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Auf dem Boden, an der Wand, in der Luft

Bildhauer
Im Bild eine gewaltige Rauminszenierung von Florian Thate im Obergeschoss.

Kunstmuseum Singen setzt mit „Objekt.Plastik.Skulptur.1“ Zeichen

Singen. Rund 25 Bildhauer aus der Bodenseeregion mit 40 Arbeiten zeigt das Singener Kunstmuseum seit Sonntag auf beiden Stockwerken. Und schon der Titel „Objekt.Plastik.Skulptur.1“ verrät: zu diesem Punkt hat die Stadt Singen noch mehr vor, wie der Singener OB Bernd Häusler den erfreulich vielen Gästen der Vernissage am Sonntag verkünden durfte. Den in den nächsten fünf Jahren will das Singener Museum das Thema zeitgenössische Bildhauerei  immer wieder in Szene setzen, rund 70 „Positionen“, damit sind freilich die Künstler in der dritten Dimension gemeint, hat Museumsleiter Christoph Bauer als so interessant betrachtet, dass sie hier zur Ansicht und Diskussion vorgestellt werden sollen. Häusler erhofft sich, dass das Projekt eine ähnliche Marke setzen kann, wie einst der Schwerpunkt Fotografie für den Bodenseeraum  von 2002, das bis heute nachwirkt. Christoph Bauer betonte in seiner Rede, dass man damit auch das Bild der Kunst auf der Region zurechtrücken will, die gerne Pauschal als Land der Malerei gesehen werde. Denn schon die erste Folge von „Objekt.Plastik.Malerei“ hier im Museum, zeigt sehr eindrücklich wieviel Potenzial der Bodenseeraum, dessen Grenzen freilich fließend sind, hier bietet. Und damit will Bauer auch das gerne geäußerte Vorurteil widerleben, dass diese Kunstform  keine Anzeichen von Dekadenz aufweisen, wie gerne Vorschnell geurteilt wird, weil die ja formal keinen „Nutzen“ haben.

Die Ausstellung selbst ist der Star, denn einen wirklichen Star kann man beim Rundgang durch die beiden Stockwerke gewiss nicht ausmachen. Dazu sind die Arbeitsweisen einfach auch zu Unterschiedlich und ein Aha-Augenblick löst tatsächlich den nächsten ab, schon weil man vielen dieser Arbeiten durch ihre raumgreifende Präsenz gar nicht aus dem Weg gehen kann. Klar gibt es Höhepunkte, Hans Schüle „PaD‘1“ und Flap‘1“n aus Stahl aus dem Fundus des Kunstmuseum,  Wachters „Station XX“, Markus Daum zur Abwechslung mal in Stahldraht statt Massivguss (Passend zur aktuellen Schau im Höri-Museum), Andrea Zaumseils liegende Knöpfe, im Obergeschoss das farbenschwere Wandfries von Harald F. Müller, und als wirkliches Objekt zum Hineinsinken Florian Tates „Holzplatten, ein Trio von Jürgen Palmtag oder Gerold Miller „Bilder“ zum Hinstellen. Und wenn man den Rundgang so im Geiste nachgeht, kommen immer mehr der Raumgefühle wieder in Erinnerung, die die Ausstellung vermittelt, erzeugt und wachruft und die damit wirklich ein Zeichen setzt - und die Stärke des Raums ausschöpft. Da hätte sicher so mancher Stadtrat, wenn er oder sie dagewesen wäre, mal sehen können, wie gut das vor vier Jahren investierte Geld angelegt ist.

Bei einer Führung kann man übrigens eine ganze Menge von der Leidenschaft für dieses spannende Thema mitnehmen. Der nächste Termin dafür wäre am Sonntag. 28. Oktober, 11 Uhr. Mehr:  www.kunstmuseum-singen. de 

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler