Acht Monate MVZ Singen
Positive Bilanz für eine zukunftsfähige Hausarztversorgung
- Beim MVZ Singen sorgt ein Team von Ärztinnen und Ärzten, Krankenschwestern und medizinische Fachangestellten für eine sichere Hausarztversorgung.
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Singen. Seit Jahresbeginn ist das MVZ Singen in der Worblinger Straße un dem Oberzellerhau Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten, deren Hausärzte mit ihren Praxen eingezogen sind, oder die noch keinen Hausarzt in der Region hatten. Seitdem hat sich einiges getan, wie bei einem Pressegespräch zu erfahren war.
Rund 2.000 Patienten pro Quartal seien in den ersten Monaten betreut worden, berichtet Anna Hirschle, kaufmännische Leiterin der Einrichtung. Darunter gab es 218 Neuaufnahmen. Vier Hausarztsitze sind derzeit durch das MVZ gesichert, was einen Zuwachs seit Betriebsbeginn bedeutet. "Wir sind auf einem guten Weg", meint auch Betriebsleiter Franz Pusel. Zu den bisherigen Ärztinnen und Ärzten Birgit Kloos, Christian Oexle und Michael Kamphans, die mit ihren Praxin zu Beginn ins MVZ gezogen sind, sind Anfang Juli Bettina Förg und Ende Juli Gabriela Nechita gestoßen. Förg ist an einem Tag in der Praxis, Nechita an vier. Sie decken somit eine Sitz ab und kümmern sich auch um Hausbesuche.
Kooperation für den Patienten
Die insgesamt fünf Ärzte sind verteilt auf die beiden Standorte und decken, neben der der Allgemeinmedizin, unterschiedliche Zusatzbereiche ab. So sind in der Worblinger Straße beispielsweise Ultraschalluntersuchungen möglich, während im Oberzellerhau kleinere chirurgische Eingriffe erledigt werden. Je nachdem, was der Patient benötigt, wird er von seinem Arzt an den entsprechenden Kollegen vermittelt.
"Wir haben ein MVZ mit zwei Standorten", so Arzt Michael Kamphans. Dadurch könne ein großes Einzugsgebiet abgedeckt werden. Durch die Kooperation können zudem Ressourcen gespart werden. Ein Ultraschallgerät ist an einem Standort vorhanden, kann aber auch von den Ärzten des anderen genutzt werden. Zudem können sich die Ärzte besser absprechen, was Urlaubstage angeht, ergänzt Ärztin Birgit Kloos. So werden Schließzeiten vermieden und "die Patienten haben rund ums Jahr immer einen Ansprechpartner". Und durch die Nutzung einheitlicher Programme können die Ärzte an beiden Standorten die Patientenakten einsehen, was bei regulären Urlaubsvertretungen nicht immer der Fall ist. "Die Patienten sind wesentlich sicherer versorgt."
Dazu tragen auch die Mitarbeiter in den Praxen ihren Teil bei. "Wir haben eine echt tolle Mannschaft", sagt Franz Pusel. "Es ist wie im Fußball: Nur ein Team gewinnt."
Mehr Zeit fürs Arztsein
Ein wesentlicher Faktor des MVZ: Die Ärzte müssen sich nicht mehr selbst um administrative Aufgaben und Papierkram kümmern und haben dadurch auch mehr Zeit für Patienten. "Ich konnte meine Arbeitszeit erweitern", erklärt Birgit Kloos. Bettina Förg, die aus dem Ruhestand zurückgekommen ist, stimmt dem zu. Der administrative Aufwand sei gigantisch. Gerade für ältere Kollegen sei das irgendwann erschöpfend. Sie ist froh, dass sie nicht mehr verantwortlich ist, wenn es heißt: "Frau Doktor, der Wasserhahn und das Klo funktionieren nicht." Diese freiwerdende Zeit hat eine weitere Auswirkung: Es können wieder mehr Patienten neu aufgenommen werden. Derzeit haben die Ärztinnen und Ärzte Kapazitäten frei.
Das MVZ ist ein Eigenbetrieb der Stadt, die für Bereiche wie Technik, EDV und Arbeitsschutz zuständig ist. "Es ist eine Rettungsmaßnahme", meint Oberbürgermeister Bernd Häusler. Solange es genug Hausärzte gab, habe sich die Stadt nicht eingemischt. Doch sei deutlich geworden, dass der Ärztemangel nicht mehr länger nur ein Problem des ländlichen Raums ist. "Es kommt auch in die Stadt." Er sei dem Gemeinderat dafür dankbar, dass er diesen Schritt zur Gründung des MVZ mitgegangen ist und auch den drei ursprünglichen Ärzten, die den Wechsel gewagt haben. "Im Moment ist es eine Sicherung", sagte er. "Wir haben einen guten Grundstein gelegt."
Darauf soll aufgebaut werden. Mit neuen Ärzten, denn die jetzigen Mediziner werden auch irgendwann in den Ruhestand gehen, und zusätzlichen Angeboten. Professionelle Trauerarbeit gibt es bereits im Oberzellerhau, verrät Michael Kamphans. Er könne sich zudem die Vermietung von Räumen an eine Yoga-Gruppe vorstellen. "Ich bin optimistisch, dass das MVZ ein Erfolgsmodell wird."
Autor:Tobias Lange aus Singen |