Große Prozession am Hausherrensonntag
Radolfzell feiert seine Hausherren und die „Alltagsheiligen“
- Die feierliche Prozession, in der die Gebeine der drei Heiligen Theopont, Senesius und Zeno durch die Stadt getragen werden, verläuft auch dieses Jahr wieder durch die Radolfzeller Altstadt zum Marktplatz.
- Foto: Eron Metolli
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Radolfzell. Waschechte Radolfzeller werden sie kennen: Theopont, Senesius und Zeno. Diesen drei Heiligen der katholischen Kirche und Schutzpatronen der Stadt Radolfzell wird jedes Jahr das traditionelle Hausherrenfest gewidmet. Ein Fest, dass neben seinem christlichen Fundament auch für Radolfzell als weltliche Stadt eine zentrale Rolle spielt. Mit dem feierlichen Hausherrenamt und der dazugehörigen Prozession durch die Altstadt fand am 19. Juli eine zentrale Station des Festes statt.
Schon lange vor Beginn der Prozession füllten Gläubige, Gäste und zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens das Gotteshaus bis auf die letzten Plätze. Neben Bürgermeisterin Monika Laule war auch Oberbürgermeister Simon Gröger und diverse Gemeinderäte anwesend. Pfarrer Heinz Vogel eröffnete den Festtag mit einer Ansprache, in der er den besonderen Stellenwert des traditionsreichen Festes hervorhob. Unter dem vor dem Regen schützenden Dach des Münsters verwies Pfarrer Vogel zugleich auf die Dankbarkeit die dort jede und jeder verspüren solle, in Frieden und Freiheit Traditionen leben zu können. Dies sei keine Selbstverständlichkeit und müsse jeden Tag wertgeschätzt werden.
Dieses Jahr widmete sich das Fest thematisch unter anderem den sogenannten „Alltagsheiligen“. Gottes Heiligkeit durchdringe den Alltag und zeige sich mitten im Leben, so Johanna Rahner, Professorin für Theologie an der Universität Tübingen. Heiligkeit werde dort sichtbar, wo Menschen Verantwortung übernehmen und anderen beistehen. „Heilig ist, wer seine Aufgabe erfüllt, Mensch zu sein“, so Rahner.
Nach dem Gottesdienst setzte sich die traditionelle Prozession durch die Altstadt in Bewegung – passend zum Aufbruch brach auch die Sonne durch die Wolken. Begleitet unter anderem von der Stadtkapelle, der Feuerwehr, den Trachten und den Pfadfindern wurden die Reliquien der Hausherrenpatrone bei sonnigem Wetter durch die Straßen getragen, um so Segen für die Stadt zu erbitten. Auf dem Marktplatz kamen schließlich erneut alle zusammen. Eine Passage aus dem Buch Micha wurde neben der deutschen Sprache auch auf Französisch und weiteren Sprachen vorgetragen. Dies mache deutlich, dass Glaube Menschen unterschiedlichster Herkunft verbinde. Zwei der Sprecher waren Gläubige aus Kamerun, die, so Pfarrer Vogel, ihren weiten Weg weg nach Radolfzell gefunden haben. So positioniert sich die Kirche in Radolfzell deutlich für ein friedliches Miteinander – gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung von anderen Kulturen und Identitäten gehört hierfür unmissverständlich dazu.
Zum Abschluss dankte Pfarrer Vogel allen Helferinnen und Helfern von den Technischen Betrieben über Feuerwehr, Rotes Kreuz und Polizei bis zur Stadtkapelle und den Trachtenträgern, die in diesem Jahr ihr 105-jähriges Bestehen feiern. Auch das 70-jährige Bestehen der Pfadfinder wurde gewürdigt. Ihr Wahlspruch »Allzeit bereit« stehe beispielhaft für gelebte Hilfsbereitschaft. Sie alle seien, so der Tenor des Tages, selbst Beispiele für jene Alltagsheilige, die das Miteinander in einer Gemeinschaft tragen.
von Eron Metolli
Autor:Redaktion aus Singen |