Schläge, Mordrohungen und Zwang
Drei Männer wegen besonders schwerer Zwangsprostitution vor Gericht - ist ein Radolfzeller der Kopf der vermeintlichen Gruppe?

Die drei Männer auf der Anklagebank vor dem Landgericht Konstanz. Links: der 30-jährige Kopf der vermeintlichen Gruppe. Rechts: von links: Der 36-jährige Angeklagte, sein Anwalt Frank Kristian, Verteidiger Robin Schwarzer und der 26 jährige Angeklagte.    | Foto: Sebastian Ridder
  • Die drei Männer auf der Anklagebank vor dem Landgericht Konstanz. Links: der 30-jährige Kopf der vermeintlichen Gruppe. Rechts: von links: Der 36-jährige Angeklagte, sein Anwalt Frank Kristian, Verteidiger Robin Schwarzer und der 26 jährige Angeklagte.
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Konstanz. Für sie war es ein Business. Das Geschäftsmodell: Frauen in finanziellen oder familiären Krisen zur Prostitution überreden und mit Drohungen und Schlägen ausbeuten. Ein 30-Jähriger Radolfzeller muss sich nun mit zwei weiteren Männern dafür vor dem Landgericht Konstanz verantworten. Ein weiterer Angeklagter ist auf der Flucht. Der 30-Jährige war sogar an den Verbrechen von zwei Gruppierungen beteiligt. Noch unklar ist die Rolle einer damals erst 17-jährigen Prostituierten, die während der Ermittlungen vorgab seine Verlobte zu sein.

Schnelle Eingeständnisse mit einer Ausnahme

Mindestens neun Frauen zwangen die Angeklagten, ein 30-Jähriger, ein 28-Jähriger und ein 36-jähriger Mann zur Prostitution ab 2021. Der 30-Jährige ist der Hauptangeklagte und arbeitete bereits ein Jahr zuvor mit drei anderen Männern zusammen, um Prostituierte auszubeuten. Die Verlesung der Anklageschrift dauert fast eine Stunde. Es geht um Platzwunden, Morddrohungen, Zwang zu teils ungeschützten sexuellen Dienstleistungen, Drogen und eingesperrten Frauen. Das eingenommene Geld der Frauen, gaben Sie für Autos, Urlaub und Champagner aus, während die Frauen lediglich ein Taschengeld bekamen. Obendrein kommt die Erpressung eines Mannes in Singen.  

Gegen den Hauptangeklagten werden neben weiteren Anschuldigungen 16 Handlungen zur besonders schweren Zwangsprostitution vorgeworfen, gegen den 26-Jährigen zehn und den 36-Jährigen zwei. Ersterer gestand große Teile der Anschuldigungen. Nur die Vorwürfe im Zusammenhang mit einer damals 17-Jährigen bestreitet er, wie auch der 26-Jährige. Der Verteidiger des Hauptangeklagten, Dominik Hammerstein, bezeichnete die Frau sogar als Trittbrettfahrerin und behauptete, dass Sie eher eine Täterin als ein Opfer sei. Der 36-Jährige schwieg zu den Vorwürfen.

78-minütiges Telefonat bringt Ermittler auf die Spur

Die Umstände der geschädigten Frauen vor der Prostitution sind auffallend ähnlich: junge Frauen, die sich in finanziellen oder familiären oder psychischen Krisen befanden. Teilweise verliebten Sie sich auch in die Männer, die ihnen ein besseres Leben versprachen. Wollten Sie aussteigen, gab es Schläge, Drohungen oder Forderungen von Ersatz und hohen Zahlungen. Die Tatorte führen von der Schweiz, bis Darmstadt oder auch München. Der Großteil erfolgte aus Villingen-Schwenningen bis zum Landkreis Konstanz.

Wie der damals ermittelnde Polizist vor Gericht erklärte, brachte ein Anruf einer der Prostituierten die Beamten auf die Spur zu den Angeklagten. In einem 78-minütigem Telefonat habe sie von dem Zwang und Morddrohungen berichtet, weil sie aussteigen wollte. In den Wochen danach meldeten sich weitere Frauen mit demselben Sachverhalt.

Sie schilderten, dass der Hauptangeklagte der Kopf der drei Männer gewesen sein soll, während die anderen beiden die Frauen bewachten, Hotels buchten und Verabredungen und Besorgungen für die Frauen machten. Der Polizist habe aufgrund der Ähnlichkeiten und Recherchen wenig Zweifel an den Aussagen der Frauen. Eine der Frauen habe bei der Vernehmung alle erdenklichen Emotionen von Lachen bis Weinkrämpfen durchgemacht. "Das war eine der herausfordernden Vernehmungen, die ich je gemacht habe", so der Polizist. Die zum Beginn der Verbechen der Angeklagten Minderjährige, hingegen habe bei der Vernehmung ein Mal widersprüchliche Angaben gemacht und ein Mal falsche Aussagen selber eingestanden. 

Elf weitere Sitzungen angesetzt und 24 Zeugen geladen

Für den weiteren Prozessverlauf sind elf weitere Termine angesetzt sowie insgesamt 24 Zeugen geladen. Dort wird unter anderem die Rolle der damals minderjährigen Prostituierten geklärt sowie, ob es sich um einen bandemäßige Verbrechen handelt oder nicht. Wie der vorsitzende Richter erklärte, würde er gerne auch darauf verzichten, alle Zeugen vor Gericht zu stellen, da das wiederhervorholen der Geschehenisse für einige der Frauen nach rund sechs Jahren eine unheimliche Belastung darstelle.

Autor:

Sebastian Ridder aus Konstanz

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