Ausstellung "So! Oder Anders?" in der Villa Bosch
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer Stadt interaktiv beeinflussen
- Die Beteiligten der Sonderausstellung "So! Oder Anders?" freuen sich schon sehr auf diese innovative wie einzigartige Ausstellung in der Villa Bosch.
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Radolfzell. Was, wenn die noch weit entfernte Zukunft einer Stadt anhand einer Ausstellung beeinflusst werden könnte? Unter anderem diese Frage stellt sich "So! oder anders?", dessen Konzept nun am 17. Juli vorgestellt wurde.
Bei dieser Ausstellung, die am 31. Juli offiziell eröffnet wird und in Kooperation mit Studierenden der HTWG und Uni Konstanz sowie dem Kulturbüro Radolfzell erarbeitet wurde, können die Besucher durch interaktive Stationen sich unter anderem die Frage stellen, wie die Geschichte der Stadt verlaufen wäre, wenn damals andere Entscheidungen getroffen worden wären. Die Ausstellung ist das siebte Projekt der interdisziplinären Kooperation “Mediale Ausstellungsgestaltung”, die immer wieder innovative Akzente gesetzt hat und vielfach ausgezeichnet worden ist.
Der Startschuss für dieses außergewöhnliche Projekt fiel im Oktober 2025, wie Bürgermeisterin Monika Laule berichtet. "Durch den stets wertvollen Austausch zwischen Wissenschaft, jungen Menschen und der Stadt können auf diese spannende Art und Weise neue Perspektiven auf die Zukunft der Stadt ermittelt werden." Dabei ging das Team der beiden Konstanzer Hochschulen sehr frei an diese Ausstellung ran, wie Prof. Dr. Eberhard Schlag von der HTWG Konstanz erklärt. "Hier haben die Master-Studiengänge in den Fächern Architektur und Kommunikationsdesign der HTWG Konstanz sowie Master-Studierende im Fach Geschichte der Uni Konstanz vergangenes Wintersemester ein umfangreiches Konzept erarbeitet."
Für das Ausstellungsprojekt haben sich die Studierenden an dem Zeller Jubiläumsmotto "Geschtern. Heit. Morge." orientiert und davon inspirieren lassen, wie Geschichtsstudentin Anna-Lena Kraschina erläutert. "Dadurch ist es keine rein historische Rückschau, sondern eröffnet den Besuchern eine andere Perspektive auf die Stadtgeschichte." Hierzu haben die Studierenden im Vorfeld auch Menschen auf den Straßen der Stadt befragt. "Mit diesem Projekt wollen wir alternative Gegenwarten schaffen, die die Besucher zum Nachdenken anregen."
Die Villa Bosch wird hierbei räumlich im Erdgeschoss die Vergangenheit und Gegenwart sowie im Obergeschoss die Zukunft aufgeteilt, thematisch werden dabei das Rathaus als politisches Zentrum, das Milchwerk als Repräsentant der Industrie von früher, der Bodensee sowie die Tanke als Ort für Gemeinschaft und Jugendkultur eine zentrale Rolle spielen. Hierzu sollen unter anderem Installationen dienen, wie Architekturstudentin Anna-Sophie Graßmann erklärt. "Die Menschen sollen spüren können, wo man sich befindet." In diesen Räume betreten die Besucher vertraute Orte und entdecken sie auf überraschende Weise neu.
Die Besucher selbst erhalten beim Einlass unterschiedlich-farbige "Eintrittskarten", die jeweils in rot die Cella, in grün das Rathaus, in blau den Bodensee sowie in lila das Milchwerk darstellen. Hierzu werden in der Stadt Aufsteller platziert, die als Abstimmungsstationen direkt Einfluss auf die Ausstellung in der Villa Bosch nehmen, wie Jasmin Fassler, Studentin für Kommunikationsdesign, aufzeigt. "Durch die Eintrittskarten, die dann in die Zeitkapsel geworfen werden können sich die Besucher beispielsweise für ein historisches Szenario entscheiden, für das sie sich damals eingesetzt hätten", ergänzt Prof. Dr. Johannes Bernhardt, Geschichtsprofessor der Uni Konstanz.
"Anhand dessen", so Bernhardt weiter, "wird dann ein individuelles Profil für die Besucher erstellt, das diese dazu anleitet, eine Vision für ihre Stadt entwickeln." Somit können sie in dieser innovativen Ausstellung auf spielerische Weise eigene Gedanken und Wünsche einbringen. Die Entscheidung, was am Ende in die Zeitkapsel aufgenommen und bis zum nächsten Stadtjubiläum bewahrt werden soll. Die Ausstellung "So! Oder Anders?" ist ab dem 1. August dann für die Öffentlichkeit zu den Öffnungszeiten der Villa Bosch Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 17.30 Uhr zugänglich.
Autor:Philipp Findling aus Singen |