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Werbung für den Schwimmmeister trotz geschlossener Bäder

Schwimmmeister
Schwimmmeiterin Susann Schmidt im Rheinstrandbad. swb-Bild: Stadtwerke KN

Am 22. Mai ist der nationale Tag der Schwimmmeister / Nachwuchs dringend gesucht

Konstanz. Normalerweise würde sie jetzt die Liegestühle auf den saftig grünen Rasen stellen, ihre Stammgäste herzen und aufpassen, dass im Wasser und auf der Wiese alle aufeinander Rücksicht nehmen. Obwohl die Strandbadsaison eigentlich vor Kurzem begonnen hätte, kann Susann Schmidt trotz schönsten Wetters als einzigen Gast aber lediglich einen Schwan im Konstanzer Rheinstrandbad begrüßen, der an den Stufen zum Wasser brütet.

Wegen der aktuellen Corona-Situation müssen die Konstanzer Bäder bis auf Weiteres geschlossen bleiben. „Gerade jetzt merken wir, wie sehr die Bäder den Menschen in Konstanz abgehen, wir bekommen viele wehmütige Rückmeldungen von unseren Gästen. Das unterstreicht die Bedeutung des Schwimmens in unserer Stadt“, so Susann Schmidt, die bei der Bädergesellschaft Konstanz (BGK) als Schwimmmeisterin arbeitet.

Die Bedeutung nicht nur des Schwimmens, sondern auch der Menschen, die am Beckenrand arbeiten, steht seit einigen Jahren am 22. Mai im Mittelpunkt. Denn dies ist der Tag des Schwimmmeisters - ein nationaler Aktionstag, den die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bäder dazu nutzen, um auf ihren Beruf aufmerksam zu machen. „Gerade in diesem Jahr ist das angesichts der aktuellen Situation noch wichtiger. Denn ohne diese Menschen würden die Bäder auch nach Corona geschlossen bleiben“, erklärt Susann Schmidt.

In Konstanz konnten zwar alle Ausbildungsplätze besetzt werden, allerdings wird es auch für die BGK immer schwieriger, Nachwuchskräfte zu gewinnen. Das hängt auch mit dem Bild zusammen, das in der Allgemeinheit von diesem Beruf verbreitet ist.

Klischee „Bademeister“

„Obwohl man uns natürlich kennt und wahrnimmt, entsprechen die Vorstellungen unserer Arbeit oft nicht der Realität, sondern gehen stark ins klischeehafte. Dabei besteht dieser Beruf aus viel mehr als nur der Badeaufsicht“, erklärt Susann Schmidt. „Wir sind natürlich für die Aufsicht und Sicherheit der Badegäste zuständig, kümmern uns um kleine Blessuren, helfen weiter und beantworten Fragen. Aber wir benötigen auch viel chemisches und mechanisches Wissen, denn wir müssen schließlich die Technik bedienen, die hinter einem Bad steht und die Wasserqualität sicherstellen.“

Besonders wichtig ist auch ein gesellschaftlicher Aspekt, den Schwimmmeister mit ihrer Arbeit erfüllen. Denn sie bringen Kindern das Schwimmen bei. Das ist essentiell, denn so gewährleisten sie die Sicherheit der kleinsten zukünftigen Badegäste. „Das fängt damit an, indem wir in die Kindergarten gehen und den Kindern bereits früh spielerisch die Angst vor dem Wasser nehmen und ihnen die Schwimmregeln beibringen. Diese Arbeit ist eine Arbeit, die dich lange Zeit begleitet – denn aus den Kindern werden Jugendliche und aus ihnen Erwachsene“, lächelt Susann Schmidt.

Fundierte Ausbildung

Insgesamt arbeiten bei der BGK 22 Fachangestellte und Meister für Bäderbetriebe, wie die offiziellen Bezeichnungen dieses Berufsbildes lauten. Sie kümmern sich gemeinsam mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen darum, dass insgesamt fünf Strandbäder, ein Hallenbad und die Bodensee-Therme Konstanz sowie künftig das Schwaketenbad am Laufen bleiben. Dazu ist eine fundierte Ausbildung notwendig: „Wir haben tolle Nachwuchskräfte, mit denen wir intensiv in den verschiedensten Bereichen arbeiten, so dass sie ein umfassendes Wissen aufbauen können. In den drei Jahren der Ausbildung lernt man sehr unterschiedliche Tätigkeiten, die Bestandteil des Berufs sind. Ein Schwerpunkt ist dabei das körperliche Training, das für uns selbstverständlich essentiell ist. Aber auch Verwaltungsaufgaben gehören zum Alltag dazu“, erklärt Susann Schmidt. Bewerbungen seien immer willkommen, und natürlich sei es auch immer möglich, in Form eines Praktikums in diesen Beruf reinzuschnuppern.

Liebe für den Beruf

Jemand, der seine Ausbildung bei den Konstanzer Bädern absolviert hat und nun kurz vor dem Sprung zum Titel des Schwimmmeisters steht, ist Stefan Widua. Er arbeitet in der Bodensee-Therme Konstanz und hätte eigentlich schon längst seinen Meisterbrief in den Händen. Aber dann kam das Coronavirus, weshalb alle Prüfungen verschoben wurden. „Ich hoffe, dass ich die Prüfungen möglichst schnell absolvieren kann. Denn ich liebe diesen Weg, den ich eingeschlagen habe, und möchte jetzt die nächste Stufe packen“, sagt Stefan Widua. Für ihn ist sein Beruf ein besonderer: „Ich wollte immer so arbeiten, dass ich nicht den ganzen Tag im Büro bin und meinen Job idealerweise mit Sport verbinden. Deshalb habe ich die Ausbildung bei der Bädergesellschaft begonnen. Und ich bin froh darüber – denn ich habe jeden Tag Kontakt mit vielen unterschiedlichen Menschen und verschiedenste Aufgaben:“ So fangen die Angestellten in der Therme schon um 6.30 Uhr morgens mit der Reinigung an, schauen, dass alles für die Gäste parat steht und übernehmen dann unter anderem die Aufsicht, führen Wassermessungen durch und sorgen dafür, dass die Technik läuft.

„Es ist genau diese Abwechslung, die Spaß macht. Kein Tag ist wie der andere. Und wenn man morgens als einer der ersten in der Therme ist und den Sonnenaufgang beobachtet, dann ist das einzigartig“, erklärt Stefan Widua. Eine Sache, die sowohl Susann Schmidt als auch Stefan Widua Freude bereitet, sind die Sportkurse, die sie geben. Etwa in Aqua-Jogging oder Wassergymnastik. „Hier merkt man die Begeisterung und Freude der Teilnehmenden. Wenn sie nach dem Kurs erschöpft, aber glücklich sind und sich bei uns bedanken, dann gibt uns das etwas zurück – diese persönliche Wertschätzung kann man mit keinem Geld der Welt aufwiegen“, freut sich Susann Schmidt. Und hofft, dass sie bald wieder Badegäste statt eines Schwans im Rheinstrandbad begrüßt.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler