Bürgermeister diskutieren Schulreform
Sorge um die Dörfer

  • Foto: Schulamtsdirektor Victor Schellinger, Gemeindetagssprecher und Bürgermeister Artur Ostermaier und Ministerialdirigent Dr. Jörg Schmidt bei der Diskussion mit den Bürgermeistern aus dem Kreis. swb-Bild: of
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Steißlingen (of). Eine Menge an Anregungen konnte der ehamalige OB von Radolfzell und aktuelle Ministerialdirektor im Kultusministerium, Dr. Jörg Schmidt, aus einem Informationsgespräch den den Bürgermeistern der Region mitnehmen. Dazu hatte der Gemeindetag am letzten Freitag eingeladen.
Denn die von der Grün-Roten Landesregierung angestoßene Schulreform, die nicht nur plakativ auf die »Gemeinschaftsschule« setzt, sondern als Ziel eine zweigliedrige Schullandschaft vorsieht, in der es irgendwann auch keine Realschule mehr gibt, bereitet manchem Schultes doch schlaflose Nächte. Dass dabei nicht alle Entwicklung nur durch die Politik gesteuert wird, machte Schulamtsdirektor Victor Schellinger deutlich: Vor fünf Jahren habe es im seinem Bezirk (Landkreise Tuttlingen und Konstanz) noch 52 Hauptschulen gegeben, jetzt seien es noch 28. Doch in acht davon gebe es auch schon keine 5. Klasse mehr, weshalb hier das Ende absehbar sei. «Die Entwicklung nimmt rasant fahrt auf«, so Schellinger.
Die Gemeinschaftsschule solle kein Ersatz für den Hauptschulstandort sein, unterstrich Dr. Schmidt. Deshalb hat das Kultusmisterium auch einen Gesetzentwurf in Arbeit, der bis zum August auch in Kraft treten soll. Danach gibt’s die Gemeinschaftsschule nur an Standorten, die das zweizügig, und dann mit mindestens 40 Schülern pro Jahrgang anbieten können. Da sehen sich einige Regionen im Landkreis ins Abseits gestellt: Vor allem Bürgermeister Groß für Tengen, Bürgermeister Jüppner für das Stockacher Hinterland und Mühlingen, wie auch die Bürgermeister der drei Höri-Gemeinden, die auf diese Zahl nur wenig Hoffnung haben. Der Steißlinger Bürgermeister Artur Ostermaier forderte klare Aussagen dazu, ob die Schulstandorte geteilt werden können, um so die Konzentration auf »Schulegemeinden« etwas zu reduzieren. Hier wird nur die Otopion in Aussicht gestellt, dass zwei Standorte horizontal geteilt werden, also jeweils drei Jahrgänge dreizügig angeboten werden. Der Rielasinger Bürgermeister Ralf Baumert sieht die Bemessungsgrenze ebenfalls als problematisch: angesichts des Wegfalls der Schulempfehlungen gehen erst mal viele auf Wunsch der Eltern aufs Gymnasium, um dann in den Folgeklassen in hoher Zahl wieder zurücküberwiesen zu werden. »Doch bei der Eingangsquote fehlen die natürlich«, klagte Baumert für die Mitkollegen. Die Frage G8 oder G9 ist ein weiterer Streitpunkt für die Bürgermeister: Vom G8 profitiert die Gemeinschaftsschule in Steißlingen. »Wir haben ein drittel der Kinder mit Gymnasialempfehlung«, so Ostermaier. Laut Dr. Schmidt solle es vorerst auch keine weiteren Schulen geben, die im Versuch wieder auf G9 zurückschalten. »Für G8 gab es ein eindeutig ökonomisches Interesse«, so Dr. Schmidt.
Ähnliche Hürden sehen die Bürgermeister anlässlich der Beschlüsse zur flächendeckenden Ganztags- Grundschule, denn auch hier bricht der ländliche Raum ein. Die scharfe Kritik an der stets nachlassenden Qualität der Schülerbeförderung gehörte dazu. Auch dadurch seien Schüler vom Land benachteiligt.

Autor:

Oliver Fiedler aus Gottmadingen

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