buntes Engen e.V.) zeigt auf, dass viele Menschen schon lange hier leben, aber keine vollen Bürgerrechte besitzen und kommenden Sonntag nicht mitwählen können.

Waltraud Weber (Demokratiezentrum Konstanz) betonte die Rolle der unter 18-Jährigen, deren Perspektiven auf die politischen Entscheidungen der Gegenwart gehört werden müssen. Schließlich sind sie es, die in Zukunft unter den heute gestalteten Bedingungen leben werden. Die ökologisch notwendige gesellschaftliche Transformation zur Eindämmung des Klimawandels zu bewerkstelligen, ist eine der größten demokratischen Herausforderungen unserer Zeit, verdeutlichte Sebastian Lederer (Bündnis 90/Die Grünen).

David Tchakoura (Integrationsbeauftragter Konstanz) hat mit seinem Los die Frage gezogen, welche wirtschaftlichen Veränderungen er sich wünsche. Es könne nicht sein, sagt er, dass Afrika, der Kontinent mit den meisten Rohstoffen, zugleich auch der ärmste sei. Und dass Kinder, die auf den Plantagen Kakao ernten, nicht wissen, wie Schokolade schmeckt.

Da kommen die Worte der ersten Rede des Tages des katholischen Engener Pfarrers Zimmermann in den Sinn. Er sagte, was als gerecht empfunden werde, sei subjektiv. Was heißt das für Gerechtigkeit als hehrer Anspruch, vielleicht als Grundlage gelingender Demokratie? Nur, wenn auch die Lebensrealitäten und Perspektiven aller zählen, kann ihr Potenzial eingelöst werden. In der global vernetzten Welt bleibt das eine kontinuierliche Herausforderung. »Unser buntes Engen e.V.« leistet seinen lokalen Beitrag, Perspektivenvielfalt in der Stadt zu verankern und zu stärken. Lisa Hensler (Integrationsbeauftragte in Engen) zog das Fazit: »Wir sind froh, dass genug Leute gekommen sind. Insgesamt waren wir heute knapp 70 Personen. Aber es hätten auch noch mehr sein dürfen. Es ist eben wie mit der Demokratie – sie lebt vom Mitmachen!«

Die Jugendstiftung Baden-Württemberg initiierte die landesweite Kampagne, um auf das hohe Gut unserer Demokratie hinzuweisen. Anlass war der 15. September, den die vereinten Nationen 2007 zum »Internationalen Tag der Demokratie« erklärt haben. Ziele dieses Tages sind die Förderung und die Verteidigung der Grundsätze der Demokratie.

Infos zur landesweiten Kampagne gibt es unter: www.demokratie-ichbindabei.de

Die Veranstaltung in Engen fand statt im Rahmen der landesweiten Initiative »Meine. Deine. Eine Welt.« der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) in Kooperation mit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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