OB Bernd Häusler stimmt die Stadt beim Neujahrsempfang auf viele Veränderungen ein
GVV wird Stadt Singen noch viel Geld kosten

  • Foto: 1.100 Besucher des Singener Neujahrsempfangs erlebten am Freitagabend eine große Vorschau auf alle die Projekte, die OB Häusler mit dem Gemeinderat und der Stadtverwaltung anpacken will, aber auch eine offene Analyse der Problempunkte der Stadt. Swb-Bild:
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Singen (of). Bis auf den allerletzten Platz war die Stadthalle am Freitag Abend gefüllt und die Erwartung war groß zum ersten Neujahrsempfang von Oberbürgermeister Bernd Häusler. Das Thema Gräben könne er nicht mehr hören, sagte Häusler dem durch die Dieter-Rühland-Band eingestimmten Publikum. Denn Gräben gebe es für ihn eigentlich nicht mehr. Vielmehr seien die Monate seit seiner Amtsübernahme von einer konstruktiven und offenen Zusammenarbeit geprägt. Allerdings: Nicht alles könne sofort verändert und erledigt werden.

Gleich am Anfang der Rede kam die Innenstadt zur Sprache. Das zweite Gutachten für ein ECE-Shoppingcenter sei angesichts der Dimensionen nötig gewesen , denn 50 bis 60 Millionen Euro zusätzlicher Umsatz, oder auch ein Plus von 30 Prozent an Verkaufsfläche sei eine gewaltige Herausforderung für die Stadt, deren Folgen noch nicht absehbar seien. Bis zum Sommer wolle man nach dem nun vorliegenden Gutachten hier zu einer Entscheidung kommen, das sei man auch dem Investor schuldig, der in Singen schon viel in Optionsverträge investiert habe. „Die Entwicklung der Innenstadt darf nicht halt machen“ so Häusler auch im Hinblick auf die nötigen Neugestaltungen in der Hegau- und Hadwigstraße.

Häusler dankte in seiner Rede nochmals ausdrücklich dem Ehepaar Maier für die Realisierung des „Museum Art & Cars“ für die Umsetzung einer Vision. „Singen ist die Kulturstadt zwischen Stuttgart und Zürich“, betonte Häusler, und da habe der Schlag in Richtung Konstanz gesessen.

Die Liste der Vorhaben, die Häusler im Ausblick für 2014 anriss, war lang. Die Innenstadtplätze, Radwege, der Sportcampus am Hohentwielstadion, der geplante Abriss des Conti für die Realisierung des Sanierungsgebiets Scheffel-Areal, das Feuerwehrdepot in Beuren, das Wetzstein-Areal, das einstige Michael-Herler-Heim und einiges mehr riss Häusler an. Das Thema Wohnungen hat für Häusler eine hohe Priorität. Hier kündigte er die baldige Ankunft von Asylbewerbern an. Rund 50 würden in einer ersten Welle kommen. Häusler bat darum, die Menschen freundlich aufzunehmen. Die meisten seien einem Krieg entronnen und suchten hier nun ein besseres Leben.

Eine neue Entwicklung kündigte Häusler für das Kunsthallen-Areal an. Neun Millionen Euro hätte die Städtische Baugesellschaft GVV dort investiert, durch die Akzeptanz viel zu hoher Preise schlage alleine die freie Fläche mit fünf Millionen Euro zu Buche. Außer der Umsiedlung von Foto Wöhrstein sei nichts passiert. Regionale Investoren, das Konsortium WHS aus der Wobak Konstanz, der Singener Baugenossenschaft Oberzellerhau, der Familienheim Bodensee und dem Bau- und Sparverein Konstanz wollten sich hier engagieren mit Wohnungsbau und einem neuen Edeka-Markt unter Beteiligung der GVV. Allerdings müsse die GVV wohl dazu einen Teil der Kosten für das Grundstück abschreiben, denn ein Preis von 1.600 Euro pro Quadratmeter entspreche ganz und gar nicht den Singener Verhältnissen.

Einen gewichtigen Teil seiner Rede hatte Bernd Häusler dem Thema GVV gewidmet, wo der Stadt ein langer und steiniger Weg bevorstünde, der sicher auch nicht billig wäre. In den nächsten Wochen wolle man eine Neuausrichtung vornehmen. Prestigebauten und Denkmäler solle es nicht mehr geben. Das werde auch eine Herkulesaufgabe werden, meint Häusler. Schon dieses Jahr steht ein Darlehen über 5 Millionen Euro im Haushalt der Stadt – und nach den Andeutungen von Häusler wird hier noch mehr nötig sein. „Das ist Geld, dass uns für andere Projekte fehlt und das ärgert mich maßlos“, rechnete er mit denen ab, die die GVV als eine Erfolgsstory verkauft hätten.

Auch der Klinik widmete Häusler einige Minuten seiner einstündigen Rede. Auch hier ist der Ärger über die Abwertung des Unternehmenswerts noch zu spüren. Der neue Klinikverbund müsse sich sehr anstrengen, denn Wirtschaftlichkeit sei oberste Maxime. Für ein bei der Fusion versprochene stationäre Hospiz müssten durch die Abwertung neue Wege gesucht werden.

Bevor der Stimmkünstler Martin O. aus Appenzell mit seinem sehr originellen Auftritt loslegte, der in einer vielstimmigen Persiflage der Rede Häuslers gipfelte, warb Häusler noch für die Beteiligung an der Kommunalwahl im Mai. Singen könne da zeigen, dass es mehr könne als 37 Prozent.

Der Abend mit seinem Erlös war insgesamt der Singener Bürgerstiftung gewidmet. Durch den Überschuss der Eintrittsgelder und der Verzicht der Rühland-Band auf ihre Gage, könne man der Stiftung 2.500 Euro für eines ihrer vielen bedeutenden Projekte spenden.

Autor:

Oliver Fiedler aus Gottmadingen

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