1970 Jahre nach Christus
Das Ende des Landkreis Stockach - ein Rückblick

Wesentlicher Teil dieses Reformpakets war die Überprüfung der damals noch 63 Landkreise in Baden-Württemberg auf ihre Leistungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Damit verbunden war die Konsequenz, und das eigentliche Reformziel, die Zahl der Landkreise zu dezimieren. Der Kreis Stockach war mit 53000 Einwohnern einer der kleinsten im Land. Er hatte zudem einen topographisch auffälligen Zuschnitt und reichte bekanntlich von Steisslingen und dem jetzigen Singener Stadtteil Beuren bis nach Stetten am Kalten Markt.

Stockach mit seinen damals 6500 Einwohnern war die kleinste Kreisstadt. Damit war schnell erkennbar, den Kreis Stockach wird es nach der Kreisreform in diesem Zuschnitt nicht mehr geben. Diese Reformabsichten der Landesregierung und des Landtags wurden wurden damals in Stockach mit großer Skepsis und mit Besorgnis aufgenommen. Zweifel an der Notwendigkeit von so großen Reformen und der Widerstand gegen diese Veränderungen erfassten die Kommunalpolitiker. Die Angst, zu den Verlierern einer solchen Reform zu werden, ging um.

Info:
Vor 30 Jahren begann in unserem Land Baden-Württemberg der Einstieg in eine Flut von Veränderungen. Eine grosse Gebiets- und Verwaltungsreform sollte die Regierungspräsidien, die Planungsgemeinschaften, aber auch die Landkreise und die Städte und Gemeinden auf ihre veränderten Aufgaben und auf die gestiegenen Bedürftnisse der Bevölkerung anpassen.

Der Kreistag fasste sogar eine Entschließung, und stellte darin fest "der Landkreis Stockach hat bisher seine Leistungsfähigkeit und Lebensberechtigung erwiesen." Der Altkreis Stockach stand vor dem Baubeginn eines neuen Landratsamts in der Kreisstadt Stockach. Der damalige Landrat Freiherr von Gleichenstein und der ehemalige Bürgermeister Dr. Alois Deufel sahen in dem Neubau eine Chance, Kreissitz eines neuen, größeren Landkreises zu werden mit einem so stattlichen Verwaltungsgebäude und begannen mit dem Bau des geplanten Landratsamts. In diese Zeit hinein, im Herbst 1969, wurde ich zum neuen Bürgermeister der Stadt Stockach gewählt. Das Denkmodell von Innenminister Krause über die Neueinteilung der Landkreise war gerade in der Mache. Mir war bewußt, welch schwierige Aufgaben und Entscheidungen dem Kreistag, dem Gemeinderat der Stadt Stockach und mir selbst bevorstanden. Ziel unserer Bemühen in Stockach war es, auf die Landespolitik Einfluß zu nehmen, die Veränderungen der Kreisgrenzen so zu gestalten, dass Stockach nicht in eine ungünstige Randlage gedrängt werden sollte. Außerdem sollte unter den Reformen die Zentralität der Stadt nicht leiden, sondern sogar noch gestärkt werden. Es begann eine hektische Zeit der Kontaktaufnahmen nach Osten zum Landkreis Überlingen, unter der Führung des damaligen Landrats und Landtagsabgeordneten Karl Schieß.

Im Westen wartete der Landkreis Konstanz, zumindest auf die Raumschaft Stockach. Die Raumschaft Meßkirch, der zweite Schwerpunkt im Altkreis Stockach, wurde von Sigmaringen umworben. Der Landkreis Tuttlingen schielte auf einige Gemeinden, die an der Gemarkung der Stadt Tuttlingen angrenzten. Bald zeigte sich, dass ein angestrebtes Zusammengehen der Kreise Stockach und Überlingen nicht erreichbar sein wird und von der anderen Seite auch gar nicht ernsthaft gewollt war. In Gesprächen wurde dann versucht, den südlichen Teil des Altkreises möglichst geschlossen in Richtung Singen-Konstanz einzuordnen. Am 17. Juli 1970 wurde der Vorschlag für die Neugliederung des Landkreises sowie zur Abgrenzung der Regionen gemacht. Am 6. August forderte der Gemeinderat Stockach von der Landresregierung Ausgleichsmasnahmen für den Verlust des Kreissitzes.

Der Verflechtungsbereich zum Umland sollte erhalten bleiben. Im Kreisreformgesetz wurde der Landkreis Stockach schließlich gevierteilt: Stockach kam mit seinem natürlichen Umland zum Landkreis Konstanz, Liptingen kam zu Tuttlingen, Meßkirch nach Sigmaringen und die nördlichste Kreisgemeinde Hartheim nach Balingen. Neu dazugewonnen wurde vom Landkreis Sigmaringen die heutige Gemeinde Hohenfels. Die Eingliederung in den neuen Landkreis Konstanz geschah rasch und Problemlos. Die Kreisreform war - im Nachinein gesehen - zumindest für den allzukleinen Landkreis Stockach notwendig und die neuen Zuordnungen haben sich als richtig erwiesen. Stockach bekam durch die Reform neue Zuständigkeiten, was den Verlust des Kreissitzes milderte. Die Wirtschafts- und Verwaltungskraft konnte ausgebaut werden. Das nicht mehr benötigte Landratsamt wurde Sitz der grösser gewordenen Stadtverwaltung. Die Stadt kam so preiswert zu einem neuen Rathaus.

Von der Landesregierung gab es als Trostpflaster höhere Zuweisungen für städtische Investitionen. Die in den Kreistag gewählten Vertreter aus der Raumschaft Stockach haben sich schnell und nachdrücklich eingebracht. Ich habe mich gleich und erfolgreich um die Position des Fraktionssprechers bemüht. Die Raumschaft Stockach ist eine anerkannte und feste Grösse in Kreis Konstanz geworden. Die Kreisreform, die nicht zu umgehen war, kann für Stockach erfolgreich eingestuft werden. Sie wird sich behaupten - und weiter entwickeln.

Franz Ziwey, Bürgermeister a.D.

Autor:

Redaktion aus Singen

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