Mit Projektteam und Öffentlichkeitsbeteiligung
Radolfzell möchte die Entwicklung des Krankenhausareals vorantreiben

Radolfzells Oberbürgermeister Simon Gröger (links) und Projektleiter Thomas Nöken hoffen bei der Entwicklung des Krankenhausareals, auch dessen historischen Teil erhalten zu können.  | Foto: Philipp Findling
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Radolfzell. Es kommt wieder etwas Bewegung rund um das frühere Radolfzeller Krankenhausareal. Beim kommenden Projekt hierzu, dessen Pläne am 10. Juli vorgestellt wurden, möchte man auch auf die Beteiligung des Stiftungsrats und der Bürgerschaft setzen.

"Wir wollen die Entwicklung dieses Areals nun endlich konkret angehen", betonte Oberbürgermeister Simon Gröger. Für dieses Vorhaben habe er Bauamtsleiter Thomas Nöken, der bereits bei der Neuen Ortsmitte Böhringen mitwirkt, als Projektleiter bestimmt. "Ich habe mich sehr gefreut, dass die Stadt mir für dieses bedeutsame Projekt ihr Vertrauen ausgesprochen hat", so Nöken.

Der derzeigte Stand 

Aktuell befindet sich das Grundstück immer noch im Besitz der Hegau Bodensee Klinikum GmbH, die heute Teil des Gesundheitsverbunds des Landkreis Konstanz ist und an die vor gut 21 Jahren das Erbbaurecht hierfür ging. "Hierfür sind wir in guten wie konstruktiven Gesprächen mit dem Landrat und Singens OB Bernd Häusler, um das Grundstück zum 31. Dezember wieder in den Spitalfond zurückzuführen", erklärte Gröger. Alle drei Parteien möchten im Herbst diesen Jahres bei einen Termin beim Regierungspräsidium mit diesem die letzten Vertragsdetails festzurren und dadurch die Rückübertragung final billigen. "Wir haben alle das Ziel, dies im gemeinsamen Schulterschluss hinzubekommen", zeigt sich Gröger zuversichtlich. 

Medizinische Versorgung bleibt erhalten

Die anliegende Luisenklinik sei laut Gröger weiterhin interessiert, in einem Gebäudeteil des historischen Teils unterzukommen. "Auch hier sind wir in regem Austausch, um das gemeinsam voranzubringen." Zudem konnte der Radolfzeller OB verkünden, dass auch die medizinische Versorgung im HNO-Bereich in der Stadt erhalten bleiben konnte. So werde Facharzt Dr. Markus Steinwaller zeitnah in seine neue Praxis in die Böhringer Straße 50 ziehen. Zudem solle Frauenärztin Dr. Julia Minner nach derzeitigem Stand in der Konstanzer Straße unterkommen. Beide Ärzte hatten bisher ihre Praxisräume noch im Krankenhausgebäude.

Workshop mit dem Stiftungsrat

Weiter ging Projektleiter Thomas Nöken auf die Entwicklung des Krankenhausareals ein. Dabei betonte er auch die Bedeutung des Areals, dass in den letzten über 100 Jahren auf etwa 14.343 Quadratmetern gewachsen sei. "Das Gebäude bietet mit seiner zentralen Lage tolle Chancen, um hier etwas zu entwickeln." Noch im Juli möchte sich laut Nöken das Projektteam zu einer konstituierenden Sitzung treffen, um gemeinsam die Grundlagen für das Projekt zusammenzutragen. Weiter werde man im Projektteam dann im August und September den Workshop mit dem Stiftungsrat vorbereiten, welcher dann im Oktober über die Bühne gehen soll. "Hierin möchten wir die gemeinsame Ausrichtung der Projektentwicklung definieren", sagt Nöken. 

Da die finanziellen Mittel des Spitalfonds auch aufgrund der noch ausstehenden finalen Rechnung des Pflegeheims stark eingeschränkt sind und dieser aufgrund dessen auf Einnahmen angewiesen ist, möchte die Stadt Radolfzell bei der Entwicklung des Krankenhausareals auf den Verkauf sowie die damit verbundene Suche nach einem Investor setzen. Sollte bei der Veräußerung durch den Spitalfonds der Stiftungszweck wegfallen, sind nach aktuellem Stand verschiedene Nutzungen möglich. So stehen neben medizinischen wie sozialen Nutzungen auch Gerwerbeflächen, Hotels, Dienstleistungen oder auch Wohnungsbau im Raum. "Zu gegebener Zeit ist mit dem Stiftungsrat und der Stiftungsaufsicht zu besprechen, welche Teile des Gesamtgrundstücks bei der Stiftung im Erbbaurecht verbleiben und welche verkauft werden sollen", erklärt zudem die Zeller Wirtschaftsförderung auf Anfrage des WOCHENBLATTs. "Nach dem teilweisen Rückbau des heutigen Gebäudes hängt die zukünftige Neuordnung des Grundstücks von den angestrebten Nutzungen ab." 

Darüber hinaus sollen im Workshop auch die Entwicklungsoptionen des Krankenhausareals und welche Nutzungen man für das Gebäude anstrebt, besprochen werden, führte Nöken weiter aus. Weiter soll hier unter anderem geklärt werden, ob der Bettentrakt erhalten bleibt sowie auch ob beim Areal einen neuen An- oder Neubau benötigt. Eines jedoch steht für Thomas Nöken bereits fest: "Die Grünfläche im Krankenhauspark möchten wir als grüne Lunge des Areals erhalten."

Verkauf und Konzeptvergabeverfahren

Nach der Öffentlichkeitsbeteiligung im November, bei der alle Radolfzeller Bürger sowie direkten Anwohner des Areals auch ihre Ideen einbringen können, möchte man bis Dezember 2026 alle Leitplanken beschließen, um anschließend, wie schon beim Pflegeheim in Böhringen, 2027 unter Bewertung qualitativer Kriterien wie beispielsweise städtebaulicher und wohnungspolitischer Vorgaben in ein Konzeptvergabeverfahren zu gehen, erklärt der Projektleiter.

"Hier spielt im Gegensatz zu einem Bieterverfahren der Kaufpreis eine untergeordnete Rolle", sagt Thomas Nöken. Die Stadt werde ihm zufolge hierbei einen Mindestkaufpreis aufrufen, jedoch müsse ein möglicher Investor das vorgegebene Konzept erfüllen. Ein Abbruch und Entkernung des historischen Teils sowie dem alten Bettentrakt sei ihm zufolge etwas kompliziert, da es sich hierbei um sehr belastbares Material handle. Die Kosten werden laut Simon Gröger dabei aktuell auf rund 3,5 Millionen Euro geschätzt. "Für uns ist es wichtig", betont Nöken, "bis zum nächsten Jahr Lösungen zu erarbeiten, um dann mit dem Areal auf den freien Markt zu gehen und einen geeigneten Investor zu finden."

Radolfzells Oberbürgermeister Simon Gröger (links) und Projektleiter Thomas Nöken hoffen bei der Entwicklung des Krankenhausareals, auch dessen historischen Teil erhalten zu können.  | Foto: Philipp Findling
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Autor:

Philipp Findling aus Singen

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