Hallo und guten Tag
Ein Affront gegen die Mainzer Bevölkerung

Der mächtigste Mann der Welt - George W. Bush - machte dem alten Europa seine Aufwartung. Nach seinem Besuch bei der EU in Brüssel stand Deutschland, genauer gesagt ein Treffen mit Bundeskanzler Schröder in Mainz, auf dem Programm. Schon Tage vorher habe ich von meinem Lieblingsplatz in der guten Stube die Meldungen in Rundfunk und Fernsehen verfolgt. Regelmäßig wurde in den Nachrichtensendungen auf die geplanten Sicherheitsmaßnahmen hingewiesen und die Bevölkerung um Verständnis gebeten. Ja und dann kam der Tag des Besuchs. Komplette Straßenzüge wurden für den Verkehr gesperrt. Weiträumig - bereits auf der Autobahn - erfolgten die Umleitungen. Züge und S-Bahnen fuhren nicht, genauer gesagt, sie wurden in irgendeinem Vorortbahnhof geparkt. Die Schulen wurden ganz geschlossen und auch die Geschäfte in Mainz mussten einen unfreiwilligen freien Tag einlegen. In den Straßen, die der Präsidentenkonvoi durchfuhr, wurden auch die Kanaldeckel verschweißt. Sicher ist sicher. Schließlich geht die Sicherheit von Mister Bush über alles und deshalb muss auch das Eindringen eines »bösen Buben« durch das Kanalnetz verhindert werden. Als Vierbeiner staunte ich nicht schlecht über die ganzen Maßnahmen. Die Sicherheitsleute haben nach meiner Überzeugung über Monate geplant und alle möglichen Situationen durchgespielt. Deshalb wurde auch die Demontage der Briefkästen in den betroffenen Gebieten angeordnet. Na ja, es sollte keiner eine Chance haben, eine Briefbombe zu deponieren. Für die Anwohner gab es Verbote en masse. Rollläden aufmachen - verboten, Balkon betreten - verboten, auf die Straße gehen - nur im Ausnahmefall. Keine Schiffsbewegungen auf dem Rhein zwischen Wiesbaden und Mainz für die Dauer des Besuchs. Auf den Dächern sind auch noch irgendwo Scharfschützen versteckt. Die Fernsehaufnahmen, die ich mit meinem Chef gesehen habe, zeigten eine Stadt im Ausnahmezustand um nicht zu sagen im Kriegszustand. Mainz, die sonst so lebensfrohe Stadt,  war tot. Dies alles natürlich nur um die Sicherheit des US-Präsidenten zu garantieren. Viele Menschen mussten sogar unfreiwillig Urlaub nehmen. Es war ihnen wegen der sicherheitsbedingten Maßnahmen nicht möglich ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Nach meiner Nase war das schon starker Tobak. Schließlich lief der Besuch doch unter solchen Begriffen wie »freundschaftlich und einig«. Also, wenn ich mit jemandem freundschaftlich verbunden und einig bin, dann brauche ich doch keine solch gigantischen Sicherheitsvorkehrungen oder habe ich da was falsch verstanden? Das dickste Ei war die Antwort des Polizeipräsidenten von Mainz auf die Frage eines Journalisten. Der gute Mann wusste angeblich nicht wie viele tausend Mann Polizei in Mainz und Umgebung zusammen gezogen waren. Die Polizisten kamen aus 8 Bundesländern, das war ihm bekannt. Stimmten die Angaben des Polizeipräsidenten und er wusste wirklich nicht genau Bescheid, dann war es um die Sicherheit von Präsident Bush tatsächlich nicht gut bestellt. Ich glaube dem Polizeichef von Mainz allerdings nicht. Nach meinen Informationen wurden die starken Sicherheitsvorkehrungen auf Wunsch der amerikanischen Sicherheitsdienste und in Absprache mit ihnen getroffen. Fühlte sich der Präsident in Deutschland so bedroht, das frage ich mich als Vierbeiner natürlich schon. Wer die Kosten für die ganzen Maßnahmen trägt, wäre - auch im Zeichen von vielen Einschnitten für die Zweibeiner im Land - noch eine Frage von mir. Vielleicht sollte der Präsident auch die Demonstrationen gegen seinen Besuch nicht sehen. Für mich, den bunten Hund gibt es da noch viele Fragen. Eins aber hat mich in Rage gebracht. Auf Wunsch der amerikanischen Sicherheitsdienste wird  seine Majestät, Mister Bush, bei uns vom gemeinen Volk aus Sicherheitsgründen ferngehalten. Einen Tag später nimmt er bei seinem Besuch in Bratislava ein Bad in der Menge! Das war ein deutlicher Affront gegen Deutschland und insbesondere die Bevölkerung von Mainz,

meint knurrend der bunte Hund.

Autor:

Redaktion aus Singen

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