Aber das hat seinen Preis
»Wir können die Region gut versorgen«

Stefan Leichenauer, Landwirt aus Leidenschaft und BLHV-Kreisvorsitzender, über die Versorgungslage: »Wir können uns in der Region gut versorgen, aber die Lebensmittel werden teurer.«
  • Stefan Leichenauer, Landwirt aus Leidenschaft und BLHV-Kreisvorsitzender, über die Versorgungslage: »Wir können uns in der Region gut versorgen, aber die Lebensmittel werden teurer.«
  • Foto: swb-Bild: privat
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Landkreis Konstanz. Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges bekommen auch die Menschen in der Region zu spüren. Steigende Preise für Strom, Gas und Öl belasten die Verbraucher ebenso wie die erhöhten Kosten für Lebensmittel. Zwar versichert Landwirtschaftsminister Cem Özdemir mit Nachdruck, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sichergestellt sei, dennoch kommt es bereits zu Hamsterkäufen und leeren Regalen in Märkten.

Stefan Leichenauer aus Tengen-Uttenhofen ist als Landwirt eines Gemischtbetriebes von den Kostenbelastungen direkt betroffen. Dennoch ist der Kreisvorsitzende im Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) überzeugt: »Wir in Baden-Württemberg können unsere Regionen saisonal sehr gut mit Lebensmitteln versorgen.« Allerdings wird das seinen Preis haben: »Die Verbraucher werden für Nahrungsmittel tiefer in die Tasche greifen müssen«, ist Leichenauer sicher.

Die Gründe für die Kostenspirale im Versorgungsbereich sind komplex. Steigende Betriebskosten für Benzin, Saatgut und Dünger treiben die Preise für Getreide, Gemüse und Obst in die Höhe. Bei den Gemüsebauern werden zudem die Beheizung der Gewächshäuser und höhere Löhne für Saisonarbeiter zu Buche schlagen. Angesichts dieser Teuerung werden sich Verbraucher die Frage stellen: »Kann ich mir die regionalen Produkte noch leisten?«, so der Landwirt, der konsequent auf Regionalität setzt. Er befürchtet, dass besonders kleine Geschäfte und Betriebe dieser Entwicklung zum Opfer fallen werden und stellt den angestrebten Einklang zwischen Lebensmittelerzeugung, Ökologie und Biodiversität in Frage. »Ich bin wirklich für Klima- und Naturschutz, aber die Versorgungssicherheit geht vor«, betont Leichenauer und befürwortet die Freigabe ökologischer Vorrangflächen, die gerade europaweit anvisiert wird.

Wenig Sinn macht nach Leichenauers Meinung auch das Entlastungspaket, das die Ampelregierung nun auf den Weg brachte. Darin sind vorgesehen: eine Energiepreispauschale von 300 Euro für einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige, eine befristete Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoff, ein Einmalbonus über 100 Euro zusätzlich zum Kindergeld und für Empfänger von Sozialleistungen und ein Nahverkehrsticket von neun Euro pro Monat. »Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein«, ist er überzeugt. Ein Neun-Euro-Ticket für den Nahverkehr mache im ländlichen Raum wenig Sinn, wenn die Verkehrstaktung nicht stimme. Am ehesten würden die Familien hier von niedrigeren Energiekosten profitieren.

Dennoch sieht Stefan Leichenauer auch in der Eigenverantwortung einen wichtigen Faktor, um die derzeitige Krise zu meistern. »Jeder hat es in der Hand seinen Beitrag zu leisten«, ist er sicher. Ähnlich sieht es Bernhard Bolkart, Präsident des BLHV. Er meint in einem Beitrag zur Versorgungslage: »Langfristig brauchen wir auf allen gesellschaftlichen sowie politischen Ebenen ein neues Bewusstsein für unsere Ernährungssouveränität. Wir sind alle dafür verantwortlich, was und wie viel in Deutschland angebaut wird und was wir aus unseren Lebensmitteln machen. Es ist nicht hinnehmbar, dass in Deutschland pro Jahr zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen und anderswo Menschen Hunger leiden.«

Autor:

Ute Mucha aus Moos

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