Mit Herz, Haltung und handwerklicher Präzision
«#Baustelle Leben» überzeugt als überraschend reifes Jugendtheater

Am letzten Samstag feierte das Theaterstück «#Baustelle Leben» der «Theatäter» vom Friedrich-Wöhler-Gymnasiums die Premiere im Kulturzentrum Gems. Mit rund 100 Besuchern war die Vorstellung restlos ausverkauft. | Foto: Achim Holzmann
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  • Am letzten Samstag feierte das Theaterstück «#Baustelle Leben» der «Theatäter» vom Friedrich-Wöhler-Gymnasiums die Premiere im Kulturzentrum Gems. Mit rund 100 Besuchern war die Vorstellung restlos ausverkauft.
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  • hochgeladen von Philipp Findling

Singen. Wer Jugendtheater über Jahre verfolgt, weiß: Zwischen einer netten Schulaufführung und einem wirklich funktionierenden Theaterabend liegen Welten. Die jungen Darstellerinnen und Darsteller der «Theatäter» des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums bewiesen bei der Premiere von «#Baustelle Leben» im Kulturzentrum Gems eindrucksvoll, dass engagiertes Schultheater weit mehr sein kann als das Einstudieren von Texten. Vor nahezu 100 Zuschauern feierte die vollständig ausverkaufte Vorstellung einen verdienten Erfolg.

Bereits das Bühnenbild erzählte seine eigene Geschichte. Bauhelme, Betonsäcke, Absperrgitter, Umleitungsschilder und eine als Baukran inszenierte Traverse schufen keinen dekorativen Hintergrund, sondern einen klar definierten Spielraum. Die Bühne war keine Kulisse – sie war ein dramaturgischer Mitspieler. Als die jungen Schauspieler mit Sackkarren, Baumaterial und präzisen choreografierten Abläufen zur schwungvollen Klangkulisse des legendären „Yakety Sax“ die Baustelle zum Leben erweckten, war das Publikum augenblicklich mitten im Geschehen.

Das gemeinsam von den 20 Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 5 bis 7 entwickelte Stück «#Baustelle Leben» verbindet die reale Baustelle eines Bauunternehmens mit den unsichtbaren Baustellen einer jungen Generation. Romina und Livia sprechen in ihrem Podcast über die Herausforderungen der Generation Alpha zwischen Social Media, digitalem Dauerrauschen und Orientierungslosigkeit. Gleichzeitig gerät die Baufirma ihres Sponsors, das Baugeschäft Müller, durch Sabotage, familiäre Spannungen und rätselhafte Vorfälle zunehmend aus den Fugen.

Besonders bemerkenswert ist dabei die kluge Parallelführung der beiden Erzählebenen. Die Inszenierung verzichtet auf erhobene Zeigefinger und vertraut stattdessen auf Bilder, Humor und Tempo. Dass Peters Tochter sich mit ihren Freundinnen auf eine gefährliche Online-Challenge einlässt, fügt sich organisch in die Handlung ein und lenkt den Blick auf die zentrale Frage des Abends: «Auf welchem Fundament bauen junge Menschen heute ihr Leben auf»?

Auch theaterhandwerklich zeigte die Produktion erstaunliche Reife. Szenenwechsel verliefen flüssig, Ensembleszenen wirkten lebendig und das Zusammenspiel der jungen Darsteller überzeugte durch Spielfreude und bemerkenswerte Präsenz. Dass die Geschichte trotz zahlreicher Figuren stets übersichtlich blieb, spricht für eine durchdachte Regiearbeit und intensive Proben.

Im Finale sorgt Privatdetektiv John Matthew schließlich für die Auflösung der Sabotagefälle, die Täter werden überführt, der Baustopp aufgehoben und die Familienkonflikte finden eine versöhnliche Lösung. Das Happy End wirkt dabei keineswegs aufgesetzt, sondern rundet einen Theaterabend ab, der Unterhaltung und Nachdenklichkeit gekonnt miteinander verbindet. „#Baustelle Leben“ beweist eindrucksvoll, welches kreative Potenzial in engagierter Theaterarbeit mit Jugendlichen steckt – ehrlich, aktuell und mit einer beeindruckenden Spielfreude, die das Publikum von der ersten bis zur letzten Szene mitnahm.

Am letzten Samstag feierte das Theaterstück «#Baustelle Leben» der «Theatäter» vom Friedrich-Wöhler-Gymnasiums die Premiere im Kulturzentrum Gems. Mit rund 100 Besuchern war die Vorstellung restlos ausverkauft. | Foto: Achim Holzmann
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Autor:

Achim Holzmann aus Singen

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