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Wenn die Natur ein Schnippchen schlägt

Windpark Verenafohren Monitoring
Eberhard Koch vom BUND Naturschutzzentrum Westlicher Hegau (Dritter von rechts) stellte seinen Monitoring-Bericht zu Verenafohren vor. Im Bild von rechts: Andreas Reinhardt (Stadtwerke Radolfzell), Bene Müller (Vorstand Solarcomplex), Eberhard Koch, Bürgermeister Marian Schreier sowie Omer Castillo, Aylin Stehle und Roman Döppler vom BUND. swb-Bild: mu

Am Windpark Verenafohren entwickelt sich nach dem Bau der Anlage eine große Biodiversität

Tengen / Wiechs am Randen.  Er ist umstritten und Grund für manch ideologisch geprägte Diskussion über die Verträglichkeit von Natur und Umwelttechnologie: der Windpark Verenafohren in Wiechs am Randen mit seinen drei Windrädern, die mit ihren 134 Metern Nabenhöhe weit über den Randen ragen. Seit Anfang diesen Jahres sind die Anlagen im Regelbetrieb und sollen jährlich rund 20 Millionen kWh sauberen Windstrom liefern.
Am Dienstagvormittag stellte Eberhard Koch, Vorsitzender des BUND-Kreisverbandes Konstanz, die Ergebnisse einer projektbegleitenden Untersuchung über die Entwicklung von Flora und Fauna rund um den Windpark bei Tengen vor.
Dieser unabhängige Monitoring-Bericht birgt so manche Überraschung und soll auch zur Versachlichung des Themas beitragen, wünschen sich die Mitglieder der Betreibergesellschaft, der »hegauwind GmbH und Co. KG Verenafohren«, von denen Bene Müller (Vorstand Solarcomplex / Projektierer des Windparks) und Andreas Reinhardt, Geschäftsführer der Stadtwerke Radolfzell und einer der beiden Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, sowie Tengens Bürgermeister Marian Schreier beim Pressegespräch in Tengen waren.

Nach drei Begehungen im Mai 2017 sowie im Mai und Juni 2018 kam Eberhard Koch mit seinen BUND-Mitarbeitern zu einem erstaunlichen Ergebnis: »Die Waldrodungen im Zusammenhang mit dem Windpark Verenaforen haben keineswegs einen Verlust an der biologischen Vielfalt mit sich gebracht. Eher das Gegenteil ist der Fall: An dem Standort entwickelte sich auf dem steinigen Kalkboden eine artenreiche Waldsaumgesellschaft, die auch für Insekten und Tiere attraktiven Lebensraum schafft«, so der BUND-Vorsitzende. Diese sogenannte Schlagflora mit dreierlei Johanniskrautarten, Huflattich, Tollkirsche und vielen weiteren Pflanzen hat sich in Verenafohren im zweiten Jahr großflächig auf den Lichtungen rund um die Windräder entwickelt und wird später Platz für ausdauernde Pflanzen machen. Besonders die Ansiedlung verschiedener Distelarten lockt mit ihrem Nektarreichtum zahlreiche Schmetterlinge und Wildbienen an, weiß Eberhard Koch und belegt diese Entwicklung mit anschaulichen Bildern. Durch die unterschiedlichen Bodenarten - von lehmig über trocken bis hin zu staunassen Abschnitten - ist eine bemerkenswerte Artenvielfalt entstanden, die weit größer sei als im dichten geschlossenen Wald, betonte Koch.

Sogar die als FFH-Art hochgradig geschützte Frauenschuh-Orchidee ist unmittelbar am Weg zum Windpark zu finden. Um sie vor Beeinträchtigungen während der Bauphase zu schützen, wurden umfangreiche Maßnahmen ergriffen, die offensichtlich erfolgreich waren. Denn, so Eberhard Koch: »Die Pflanzen sind vital und haben mit 30 Blütenständen reichlich geblüht«.

Neben den unterschiedlichsten Pflanzenarten schätzt auch eine Vielzahl an Schmetterlingen, Waldameisen und selbst Rehen das Gebiet um die Windräder als Lebensraum, ergänzte der Umweltexperte, gestand aber auch ein, dass mancher Vogel Opfer der Windräder wird. »Das ist unvermeidlich«, so Koch, entscheidend sei aber, ob langfristig die Population dieser Arten geschädigt werde. Um diese Entwicklung im Auge zu behalten, ist die »Hegauwind« eng in ein Monitoring des Landkreises eingebunden, das das Flugverhalten von Vögeln und Fledermäusen beobachtet, erklärte Andreas Reinhardt von den Stadtwerken Radolfzell.
Für Eberhard Koch ist die Verbesserung der Biodiversität am Windpark Verenafohren durchaus eine Überlegung wert, die lichten Flächen in Zukunft ein mal jährlich zu mähen, um ein Zuwachsen durch Waldbäume zu verhindern.

Wochenblatt Redakteur @: Ute Mucha