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Landwirte fordern erneute Mindestlohndebatte

Bauerntag Räpple
Bauernverbandspräsident Räpple bei seiner Rede zur Erntebilanz 2021. swb-Bild: BLHV

Bauernpräsident sieht Betriebe mit Sonderkulturen durch geplanten Regelungen vor dem Ruin

Freiburg/ Konstanz. Mit großer Sorge verfolgt BLHV-Präsident Werner Räpple die aktuellen Diskussionen im Wahlkampf um die Erhöhung des Mindestlohns sowie und die Abschaffung der kurzfristigen sozialversicherungsfreien Beschäftigung, wie er auf dem Südbadischen Bauerntag vermittelte.

Jedes Jahr würden die Saisonarbeitskräfte in Südbaden bei der Ernte von Spargel, Erdbeeren und anderem Obst und Gemüse helfen. „Wir brauchen diese Arbeitskräfte und es steht außer Frage, dass sie auch entsprechend entlohnt werden sollen“, erklärt BLHV-Präsident Werner Räpple im Rahmen des jährlichen Erntegesprächs.

„Die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro bei gleichzeitiger Abschaffung der kurzfristigen sozialversicherungsfreien Beschäftigung, würde die Lohnkosten unserer Betriebe im Durchschnitt im Vergleich zu 2021 um 40 Prozent erhöhen so Räpple weiter. „Diese Kostensteigerung wird unsere Sonderkulturbetriebe ruinieren, sollten die Erzeugerpreise nicht im gleichen Verhältnis anziehen“, schlussfolgerte Räpple und fordert: „Das heißt heimische Produkte müssen teurer werden und darüber müssen wir reden. Zudem müssen wir unsere Betriebe schützen vor Importen aus Ländern, die zu total anderen Standards produzieren“.

In Spanien betrage der aktuelle Mindestlohn 5,76 Euro, und damit die Hälfte dessen, was in Deutschland angestrebt werde. „Mit den spanischen Erdbeeren konkurrieren unsere südbadischen Bauern. Ebenso konkurrieren sie mit Polen und einem dortigen Mindestlohn von nur 3,64 Euro,somit einem Drittel des Min-destlohns, wie er bei uns geplant ist“, führt Räpple fort.

„Unsere heimischen Betriebe erwarten daher eine ehrliche und offene Debatte“ so Räpple „die alle Folgen des Mindestlohns berücksichtigt, zum Beispiel dass die Produktion von Obst und Gemüse aus der Region in das Ausland abwandern wird“. Statt wie heute auf kurzem Weg vom Erzeuger zum Kunden würde alles Obst dann mit dem LKW über 1600 Kilometer herangekarrt, was klimapolitisch mehr als fragwürdig sei, so Räpple.

Erntejahr 2021 war eine Herausforderung

Doch noch andere dringliche Sorgen plagen die Landwirte: Das Erntejahr 2021 war in Südbaden eine echte Herausforderung. Die nasskalte Witterung verkürzte die Saison und sorgte für denkbar schlechte Erntebedingungen und sie förderte auch die Ausbreitung von Pilzkrankheiten und anderen Schädlingen, was wiederum zu Ernteausfällen insbesondere im Weinbau führte. Auch die Getreideernte fiel schlechter aus als erwartet. Im Grünland verspätete sich der erste Schnitt deutlich, es war schwierig, überhaupt mehrere schöne Tage am Stück zu erwischen, um das Heu trocken einzufahren. Betriebe mit Heutrocknung waren hier klar im Vorteil.

Die Erdbeersaison sah zunächst gut aus, allerdings führte die Nässe im Frühjahr bei Freilanderdbeeren zu Fäulnis und damit zu einem hohen Ertragsverlust. Erdbeeren im Folientunnel blieben jedoch weitestgehend verschont. In den Obstanlagen und in den Reben traf es jene Betriebe besonders hart, die nicht konsequent Pflanzenschutzmaßnahmen durchführen konnten, machte der Landwirtschaftspräsigend in seiner Bilanz deutlich. 

Mais wuchs aufgrund des kalten Wetters sehr unterschiedlich an, von der Witterung profitierten allerdings Drahtwürmer und Fritfliegen, die im Mais-und Kartoffelanbau für Ertragsverluste sorgten. „Die Saison 2021 hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Pflanzenschutz für die heimische Landwirtschaft ist,“ erklärte Verbandspräsident Werner Räpple,“er sichert dieErnteund das Einkommen unserer landwirtschaftlichen Betriebe, insbesondere in extremen Jahren wie diesen“.

„Die Extremwetterereignisse der vergangenen Jahre sind Folgen des Klimawandels und belasten insbesondere die Landwirtschaft durch Ernteausfälle und Einkommensverluste“, so Räpple weiter. Landwirtinnen und Landwirte seien bereit, mehr für den Klimaschutz zu leisten, zum Beispiel durch mehr Humusaufbau oder den Einsatz ressourcenschonender Anbaumethoden. Man dürfe aber nicht vergessen, dass der Klimawandel auch den Pflanzenschutz vor große Herausforderungen stelle, betonte der BLHV-Präsident. „Intensiver Pflanzenschutz und geschützte Anbausysteme waren dieses Jahr notwendig, um überhaupt eine Ernte einbringen zu können“, erklärte Räpple und richtete seinen Appell auch an die kommende Bundesregierung: „Die Erfahrungen aus diesem Jahr müssen in die künftigen Entscheidungenbei der Reduktion von Pflanzenschutzmitteln mit einfließen. Das Thema muss sachlich und fachlich bewertet werden und die zusätzlichen Risiken in Folge des Klimawandels müssen in dieser Bewertungberücksichtigt werden“

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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