Studentin Anabel Paul im Interview
Warum sich ein Auslandssemester auf jeden Fall lohnt
- Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat Anfang März in Stavanger gegen Norwegen gespielt. Also hat Anabel ihren allerersten Solo-Trip (abgesehen von dem Erasmus selbst) nach Stavanger gemacht und das Wochenende dort verbracht.
- Foto: Anabel Paul
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Ein Auslandssemester ist für viele Studierenden eine einmalige Gelegenheit. Auf was es hierbei ankommt und wie man auch die neue Kultur dadurch besser kennenlernt, darüber sprach das WOCHENBLATT mit Studentin Anabel Paul, die derzeit ein solches Semester in Norwegen absolviert.
Wochenblatt: Liebe Anabel, für welches Fach an der Uni Konstanz absolvierst du aktuell das Auslandssemester in Norwegen und wie kam es für dich zur Entscheidung, dies zu absolvieren?
Anabel Paul: In Konstanz studiere ich im Master Biological Sciences mit dem Schwerpunkt Ecology, Evolution and Behavior. Dafür muss ich unter anderem ECTS in einem Wahlpflichtbereich sammeln. Das heißt, dass ich eine bestimmte Anzahl an Stunden in naturwissenschaftlichen, sowie nicht-naturwissenschaftlichen Kursen machen muss. Diese Kurse kann ich frei wählen. Da im Master eigentlich sogar ein Praktikum oder Auslandsemester für den Pflichtbereich angedacht ist, ich dort aber meine ECTS schon vollständig gemacht habe, dachte ich mir, warum nicht die Kurse für den Wahlpflichtbereich im Ausland sammeln.
Des Weiteren war es mir für meine persönliche Entwicklung wichtig mal aus meiner Komfortzone rauszukommen und auch mal allein zu leben. Bisher bin ich nämlich aus Kostengründen von zu Hause zur Uni gependelt und der nächste Schritt wäre dann mit meinem Freund zusammen zu ziehen. Also habe ich mir alle Erasmus-Partneruniversitäten der Universität Konstanz und ihr Fachangebot angeschaut und habe mich dann auf drei Universitäten beworben. Meine erste Wahl, die University of South-Eastern Norway in Bø i Telemark ist es dann geworden. Hier studiere ich nun für ein Semester im Masterstudiengang Ecology and Environmental Management und mache einen Norwegisch-Sprachkurs.
Wochenblatt: Was ist für dich das Spannende generell an einem Auslandssemester? Welche Vorteile bringt es deiner Meinung nach mit sich?
Anabel Paul: Zum einen bieten andere Universitäten ein anderes Fachangebot an, womit man seinen fachlichen Horizont über das Angebot der eigenen Uni hinaus erweitern kann. Zum anderen bietet die Lage im Ausland die Möglichkeit eine neue Kultur und gegebenenfalls auch eine neue Sprache zu lernen. Und man in gewisser Weise verbindet man Reisen mit „Arbeit“, also in meinem Fall Studieren. Man kommt herum, sieht die Welt, lernt neue Leute und Perspektiven kennen.
Wochenblatt: Was ist für dich (bisher) der größte Unterschied im Studienalltag im Vergleich zu Deutschland?
Anabel PaulMit etwa 2400 Studenten hier am Campus in Bø ist es deutlich kleiner als die Universität Konstanz mit etwa 10.000 Studenten. Zusammen mit der norwegischen Gewohnheit sich ausschließlich zu duzen und beim Vornamen zu nennen, schafft das eine sehr persönliche Atmosphäre. Der sicherlich größte Kulturschock an der Uni selbst war, dass man in der Bibliothek sich unterhalten und essen darf, während das bei uns in Deutschland ja ein absolutes Tabu ist. Wenn man in Ruhe arbeiten möchte, gibt es einen extra Raum dafür. Während wir in Konstanz bei klassischen Vorlesungen 90-Minuten-Blöcke ohne Pause haben, gibt es hier immer nach 45 Minuten 15 Minuten Pause.
Wochenblatt: Wie gut hast du dich in der neuen Kultur eingelebt? Hast du auch Kontakt zu anderen internationalen Studierenden oder zu Einheimischen?
