Wafrös alemannische Dialektik vom 23. Juni 2010

Mer kunnt emol inen Läbensabschnitt wo me meglichscht alls ufschriibe sott, wa me no mache oder bsorge muess. Mir wenigschtens goht's eso, wani it ufschriiib, des vergiss i meischtens. Drum hon i au a verschiedene Schtelle im Hus ä Blöckle oder mindeschtens ä paar Zäddele, woni ebbes druf notire ka. Früener hot me en Bleischtift ghet zum notiere und maulfaul wie mir Badenser so sind, hot der Schreiber nu »Blei« gheisse. Meischtens war de Schpitz abbroche und me hot gmulet, wer etz wieder den Schpitz abbroche hot, wobei me meischtens selber derjenige gsi isch. Im Zeitalter vum Kugelschreiber brucht me kon Schpitzer me und hot ko Arbet demit, bis der Blei schreibt.
Weil me iberall zu allene Anläss en Kugelschreiber gschenkt griegt, hot me sottige haufegnueg und mir hond au iberall dert, wo Zäddele oder Bleckle sind, en Kugelschreiber liege. Ehrlich und rechte Hand ufs linke Herz, hond ihr scho mol erläbt, dass so en Kugelschreiber au schriibt, wenner schreibe sott? I glaub sicher, dass es hundert sind, woni scho furtgworfe hon, weil die Scheissdinger it funkzioniert hond, wenn i hon ebbes notiere welle. Wenn i ehrlich sei sott, wa me scho sott, no mößt i etz au no dezue sage, dass i schpäteschtens bim dritte, wo it funkzioniert, die Entsorgung im Zorn vorgnumme hon, under lautem ausschtosse des alemannischen Schtandardfluches »heilanzack,« wa früener mol ä lässliche Sind war, weil mer heilige Namen leichtsinnig ausgeschprochen hot. I fluech nume wägeme Kugelschreiber, weil i mir etz Tinteroller kauft hon, wo besser schriibed und wunderbar iber's Babier gleited. S war am Freitig letzschter Woch, do hon i welle min Eikaufszeddel schriibe und hon miteme gwisse Schtolz min Roller i d Hand gnumme, aber der hot ko gotzigs Schtrichle vu sich gäe und nochere Weile uf dem Babier rumkratze hon i gmerkt, der isch leer! I nix wie i mei Autole ghockt und ä neie Miene fir min Roller kauft. Mon des isch ä Sach, ä Rollermiene kaufe! Suech emol am Freitag z Mittag en Parkplatz und find ä Schreibwaregschäft, wo de einigermasse i d Nähe fahre kasch! Völlig kaput und nassgschwitzt bin i am Schluss i unserm grosse Kaufhaus, im Karstadt glandet. I hon d Hoffnung scho ufgäe ghet, weils hundert Syschtem vu Miene giit, nu kone, wo i mein Schriiber basst. I de Schreibwareabteilung hon i ganz kleinlaut und zaghaft ä nume ganz junge Verkäuferin gfrogt, ob sie mir viellicht? I hon scho demit grechnet, dass i abblitz, aber nei!
Die Verkäuferin hot mei Miene gnumme, isch vor die Wand mit taused Miene gange und hot probiert. Mindeschtens zwanzg hot it basst, no hot se no ebbes probiert und denn nomol ebbes, s hot it basst. Mir war des peinlich, dass sich die Frau wäge dere blede Miene so vill Müeh giit. Höred se uf mit probiere, hon i gset, aber sie hot nomol ebbes probiert und des war au nint. No sagt se ime richtig traurige Ton: »i hett ihne gern gholfe, aber ihre Mine isch ä Fabrikat, des kenn i garit. S duet mer richtig leid!« Ob mer mir's glaubt oder it, i hett vor die Verkäuferin anekneible känne! So vill Menschlicheit. ame Freitagmittag ime Kaufhaus, im Johr 2010! Debei isch Pfingschte doch scho ä Weile her. Aber de Geischt weht it nu woner will, er weht au wenner will! I hon aber zum Schluss zunere gsagt: »Dass sie mich bedient hond und wie sie mich bedient hond, des isch fir mi meh Wert als ä Dutzend Dinteroller!« Denn hon i grad en neue Roller kauft, aber vunere Marke. Wenn i mit dem schreib, no fallt mer immer ei, dass de Mensch meh isch, wie ä Glump und dass mir so on begegnet isch, ame schtinkormale Freitagmittag, mitte ime Kaufhaus.

Von Walter Fröhlich

Autor:

Redaktion aus Singen

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