Klimaanpassung beginnt vor der Haustür
Umweltministerin Walker eröffnet ihre Sommertour in Singen
- Städteplanerin Sandra Schupp erläuterte anhand der Planunterlagen das Projekt mit den zahlreichen aufeinander abgestimmten Maßnahmen. Von links nach rechts: Städteplanerin Sandra Schupp, Umweltministerin Thekla Walker, Bürgermeister Marcus Röwer und der Fachbereichsleiter Bauen Thomas Mügge.
- Foto: Achim Holzmann
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Singen. Der Auftakt hätte kaum symbolträchtiger sein können: Pünktlich zum Start der neuen Hitzewelle startete Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker (Bündnis 90, Grüne) am Montag, 3. August ihre Sommertour in Singen. Die Reise führt sie zu Kommunen und Projekten, die bei Klimaanpassung, Energiewende und Umweltschutz als Vorreiter gelten. Dabei machte Walker deutlich, worum es angesichts steigender Temperaturen und zunehmender Extremwetterereignisse geht: «Am Ende geht es um die Lebensqualität der Menschen.»
Als Beispiel dafür dient die Umgestaltung der Masurenstraße. Dort verbindet die Stadt Klimaschutz und Klimaanpassung auf bemerkenswerte Weise. Während ein Wärmenetz entsteht, wird der Straßenraum nach dem sogenannten Schwammstadtprinzip neu gestaltet. Dieses Konzept gewinnt bundesweit an Bedeutung: Regenwasser soll künftig nicht mehr möglichst schnell abgeleitet, sondern vor Ort gespeichert, versickert oder zur Kühlung genutzt werden. So werden Städte widerstandsfähiger gegen Hitzeperioden und Starkregen gleichermaßen.
Wie Städteplanerin Sandra Schupp anhand der Planunterlagen erläuterte, umfasst das Projekt zahlreiche aufeinander abgestimmte Maßnahmen. Neue Bäume sollen künftig Schatten spenden und das Mikroklima verbessern. Verkehrsberuhigung durch Tempo 30, bewusst gestaltete Parkflächen zur optischen Einengung der Fahrbahn, ein Radfahrstreifen sowie barrierefreie Gehwege schaffen zugleich mehr Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit. Dass sich in unmittelbarer Nähe Schulen, Kindertagesstätten und ein Seniorenheim befinden, verleiht dem Vorhaben zusätzliche Bedeutung. Den symbolischen Spatenstich an der bereits begonnenen Baustelle vollzogen Umweltministerin Walker und Singens Bürgermeister Marcus Röwer gemeinsam mit Gemeinderäten und Fachplanern.
Möglich wird das Projekt durch das Landesförderprogramm KLIMOPASS, mit dem Baden-Württemberg Kommunen gezielt bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt. Anders als klassische Klimaschutzprogramme zielt KLIMOPASS auf Maßnahmen ab, die unvermeidbare Folgen des Klimawandels abmildern. Gefördert werden unter anderem Entsiegelungen, Dach- und Fassadenbegrünungen, Trinkwasserbrunnen oder innovative Modellprojekte. Je nach Vorhaben übernimmt das Land bis zu 70 Prozent der Investitionskosten.
Dass Singen Klimaanpassung längst als Querschnittsaufgabe versteht, zeigte sich auch beim weiteren Besuch an der Johann-Peter-Hebel-Schule. Dort soll zeitnah der Schulhof umgestaltet werden. Tobias Herbst, Leiter der städtischen Stabsstelle Klima und Klimaanpassung, stellte bereits umgesetzte und geplante Projekte vor. Schulleiter Marc Laporte Hoffmann präsentierte zudem erste Überlegungen und Ideen von Schülern für eine klimaangepassten Neugestaltung des Schulhofs.
Der Auftakt der Sommertour der Ministerin machte deutlich: Klimaanpassung ist längst kein Zukunftsthema mehr. Sie entscheidet zunehmend darüber, wie lebenswert Städte in Zeiten häufigerer Hitzeperioden bleiben. Singen zeigt dabei, dass technische Infrastruktur, Stadtplanung und Aufenthaltsqualität keine Gegensätze sein müssen, sondern sich sinnvoll miteinander verbinden lassen.
Autor:Achim Holzmann aus Singen |