Hallo und guten Tag
Wunde Pfoten für einen Hungerlohn

Eigentlich wollte ich heute - in dieser ach so besinnlichen Adventszeit- mal die Schnauze nicht soweit aufmachen und nicht so laut bellen. Doch da sind mir ein paar Zweibeiner in die Parade gefahren und haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Herrschaften zwingen mich mein Maul aufzumachen und meine Sicht auf vier Pfoten - gerade wegen Advent – noch lauter in die Welt hinaus zu bellen. Vor kurzer Zeit hat sich die Bundesregierung endlich darauf verständigt auch für die Briefzusteller einen Mindestlohn einzuführen. Das war ja auch höchste Zeit; schließlich reichen die Hungerlöhne nicht um den Lebensunterhalt zu finanzieren und die Leute sind trotz Vollzeitjob auf staatliche Unterstützung angewiesen. Doch nun schlägt das Imperium zurück. "Bunter Hund, bist Du übergeschnappt, das ist doch kein Imperium", so höre ich schon die Kommentare. Ich nehme das Wort Imperium nicht zurück, liebe WOCHENBLATT – Leserinnen und - Leser. Nach Wahrig' s Deutschem Wörterbuch ist ein Imperium eine Weltmacht; lateinisch bedeutet das Wort interessanterweise »Befehl, Herrschaft, Staatsgewalt«.  Die Firma Pin AG – ein so genannter Briefdienstleister - hat den Firmensitz in Luxemburg. Aus meiner Sicht auf vier Pfoten ist das schon bemerkenswert, denn schließlich sind die Eigentümer große deutsche Unternehmen. Die Axel Springer AG ist der Hauptgesellschafter dieses feinen Ladens. Auch zwei weitere Verlagsgruppen - Georg von Holtzbrinck und die WAZ - Mediengruppe - sind Gesellschafter. Daneben ist eine luxemburgische Beteiligungsgesellschaft mit von der Partie. Axel Springer AG, Georg von Holtzbrinck und die WAZ - Mediengruppe, das sind doch die ganz großen in der deutschen Presselandschaft oder irre ich mich da? Die Liste der Tages- und Wochenzeitungen, die diesen Verlagen gehört, ist unendlich lang. Dementsprechend einflussreich sind diese Unternehmen oder deren Mehrheitseigner. Sie sitzen nicht im Bundestag, doch hinter den Kulissen mischen sie kräftig mit. Im Fachjargon heißt das - glaube ich - Lobbyarbeit, ich nenne das Eigennutz. Die Interessen des gemeinen Volkes gehen diesen Herrschaften an einem gewissen Körperteil vorbei. Und wehe in Berlin werden Gesetze verabschiedet, die diesen feinen Leuten nicht in den Kram passen, dann hat das fatale Folgen. Dann wird die Politik undwerden die Politiker vorgeführt. Doch zurück zu PinGroup AG. Die Firma zahlt einen durchschnittlichen Stundenlohn von rund  7,50 Euro. Der vom Bundestag beschlossene Mindestlohn liegt zwischen 8 und 9,80 Euro. Und genau deshalb  will dieser saubere Arbeitgeber eine Entlassungswelle starten. Außerdem wird massiv mit weiterem Stellenabbau gedroht. Wie war das noch mit Imperium lateinisch? Befehl, Herrschaft, Staatsgewalt laut Wahrig's Deutschem Wörterbuch. Da hätte ich als Vierbeiner schon noch ein paar Fragen. Liegt die Herrschaft in der Bundesrepublik bei den genannten Verlagsgruppen? Entwerfen sie die Gesetzestexte und befehlen den Politkern die Zustimmung? Üben diese Firmen die Staatsgewalt aus? Also, im Klartext: Beschließt der Bundestag den Mindestlohn für Briefzusteller, werden die Politiker via Medien vorgeführt, denn schließlich haben sie den Abbau von Arbeitsplätzen zu verantworten. Verstehen Sie jetzt, weshalb ich belle »das Imperium schlägt zurück«? Wann endlich werden diese verantwortungslosen Staatsbürger beim Namen genannt? Wann endlich darf ich bellen, dass es sich - nach meiner unmaßgeblichen Sicht auf vier Pfoten - um Abzocker handelt, oder irre ich mich da? Wenn jemand Hungerlöhne zahlt und seine Mitarbeiter wegen Ergänzungsleistungen zu Vater Staat schickt, ist er dann ein ehrenwerter Mitbürger oder handelt es sich eher um einen Blutsauger? Eigentum verpflichtet, so steht es im Grundgesetz; das Wort Ethik ist den Herrschaften auch bekannt. Nur, interessieren tut weder das Grundgesetz noch die Ethik. Im Verständnis dieser Zweibeiner ist Ethik, was den Eigennutz mehrt. Nach dem Grundgesetz besteht doch auch die Möglichkeit zur Enteignung; vielleicht sollten es die restlichen Zweibeiner mal damit versuchen,

das meint Ihr bunter Hund

Autor:

Redaktion aus Singen

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