Steißlinger Bürgermeisterkandidaten im WOCHENBLATT-Interview
Dreikampf um die Nachfolge von Artur Ostermaier

Kandidaten Bürgermeister Steißlingen
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  • Foto: Die Bürgermeisterkandidaten in Steißlingen (v.l.): Bernhard Dieh, Benjamin Mors und Matthias Schaubel. swb-Bild: pr
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Steißlingen. Am 22. Oktober wählt Steißlingen den Nachfolger für Bürgermeister Artur Ostermaier. Zur Wahl stehen Bernhard Diehl, Benjamin Mors und Matthias Schaubel. Vor der offiziellen Kandidatenvorstellung am nächsten Montag, 9. Oktober, 19 Uhr in der Seeblickhalle hat das WOCHENBLATT die drei Bürgermeisterkandidaten befragt.

WOCHENBLATT: Was befähigt gerade Sie, die Nachfolge des langjährigen Steißlinger Bürgermeisters Artur Ostermaier anzutreten?

Bernhard Diehl: »Meine langjährige Erfahrung als Ortsvorsteher von Böhringen, einer fast gleichgroßen Gemeinde, sowie meine Tätigkeit als Stadtrat und Fraktionsvorsitzender in Radolfzell geben mir das nötige politische »Rüstzeug« für das Bürgermeisteramt. In Steißlingen leite ich außerdem seit 2010 die Gemeindemusikschule. Ich kenne also sowohl den Ort als auch die Tätigkeit.«

Benjamin Mors: »Für Bürgermeister nahmen die Anforderungen in den letzten Jahren deutlich zu. Mein Studium an der Hochschule für öffentliche Verwaltung sowie meine beruflichen Erfahrungen bilden eine Grundlage für die Ausübung des Amts: im Studium konnte ich nahezu alle Themenbereiche der öffentlichen Verwaltung kennenlernen. Durch meine Funktion als Kämmerer der Stadt Engen mit Führungsverantwortung für 10 Mitarbeiter konnte ich mich nicht nur persönlich in einer Führungsposition beweisen, sondern auch Diskussionen mit anderen Abteilungen führen und so die dortigen Probleme kennen lernen sowie kommunalpolitische Erfahrung sammeln.«

Matthias Schaubel: »Ich kann mich als Jurist und Vorsitzender einer Baugenossenschaft sehr schnell in alle Rechtsgebiete einarbeiten. Zudem verfüge ich als Gemeinderat und Vorstandsmitglied eines Vereins über mehrjährige kommunalpolitische Erfahrung. Dadurch habe ich gelernt Kompromisse zu suchen, einen Interessenausgleich zu finden und pragmatische Lösungen zu erarbeiten. Als Familienvater bringe ich die notwendige Lebenserfahrung und persönlichen Voraussetzungen mit.«

WOCHENBLATT: Steißlingen gilt als Vorzeigegemeinde im Landkreis – was gilt es dennoch vielleicht anders zu machen als ihr Vorgänger?

Bernhard Diehl: »Bürgermeister Ostermaier und der Gemeinderat haben Steißlingen hervorragend für die Zukunft aufgestellt. An diese Entwicklung möchte ich weiter anknüpfen. Meiner Meinung nach ist Steißlingen in den letzten Jahren zu rasant gewachsen. Dies möchte ich gerne zusammen mit der Bürgerschaft zukünftig wieder gemäßigter angehen, damit der dörfliche Charakter erhalten bleibt.«

Benjamin Mors: »Steißlingen hat unter der Amtszeit von Artur Ostermaier großes erreicht. Dies verdient Respekt und Anerkennung. Der Generationswechsel, welcher mit meiner Wahl verbunden wäre, würde sich beispielsweise in einer offenen Diskussionskultur und einem modernen Führungsstil zeigen.«

Matthias Schaubel: »Gerade weil Steißlingen als Vorzeigegemeinde gilt, wurde vieles in der Vergangenheit in Zusammenarbeit von Bürgerschaft, Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderat richtig gemacht. Ein Kurswechsel ist somit nicht notwendig. Ein Vergleich mit Bürgermeister Ostermaier steht mir aus Respekt vor seiner Lebensleistung nicht zu. Da jeder Mensch eine eigene Persönlichkeit hat, werde ich meine eigenen Fußspuren setzen.«

WOCHENBLATT: Das Thema Nahversorgung brennt den Steißlingern unter den Nägeln – wie ist ihre Meinung hierzu?

