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Über tausend Demonstranten kritisieren politischen Klimastillstand

Fridays singen
Drei Kundgebungen wurden bei der Fahrraddemonstration von "Fridays for Future" in Singen an drei Plätzen gegeben. In Konstanz haben beim Weltweiten Klimastreik rund 1.200 Personen teilgenommen. swb-Bild: of

In Konstanz soll das bei der Wahl am Sonntag zum großen Thema werden

Konstanz/ Singen/ Radolfzell. Nachdem die Fridays for Future-Bewegung (FFF) in den letzten Monaten größere Demonstrationen aus Gründen des Infektionsschutzes ausgesetzt hatte, meldet sie sich nun mit einer fulminanten Großdemonstration wieder zu Wort. Nach Angaben der Polizei und den Veranstalter*innen nahmen an der über zweistündigen Demonstration in Konstanz rund 1200 Personen teil, darunter neben zahllosen Schüler*innen und Studierenden auch Personen aller anderen Altersgruppen. Ihre Botschaft: Die kommende Wahl des Oberbürgermeisters ist von zentraler Bedeutung für den kommunalen Klimaschutz in Konstanz und was bisher unter OB Burchardt passiert ist, reicht bei weitem nicht aus. In Singen waren rund 50 Personen, Jugendliche wie Erwachsene, trotz gastigem Regen an der Demonstration per Fahrrad durch die ganze Innenstadt beteiligt. Dort wurde bemerkt, dass die Wahlen in Nordrhein-Westfalen gezeigt hätten, das Klimapolitik diese entscheiden könne. Auch in Radolfzell wurde gegen den derzeitigen politischen Klimastillstand demonstriert.

Die Demonstration, die eine Kooperation der FFF-Ortsgruppen Konstanz, Radolfzell und Singen war, wurde bereits im Vorfeld von einer Vielzahl gesellschaftlicher Akteure unterstützt, darunter ver.di, save me Konstanz, die Young Caritas, die Lutherpfarrei, verschiedene hochschulpolitische Gruppen und eine Vielzahl lokaler Unternehmen sowie weitere Konstanzer AkteurIinnen. 

Laut FFF sei es wichtig gewesen zu zeigen, dass auch Großdemonstrationenn in Konstanz mit einem entsprechenden Infektionsschutzkonzept möglich seien. Sowohl die VeranstalterInnen als auch Polizei zeigten sich mit der Einhaltung der Infektionsschutzregeln sehr zufrieden.

Unzufrieden sind die jungen AktivistInnen aus Konstanz dagegen mit der Klimaschutzpolitik von Uli Burchardt, dem sie vorwerfen, er habe in den letzten acht Jahren zu wenig für den Klimaschutz getan. “Selbst nach der Ausrufung des Klimanotstands ignoriert Uli Burchardt die Dringlichkeit der Klimakrise und lehnt das aus klimawissenschaftlicher Sicht notwendige Ziel “2030 klimaneutral” ab.” empörte sich Frida Mühlhoff in ihrer Rede. Der Protest der Demonstrierenden richtete sich auch gegen den Kurs der Bundesregierung. Sie bemängeln, dass die Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung nicht geeignet seien, die Erderhitzung gemäß des Pariser Klimaabkommens auf deutlich unter 2°, besser 1,5°, zu begrenzen. Mit dem Corona-Konjunkturpaket sei eine historische Chance vertan worden, den dringend nötigen Umbau der Wirtschaft in die Wege zu leiten, stattdessen würde man auf dem zerstörerischen Status Quo beharren, so die Konstanzer Ortsgruppe von FFF. “Der von der Großen Koalition beschlossene Kohleausstieg bis 2038 unnötigerweise zu spät, zu teuer und insgesamt unvereinbar mit dem Pariser Klimaabkommen”, erklärte der Mitbegründer der Scientists for Future, Volker Quaschning aus Berlin, der ebenfalls an der Demonstration teilnahm und die Auftaktrede hielt. Trotzdem zogen die Veranstalter*innen eine positive Bilanz des Tages: “Wir waren überwältigt von der Zahl der Teilnehmenden und auch davon, wie vernünftig sich die Menschen auf der Demo verhalten haben. Das alles zeigt, dass die Klimakrise nicht vergessen ist und deswegen werden wir auch weiter demonstrieren, bis auch die Politik die Krise endlich ernst nimmt!”, so Jared Schiffer von Fridays for Future.

In Singen wurde zusätzlich darauf verwiesen, wie große der Anteil der Fleischesser am Klimawandel ist. Dort präsentierte Mario Hüttenhofer zudem die Initiative "Klima vor 8'", die regelmäßige Klimaberichte vor den Nachrichten fordert, ähnlich der Börsennachrichten.

 

 

Wochenblatt @: Oliver Fiedler