Anabel Paul: Kulturell war es gar nicht so schwer sich hier einzuleben, da es doch ähnlich zu Deutschland ist. Und da unser Haus zur Hälfte von Deutschen oder Deutschsprachigen bewohnt ist, hat man immer etwas Heimat um sich herum. Durch Gruppenarbeiten habe ich auch Kontakt zu Einheimischen und zwei Norwegerinnen wohnen auch bei uns im Haus. Allerdings hat man dann doch deutlich mehr Kontakt zu internationalen Studenten als zu Einheimischen, obwohl wir ja eigentlich in der Unterzahl sind. Im Norwegisch-Kurs sind wir eine sehr bunt gemischte Gruppe. Zudem findet jeden Mittwoch „Kaffekosen“ statt. Übersetzt heißt das nichts anderes als Kaffeepause und dort sind meistens auch eher die Internationals. Einmal die Woche gehe ich zu einem Sportkurs im örtlichen Trainingscenter, da hatte ich auch schon nette Unterhaltungen mit Einheimischen.
Wochenblatt: Für viele junge Menschen ist der Schritt, ein Auslandssemester zu absolvieren, mit Sicherheit kein einfacher. Welche Herausforderungen gibt es deiner Ansicht nach, denen man sich hierbei stellen muss?
Anabel Paul: Für mich als eher introvertierte Person war die größte Herausforderung sicherlich mein gewohntes Umfeld zu verlassen, das heißt neue Leute kennenlernen, fremde Menschen um Hilfe bitten, allein zu Veranstaltungen zu gehen. Außerdem bin ich ein absoluter Familienmensch. Allein die Vorstellung so weit von ihnen entfernt zu sein, hat mir die ein oder andere Träne beschert. Auch das Alleine-Wohnen mit all seinen Aufgaben, wie Einkaufen, Putzen, Kochen, Waschen, sowie die Finanzen können eine Herausforderung sein. Hier in Norwegen ist es so, dass tatsächlich die meisten Englisch können, aber in anderen Ländern kann es im Alltag durchaus auch eine Sprachbarriere geben, die herausfordernd sein kann.
Wochenblatt: Wie unterscheiden sich die Kurse/Lehrmethoden von denen an deiner Heimathochschule? Ist das Studium dort eher praxisorientiert oder theoretisch?
Anabel Paul: Hier ist es wichtig zu sagen, dass sich meine Erfahrung auf den Master beschränkt. Die Kurse, die ich hier in Norwegen belege, sind sehr ähnlich aufgebaut zu den Kursen, die ich in Konstanz gemacht habe. Die meisten Kurse bestehen aus einem theoretischen Teil, der die Grundlage für den praktischen Teil legt. Die Prüfungsformen für den praktischen Teil sind hier etwas kreativer als in Konstanz. In Konstanz wurde das Projekt meist anhand einer Abschlusspräsentation oder eines Berichts bewertet. Hier müssen wir zum Beispiel einen Podcast machen, einen Projekttag für den Rest der Gruppe organisieren und einen Popular Science Article für die lokale Zeitung schreiben. Aber auch den klassischen Bericht gibt es hier. Also verglichen zu meinem Bachelor in Konstanz sind der Master hier in Norwegen als auch in Konstanz um einiges praxisorientierter.
Wochenblatt: Wie läuft das mit den Klausuren/Leistungsnachweisen an deiner ausländischen Uni und generell mit der Kommunikation zwischen dir und deiner Heimatuniversität?
Anabel Paul: Ich nehme hier ganz normal an allen Prüfungen teil und bekomme dann am Ende des Semesters ein Transcript of Records mit allen Noten. Da hier ein anderes Notenschema benutzt wird als in Konstanz, werden die Noten noch umgerechnet und dann reiche ich das an der Uni Konstanz zur Anerkennung ein. Dabei geht es zum einen um die Anerkennung der Kurse für mein Studium als auch um die Anerkennung für die Erasmus-Förderung. Für alle Dokumente rund um das Erasmus gibt es ein Online-Portal, auf dem diese eingereicht werden. Zudem haben wir einen Fachbereichskoordinator für fachspezifische Fragen, sowie das International Office für allgemeine Fragen als Ansprechpersonen.
Wochenblatt: Welchen Tipp hättest du für angehende StudentInnen, die demnächst ebenfalls ein Auslandssemester absolvieren möchten?
Anabel Paul: Traut euch! Es lohnt sich auf jeden Fall. Und ihr seid nicht allein, es gibt genug Personen, die euch bei allen möglichen Fragen und Problemen helfen können.
Autor:Philipp Findling aus Singen |