Bernhard Diehl: »Steißlingen benötigt ein erweitertes Angebot. Da der ehemalige Landmarkt aktuell geschlossen ist. Diese Immobile muss wieder aktiviert werden. Hierzu sind Gespräche mit dem Verpächter nötig. Die Gemeinde führt nun eine Bedarfsumfrage in allen Steißlinger Haushalten durch. Meiner Meinung nach fehlt außerdem ein Drogeriemarkt und ein Tagescafé«.

Benjamin Mors: »In vielen Gesprächen in Steißlingen habe ich gespürt, dass dieses Thema den Ort bewegt. Es gilt nun jedoch noch abzuwarten, welche Ergebnisse sich aus der geplanten Haushaltsumfrage ergeben. Persönlich sehe ich jedoch Handlungsbedarf und könnte mir einen Lebensmittelnahversorger vorstellen, der sowohl im innerörtlichen Bereich liegen könnte als auch in einer Ortsrandlage. Bei letzterem würde ich mich dafür einsetzen, dass die Verbindung zum Ortskern durch eine Bushaltestelle gestärkt würde. Unter dem Thema Nahversorgung verstehe ich aber auch die medizinische Versorgung. Deshalb würde ich mich mittelfristig für ein »Gesundheitshaus« im Ortskern einsetzen, was nicht nur die Versorgung in diesem Bereich sicherstellt, sondern auch die Funktion des Ortszentrums stärkt.«

Matthias Schaubel: »Die Nahversorgung muss generationenübergreifend gewährleistet sein. Eine Kommune kann aber nur die Rahmenbedingungen und Infrastrukturen schaffen. In Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft muss daher die Aufgabe angegangen werden, um die bestmöglichste Lösung zu finden, ohne die intakte Dorfmitte mit ihrem Einzelhandel zu gefährden.«

WOCHENBLATT: Der Bau von Windkraftanlagen am Kirnberg ist ins Stocken geraten – wie ist ihre Position hierzu?

Bernhard Diehl: »Grundsätzlich bin ich für den Ausbau von erneuerbaren Energien und habe den Gemeinderatsbeschluss zum Kirnberg respektiert. Ich bin über die »Himmelsleiter« auf den Kirnberg gewandert und habe mir die geplanten Standorte der Windmühlen persönlich angeschaut. Voraussetzung für das Projekt war und ist für mich die Wirtschaftlichkeit. Das Projekt Kirnberg wurde diese Woche vorerst »auf Eis« gelegt. Somit erübrigt sich eine weitere Betrachtung. Ich möchte für Steißlingen ein Programm für mehr Solaranlagen auf Privatdächern auflegen, um die Energiewende zu unterstützen. Das scheint mir der effektivere und verträglichere Weg.«

Benjamin Mors: »Windkraft ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende. Dennoch sind die Bestimmungen hinsichtlich Natur- und Tierschutz ein wichtiger Teil des Genehmigungsprozesses. Die Einhaltung dieser Vorschriften wird nun vom Landratsamt nochmals geprüft. Es ist wichtig und richtig, dass alle geltenden Vorschriften eingehalten werden.«

Matthias Schaubel: »Die Energiewende ist für unsere Gesellschaft der richtige Weg umweltverträglich Energie zu gewinnen. Welche Projekte im Einzelfall für die unterschiedlichen Regionen die richtigen sind muss intensiv geprüft werden. Der Bau von Windkraftanlagen auf dem Kirnberg basiert auf einem Beschluss des Gemeinderates, der immer noch Bestand hat. Das Verfahren ruht derzeit, so dass der Betreiber prüfen muss, wie weiter vorgegangen wird.«

WOCHENBLATT: Welches Projekt steht für sie nach ihrer Wahl ganz oben auf der Prioritätenliste?

Bernhard Diehl: »Als erstes möchte ich das Thema Nahversorgung angehen, da hier sicherlich der größte Handlungsbedarf besteht. Außerdem möchte ich den Gemeinderat zu einer ersten Klausur einladen und bei einer Bürgerversammlung über die Agenda der nächsten Jahre diskutieren.«

Benjamin Mors: »Das bereits genannte Thema Nahversorgung betrachte ich als wichtigstes.«

Matthias Schaubel: »Ganz oben steht für mich die Nähe zur Bürgerschaft. Die konstruktiven Gespräche die derzeit schon entstanden sind, werde ich intensivieren, mit den Bürgern, dem Gemeinderat, den Vereinen, den Gewerbetreibenden, den Kirchen und den weiteren Institutionen, um optimistisch gemeinsam die anstehenden Aufgaben der Gegenwart und der Zukunft konstruktiv, sachlichen Lösungen zuzuführen.«

- Stefan Mohr

Autor:

Redaktion aus Singen

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