Erleichterung und doch noch Vorsicht
Wegfall der meisten Corona-Beschränkungen führt nicht zu Euphorie in der Region

Nun schon seit zwei Jahren war das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Supermarkt, in den Geschäften und anderen öffentlichen Innenräumen wie Restaurants, Kinos, Museen und Schulen in den verschiedensten Versionen Pflicht, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Und genauso lange war das auch Streitpunkt mit der Frage zwischen Nutzen und negativer Folgewirkungen. Das geänderte Infektionsschutzgesetz sieht nun seit dem letzten Wochenende nur noch ganz wenige staatliche Vorgaben zum Maskentragen im Alltag vor.

Doch in manchen Bereichen und Ländern gilt die Maskenpflicht theoretisch weiter – oder es wird zumindest darum gebeten, wie zum Beispiel in kulturellen Einrichtungen, die ja im Gegensatz zu den letzten harten Monaten auch wieder ihre Angebote mit »voller Auslastung« fahren können. Dabei können sich die Einrichtungen derzeit auf ihr Hausrecht berufen.
Wie es Menschen in Singen und der Region, vor allem im Einzelhandel sehen und handhaben, zeigt das Ergebnis einer kleinen Umfrage des Wochenblatts rund um die Abschaffung der Maskenpflicht, und da gibt es durchaus verschiedene Standpunkte.

Thomas Kornmayer von Heikorn in Singen: »Wir haben ja jetzt lange darauf gewartet. Und das ist jetzt endlich so der Schritt. Wir sehen es heute (am Sonntag): 90 Prozent der KundInnen haben keine Maske mehr an, dass es deswegen zu Streit kommt, gab es überhaupt nicht. Die Leute waren gut drauf. Man hat endlich mal wieder Gesichter gesehen. Gerade die Kinder; für die ist es jetzt ganz wichtig, dass die mal wieder Leute sehen, die auch Reaktionen zeigen. Und für uns auch, eine neue Freiheit, weil das Ding sechs Stunden auflassen, das war nicht witzig. Also, wer sie anlassen will, soll sie anlassen. Wir werden keinen zwingen, aber das wird immer besser, es wird immer weniger werden. Jetzt kann man wenigstens wieder Luft holen und das ist ganz wichtig für die Kunden. Und dann normalisiert sich das in der Stadt ganz, ganz schnell. Da bin ich ganz sicher und glücklich.«

Florian Stein (Juwelier Stein und Limbrock):
»Der Abschaffung der Maskenpflicht stehe ich positiv gegenüber. Ich finde es schön, wenn man den Menschen wieder ins Gesicht schauen kann und auch die Mimik wahrnimmt. Dennoch wird es natürlich so sein, dass wenn Kunden wünschen, dass man eine Maske trägt, dann werden wir natürlich dem Wunsch nachkommen und eine Maske tragen. Bei uns ist es so, dass die Mitarbeiter keinen Wert auf die Maske legen, also sie sind auch froh, wenn sie die Maske endlich ablegen können, denn für uns ist wichtig, dass man Mimik wahrnehmen kann, dass man einen Kunden einfach sieht. Und natürlich ist es auch ein Sicherheitsaspekt. Das darf man auch nicht vergessen, gerade in unserer Branche. Wenn jemand nur mit einer Maske bedeckt reinkommt und noch mit einer Cappy, theoretisch ist es natürlich für den relativ einfach, unerkannt Straftaten zu begehen.«

Alexander Kupprion (»Der Sport Müller«): »Natürlich freue ich mich, dass die Maskenpflicht wegfällt, aber habe trotzdem noch so ein mulmiges Gefühl bei der ganzen Sache, denn wir wissen ja, dass unsere Politik auch gerne dann wieder eine Rolle rückwärts macht, ganz schnell, und deshalb bin ich mal gespannt, ob das so anhält.
Wenn es nicht anhält, wäre es meiner Meinung nach eine Katastrophe, weil dann die Politik wieder beweist, dass sie Dinge macht, unüberlegt und einfach nur um, sage ich mal, das Volk mal zufriedenzustellen. Und deshalb sehe ich das Ganze natürlich immer etwas kritisch.
Gut, die Kunden waren meiner Meinung nach auch mit Maske gut drauf. Ich glaube, es haben sich alle daran gewöhnt, an das ganze Thema. Dass das lästig ist, keine Frage. Ich freue mich, wenn die Mitarbeiter dann auch mal keine Maske mehr aufhaben müssen.«

Joachim Strittmatter, Schuhhaus Stemmer-Kneer: »Die, die keine tragen wollen, sind genauso willkommen wie derjenige, der eine tragen will. Bei unseren Angestellten, die dürfen es so halten, wie sie wollen. In der Schweiz war ja die Maskenpflicht schon länger weg, das haben wir deutlich gespürt.«

Kerstin Lukaschewski aus Singen meint: »Dort, wo es überall eng ist und viele Menschen zusammenkommen, bin ich dafür, dass nach wie vor Maske getragen wird, aber eben jedem selber überlassen. Ich persönlich werde sie überall tragen, wo ich es für angemessen halte, wo ich mich unwohl fühle. Das mit dem Abstand galt in meinen Augen schon vor der Coronazeit, weil es einfach auch so ein bisschen um Höflichkeit, Distanz und Privatsphäre geht. Ich hoffe, dass die Menschen aus den letzten zwei Jahren gelernt haben und vielleicht ein bisschen mitdenken.«

Danijel Mikulek, Filialleiter Vodafone-Shop: »Es ist gut, dass die wegfällt, dann kann man besser atmen. Ja, wir sind jeden Tag am Mann, meine Corona-App leuchtet permanent rot. Aber in den zwei Jahren hat hier in Singen in der Filiale Gott sei Dank keiner tatsächlich Corona gehabt. Wir haben immer die Schwierigkeiten gehabt, dass wenn der Kunde mit der Maske reinkommt und bei uns einen Vertrag abschließen möchte, musste die Person ohnehin immer die Maske runterziehen, um das mit dem Passbild zu vergleichen.«

Helmut Assfalg vom Musikhaus Assfalg Singen: »Wir haben hier natürlich mit Endkunden zu tun und das Thema mit der Maskenpflicht, das ist ein zweischneidiges Schwert. Das heißt natürlich, dass viele Leute endlich mal ohne Maske einkaufen können, was sie natürlich gerne machen. Das weiß ich selber auch. Ich war letzte Woche in der Schweiz und da hatte man das fast gar nicht mehr. Schön, wenn man das bei uns auch kann. Bei uns ist das auch kein Problem ohne Maske, weil wir keine hohe Kundenfrequenz haben, nie gleichzeitig fünf oder zehn oder 20 Leute. Im Supermarkt mit vielen Leuten, denke ich, dass ich selber doch lieber auch eine Maske aufziehe.«

Otto Schweizer (Intersport Schweizer): »Unser Hygienekonzept bleibt daher aufrecht und die Kunden sind auch mit Maske herzlich willkommen. Auch in unserem Team wird es Personen geben, die weiterhin Maske tragen. Wir haben diese Entscheidung bewusst in die Eigenverantwortung unserer Mitarbeitenden gelegt, denn wir möchten, dass sich bei uns jeder sicher fühlt.«

von Amrit Raj/Redaktion

Autor:

Oliver Fiedler aus Gottmadingen

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