"Aperitif mit dem Teufel" in der Färbe
Wenn Satan in der Hölle der Sherry ausgeht
- Was, wenn der Teufel womöglich doch nicht der Ursprung allen Böses ist? Dem und mehr geht das Stück "Aperitif mit dem Teufel" in der Färbe nach.
- Foto: Guido Kasper
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Singen. Vor was sollte man im Leben mehr Angst haben: dem Teufel oder doch vielleicht Gott? Unter anderem diese Frage stellt das Stück "Aperitif mit dem Teufel" von Marius Leutenegger, das am 16. Oktober im Theater "Die Färbe" in Singen Premiere feierte.
Niemand spielt den Teufel besser als Schwarz (Ralf Beckord). In einer gefeierten Aufführung von Goethes "Faust" stellt Schwarz den Mephisto dar, doch dann gehen seltsame Dinge vor sich. Schwarz wird mitten aus einer Aufführung entführt und erhält den Auftrag, die Welt zu retten. Der Teufel hat nämlich keine Lust mehr, seine Rolle im großen Welttheater zu spielen, was das Ende aller Zeiten bedeutet. Kaum einer wäre Besser geeignet dem Satan "Nachhilfestunden" zu geben als Fausts Mephisto. Herr Schwarz aber ist verwirrt, doch als der Teufel höchstpersönlich (Elmar F. Kühling) seinen Auftritt zelebriert und mit ihm über Gott und die Welt philosophiert, traut er seinen Augen und Ohren nicht mehr.
Brauchen Gott und der Teufel einander?
Die Frage nach Gott ist eine solche, die wir uns vermutlich unser gesamtes Leben hinter uns her zerren. Hierbei jedoch noch den Beelzebub selbst mit einzupflegen und dadurch nicht nur Gottes Existenz, sondern auch die des Satans sowie deren Abhängigkeit voneinander infrage zu stellen, ist gerade im theatralischen Bereich eine hoch spannende Prämisse. Dies gelingt Regisseurin Nete Mann mit ihrer Inszenierung von "Aperitif mit dem Teufel" meisterlich. Gerade, aber nicht nur die Frage, ob Teufel und Gott wirklich einander brauchen, regt das Publikum dabei zum Nachdenken an.
Was Mann mit diesem Stück ebenfalls grandios gelingt, ist die Übertragung der Tatsache, dass auch auf unserer anscheinend makellos erscheinenden Welt nichts perfekt ist, in das Jenseits und die Hölle. Denn allein schon wenn Michaela, wundervoll gespielt von Chiara Ruf in ihrer Färbe-Premiere, davon erzählt, dass nicht alle Eingänge im Paradies bestens bewacht werden, lässt die Frage aufkommen, ob es nicht auch Gott sei, der Unterstützung von Schwarz bekommen sollte.
Ist Gott wirklich allmächtig?
Ein Aspekt, der bei Nete Manns Inszenierung am stärksten hervorsticht, ist die Differienzierung, Bedeutung und Auswirkung von Gut und Böse. Dies wird zum einen darin deutlich, als der von Elmar Kühling fantastisch dargestellte und Sherry-süchtige Teufel doch tatsächlich gegenüber Schwarz behaupte, er habe das Fernsehen und die Medien erschaffen. Eine leider aktuelle wie traurige Anspielung auf die derzeitige politische Situation in Sachsen-Anhalt und was ihr unter einer rechtspopulistitschen Regierung drohen könnte. Und auch die Aussage von Schwarz, dass "Gott alles, aber auch nichts" sei, lässt vermutlich nicht nur die Zuschauer daran zweifeln, ob der Allmächtige dies wirklich ist.
Doch ist es bei diesem höchst unterhaltsamen, aber auch nachdenklich stimmenden Aperitif ebenfalls spannend anzusehen, wie auch das Boshaftige des Teufels und damit generell das Böse auf Erden hinterfragt wird. Dies trifft sowohl dann zu, wenn Schwarz frei nach Goethes Mephisto sagt, dass der Teufel "ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“, sowie anhand der nicht nur daraus möglichen Annahme, dass jedes Böse mal aus einem Guten entsprungen sein soll. Und auch der beim Exorzismus des Teufels offenbar herauszuhörende "Pudels Kern" und damit das Gute im Menschen stellt die Boshaftigkeit des Beezlebubs indirekt infrage. Daraus folgend stellt das Stück das Publikum vor die nicht einfach zu beantwortende Frage, ob es nun wirklich der Teufel ist, welcher der Ursprung des Bösen ist, oder doch Gott selbst.
Handlungsunfähigkeit des angeblich Bösen
Diese Frage verknüpft Nete Mann mit ihrer Inszenierung mehrfach herausragend mit dem aktuellen Weltgeschehen und dem damit verbundenen Leid vieler Menschen. So kann hierbei die Bedeutung des Menschen für Gott selbst sowie das mehrfache Samba-Tanzen in der Hölle mit den Erzengeln, Adams angeblich erster Frau sowie Satan höchstpersönlich dahingehend als gewisse Handlungsunfähigkeit selbst der mächtigsten und miesesten Politiker auf der Welt und deren tatenlosen Zusehen, wie sich der Alltag vieler Menschen verschlechtert, gedeutet werden. Wenn zudem obendrein noch dem Teufel nichts anderes einfällt zu sagen als ein demütigend wirkendes "och", kann man sich in dieser Annahme durchaus bestätigt fühlen.
"Aperitif mit dem Teufel" ist noch bis zum 28. November immer Mittwochs bis Samstags im Theater "Die Färbe" in Singen zu sehen. Zudem wird es am 25. Oktober um 11 Uhr eine Matinee-Vorstellung geben.
Autor:Philipp Findling aus Singen |