Harte Kämpfe um Punkte und eine "Achterbahnfahrt" durch die Rennen in Appeldorn / WM ab 1. September
Silber für Benjamin Boos bei der EM im Bahnradsport

Benjamin Boos
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  • Foto: Benjamin Boos auf der Bahn. swb-Bild: Archiv
  • hochgeladen von Oliver Fiedler

Steißlingen/ Appeldorn. Am letzten Dienstag startete die Europameisterschaft im Velodrom Omnisport in Apeldoorn/ NL für den 18jährigen Steißlinger Benjamin Boos mit der Mannschaftsverfolgung. Über acht Wochen der Vorbereitung in Lehrgängen in Frankfurt/ Oder und Erfurt lagen da bereits hinter der Junioren-Nationalmannschaft. Mit einiger Erwartung war man nach Holland gereist, da die Trainingsleistungen viel versprachen.

Um so bestürzter war man um die Ereignisse vor Ort. In der Qualifikationsrunde – der ungeplant frühe Verlust eines Mannes, durch welchen in der langen Dreierformation die angestrebte Fahrzeit über die 4000m nicht erreicht werden konnte. Mit etwas Glück reichte es dennoch dafür in einem weiteren Lauf um den Einzug in die Finalläufe zu kämpfen. Aber auch hier lief der Vierer nicht wie geplant. Bis zu 2000m noch auf Bestzeit, verließ der erste Fahrer, wie geplant, nach einigen schnellen Führungsrunden das Quartett. Nach einem weiteren Wechsel dann der Verlust des wichtigen Dritten, was die beiden verbliebenen Fahrer, zu welchen auch Boos zählte, erst beim nächsten Wechsel merkten,… Eine Katastrophe,… die immerhin noch zu Rang 6 der Meisterschaft reichte. “Das können wir viel besser. Ich fühlte mich ab da, wie im falschen Film bei dieser EM”, kommentiert Boos einige Tage später.

Bereits am Mittwoch stand die erste Einzeldisziplin für den Erfurter Internatsschüler auf dem Programm. Im letzten Jahr noch Europameister in der Einerverfolgung über 3000m, galt es dem Druck in diesem Jahr standzuhalten. Boos behielt Nerven. Die Qualifikation beendete er im letzten Lauf der Vorrunde mit einer Zeit von 3:13,068 Minuten als Schnellster und stand für das Gold-Finale fest.

Gegen Samuele Bonetto aus Italien galt es den Vorsprung (von fast einer Sekunde in der Qualifikation) zu erhärten. Bundestrainer Tim Zühlke schlug eine ungewöhnliche Taktik vor: Boos ist als schneller Anfahrer bekannt. Der Italiener dagegen fuhr in der Qualifikation den ersten Kilometer in über 1:10 Min und zeigte erst anschließend die schnellen Runden. So sollte Boos seine Qualität über 1000m nutzen und die halbe Runde Vorsprung des Kontrahenten beim Start auf der Bahn über den ersten Kilometer gut machen, einen überraschenden “Catch” provozieren und damit das Rennen als Sieger beenden.

Gesagt, getan startete Boos im großen Finale aus dem Startblock mit voller Kraft. Schnell erkannte die Zuschauermenge im Omnisport Velodrom, dass hier etwas Ungewöhnliches passierte. Boos jagte dem italienischen Kontrahenten hinterher und verkürzte den Abstand in beeindruckender Manier. Mit seiner Zeit von 1:01,212 Minuten über die ersten 1000m kam er dem italienischen Sportler bis auf etwa 10 Meter nah. Dann zollte Boos allerdings seinem energischen Start Tribut. Konnte noch etwa 300m den Abstand zum Gegner halten, bevor er dann aber kontinuierlich auf den inzwischen Gewarnten verlor, bis er am Ende selbst als Vize-Meister das Rennen beendete. Mit seiner gezeigten 1000m Zeit war Boos schneller als die beiden frisch gekürten Europameister in dieser Disziplin der U19 und U23-Klasse. Nicht nur die Zuschauer, auch Boos selbst, zeigte sich anschließend sprachlos über die eigene Aktion. “Schwalben”-Trainer Wolfgang Schendzielorz kommentiert hinter digitale Glückwünsche zu Silber zu Recht kritisch “…vermutlich verschenkter Titel”.

Freitags startete er ins Omnium. Mit einem Rundengewinn sicherte er sich Rang 4 im Scratch, im Temporennen endete er punktlos über den Einlauf als 7. Das Eliminationrace konnte er gar für sich entscheiden und ging mit 102 Punkte als Dritter ins finale Punktefahren. Nur acht Punkte fehlten da zum Erstplatzierten Joshua Tarling aus Großbritannien. Der Italiener Dario Belletta lag lediglich zwei Punkte vor ihm. In der ersten Wertung des Rennens über 80 Runden ersprintete Boos zwei Punkte. In Gefahr brachte seine Gesamtwertung der Rundengewinn des Franzosen Eddy Le Huitouze, der vor dem Punktefahren noch auf fünftem Rang lag. Auch Belletta und Tarling sicherten sich die zusätzlichen 20 Punkte, was Boos, der auch in weiteren Sprints noch Punkte sammeln konnte, auf Platz vier verwies. Die letzte Chance auf eine Medaille war es, in der letzten Wertung voll zu Punkten – mit der Hoffnung, dass der Franzose leer ausging. Der Kampf um die Punkte in der letzten Runde brachte den engen Ausgang und bestätigte Le Huitouze als Bronzemedaillengewinner. Boos blieb mit drei Punkten Rückstand die undankbare “Holzmedaille”.

Nun befindet sich das RSV-Mitglied in der finalen WM-Vorbereitung. Bereits am nächsten Wochenende fliegt er mit den Teamkameraden nach Kairo/ EGY, wo dann vom 1. bis 5. September die Titelkämpfe ausgetragen werden.

Autor:

Oliver Fiedler aus Gottmadingen

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