Gemeinderäte erwarten Reaktion von Partnern
Stadt Stockach knüpft 90.000 Euro für die Ablachtalbahn an drei Bedingungen
- Die Reaktivierung der Ablachtalbahn bewegt die Stadt Stockach. Links: eine Sonderfahrt mit Halt im Stadtteil Hoppentenzell vom Schweizer Feiertag 2025. Rechts übergibt der Hoppentenzeller Ortsvorsteher 262 Stimmen für die Ablachtalbahn an Stockachs Bürgermeisterin Susen Katter.
- Foto: Förderverein Ablachtalbahn & Sebastian Ridder
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Stockach. Der Stockacher Gemeinderat ist bereit 90.000 Euro für die Planungen zur Reaktivierung der Ablachtalbahn zu zahlen. Obwohl eine Nutzen-Kosten-Untersuchung positiv ausgefallen ist und eine Landesförderung im Raum steht, steht das Gemeinschaftsprojekt aber noch auf wackeligen Beinen. Die Stockacher Gemeinderäte sehen es aber als einmalige Chance und knüpften ihre Beteiligung daher an Bedingungen, um ihre Partner zu einer Reaktion zu bringen.
Trotz Beschluss - Kosten und Abhängigkeit bereiten Gemeinderat sorgen
Der Stockacher Gemeinderat fand eine große Mehrheit für die anfallenden Planungskosten bei der Reaktivierung der Ablachtalbahn, obwohl vor allem zwei Zweifel bei den Räten aufkamen: Die Gemeinderäte wollten nämlich wissen, wie wahrscheinlich das Zustandekommen des Projekts überhaupt ist und wie Kosten in Zukunft auf die Stadt Stockach zukommen werden. Meßkirchs Bürgermeister, Arne Zwick, stand dafür Rede und Antwort vor dem Gremium. Seine Stadt hat mit den Gemeinden Sauldorf und Mühlingen immerhin die vorangegangene Nutzen-Kosten-Analyse für die Reaktivierung der Ablachtalbahn in Auftrag gegeben.
- Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick war zu Gast im Stockacher Gemeinderat, um Kostenfragen Absichten der CDU-Fraktion im Sigmaringer Kreistag zu klären.
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Die Strecke zwischen Stockach und Mengen ist seit rund 70 Jahren nicht mehr mit regulärem Personenverkehr befahren. Die Nutzen-Kosten-Analyse kam aber zu dem Schluss, dass Züge im Stundentakt als Verlängerung des bestehenden Seehäsle von Radolfzell/Stockach volkswirtschaftlichen Nutzen haben. Genauer, soll der Nutzen die Kosten zur Reaktivierung von rund 116 Millionen Euro um 24 Prozent übersteigen. Das Land Baden-Württemberg fördert derzeit ausgewählte Streckenreaktivierungen mit bis zu 90 Prozent der förderfähigen Baukosten. Darüber hinaus sollen sich die Landkreise Sigmaringen und Konstanz sowie die Gemeinden Mühlingen, Krauchenwies und Sauldorf sowie die Städte Stockach, Meßkirch und Mengen beteiligen. Die Kosten sind etwa auf Basis der Streckenanteile aufgeteilt. Die nun anfallenden 90.000 Euro für die Stadt Stockach betreffen aber lediglich Planungskosten bis 2029, die insgesamt bei 1.395.000 Euro liegen. Für den Landkreis Konstanz fallen demnach vorerst 225.000 Euro Planungskosten und für Mühlingen 30.000 Euro an.
So viel Kosten kommen auf Stockach bei der Reaktivierung zu
Arne Zwick konnte die Stockacher Gemeinderäte bei den Gesamtkosten von rund 116 Millionen angesichts des Sparkurses der Stadt aber beruhigen. Ein Stockacher Anteil in einem Verhältnis zu den Planungskosten sei mit einem Kredit laut ihm nämlich auf etwa zehn Jahre so verteilbar, dass ebenfalls etwa 30.000 Euro im Jahr für die Stadt Stockach anfallen würden. "Es wird nicht in Dimensionen gehen, die diese Zahlen überschreiten", so Zwick. Da die Analyse aus diesem Jahr ist und die Reaktivierung in 2031 oder 2032 fertig sein könnte, rechnet Zwick auch nicht außergewöhnlichen Kostensteigerungen bei dem Projekt.
Das derzeit größere Problem ist aber, dass das Projekt mit der Förderung und der Schienenbestellung durch das Land und die Landkreise steht und fällt. Laut Zwick würde bereits eine Förderung von nur 70 Prozent durch das Land ein Aus bedeuten. Klare Bekenntnisse zu der Reaktivierung blieben bisher aber aus. Zumindest der Landkreis Sigmaringen werde laut Zwick aber noch vor Weihnachten über die Beteiligung abstimmen. Zwick ist selbst Teil der CDU-Kreistagsfraktion, die rund 50 Prozent des Sigmaringer Kreistags ausmacht. Er versicherte den Stockacher Gemeinderäten, dass seine Gremiumsgruppe sich einig sei die Reaktivierung der Ablachtalbahn zu unterstützen.
Die Bedingungen und Unterschriftenaktion aus Hoppentenzell
Die Stockacher Gemeinderäte wollen aber nicht weiter tatenlos auf die Gunst des Landes und der Landkreise warten. Laut der Bürgermeisterin Susen Katter sei für das Land auch wichtig zu sehen, dass solche Projekte von den ansässigen Bürgern gewollt ist. Passend dazu übergab der Ortsvorsteher des Stockacher Stadtteils Hoppetenzell, Roman Rendle, die Ergebnisse einer Unterschriftenaktion mit 262 Stimmen für die Reaktivierung der Ablachtalbahn. "Wir haben keinen öffentlichen nennenswerten Verkehrsanschluss", so Rendle.
Um einen weiteren Schritt bei der Reaktivierung zu machen, einigten sich die Gemeinderäte mit Ausnahme einer Stimme auf die Zusage zu den Planungskosten. Doch die Zusage koppelten sie an drei Bedingungen: Das Land Baden-Württemberg muss die Kosten für die Planungsphase mit 50 Prozent fördern und die verbindliche Bestellung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) für den vorgesehenen ersten Bauabschnitt ab Stockach zusagen. Zudem müssen die Landkreise Konstanz und Sigmaringen sich verbindlich an den Planungskosten beteiligen.
Autor:Sebastian Ridder aus Konstanz |