Günstiges Springbett ist voll im Trend
Schnäppchen fürs Hochzeitsessen

Wann ist ein Schnäppchen ein Schnäppchen? Antwort: Wenn der Kassenzettel stimmt! Was so banal klingt, ist es leider nicht. Deshalb hütet die beste Ehefrau von allen den Kassenzettel wie ihren Augapfel. Während sie den Inhalt des Einkaufswagens im Auto verstaut, kommt die obligatorische Frage: „Hast Du den Einkaufszettel eingepackt?“ Kurzum: Sie findet ihn in dem riesigen Einkauf nicht! Und sie will doch nur die Preisliste kontrollieren! Das nervt mich immer wieder, und ich versichere ihr immer wieder, dass ich ihn nicht versteckt habe. Oft liegt er auch schon auf dem Armaturenbrett oder schlichtweg unter den Pflaumen oder Tomaten. Zwei Formen von Jubelschreien gibt es wenig später: „Ich habe ihn gefunden!“ Und dann: „Die haben mir die Orangen falsch berechnet!“ – „Und Du behauptest immer, kontrollieren lohnt sich nicht!“

Kontrollieren ist mal leichter und mal schwerer – optimal scheint es, wenn jeder herabgesetzter Artikel ein Euro kostet. Das macht bei vier Kinderteilen glatt vier Euro. Der Rechner brummt und liefert 6.95 Euro! Da beginnt das Nachrechnen umgehend an der Kasse. Hoppla! Der vierte Artikel wird mit 3.95 Euro ausgewiesen. Das war der frühere Artikel mit dem ursprünglichen Preis! Das fällt einem als Kunde gleich auf: Glück gehabt! Bekommt man als Kunde das vermeintlich Billige auch im Billigladen? Oder legt sich der Kunde da selbst im Kopf herein? Kostet das einen Euro, was einem wirklich auch nicht mehr wert ist? Nehmen wir einen Putzeimer aus Plastik zum Beispiel: Da ist der Griff herausgebrochen. Mit Putzwasser lässt sich schlecht jonglieren. Aber im Angebot bekommt man die ja regelrecht nachgeworfen! Aber wo? Da, wo es eben Schnäppchen gibt! In der Seitenstraße um die Ecke. Da, wo der Laden eben ewig leer stand! Und da gibt es eben den Plastikeimer griffbereit mit Verzierung. Aber eben nicht für einen Euro. Nein! Mit Dekor sind es 4.50 Euro! Rückfrage: Ich will ja einen einfachen Plastikeimer, keinen für’s Grand Hotel! Den gibt’s natürlich auch für 1.50 Euro unten im Regal, aber angeschlagen mit Macken!

So ist das eben mit Schnäppchen! Niemand ist perfekt; erst recht nicht mit der Werbung! Aber gibt es da nicht noch einen anderen Billigheimer in der Straße? Suchet, so werdet ihr finden! Die Verkäuferinnen sind schnell zur Verzweiflung gebracht. Gestern hatten sie noch welche unter 3 Euro hinten im Eck‘! Aber heute ist nicht gestern. Und die Kollegin, die immer alles weiß, ist heute in Urlaub oder sogar krank! Man kann ja nicht alles wissen.

Glücksfälle braucht man im Leben! Erinnern wir uns, als wir mitten in der Ölkrise Heizungszuschläge für Veranstaltungen in Lokalen zahlen mussten. Galt das auch für Stammgäste? Vorsichtiges Anfragen war auf jeden Fall empfehlenswert! Momentan ist Heizöl nicht teuer, dafür aber der Franken bei unseren Nachbarn! Eine Pointe kommt hierzu aus der Schweiz: Sind es bei einem Hochzeitsessen in einem Lokal mehr als zehn Personen, so zahlt man wieder für den Raum! Das ist eine grandiose Werbung für Spitzengastronomie in kleinen Gruppen. Für Eltern und Trauzeugen reicht es exakt! Man gönnt sich ja sonst nichts! Und dann braucht man nur einen Verwandten, der die Rechnung übernimmt.

Sonderverkäufe gibt es immer wieder – meist das ganze Jahr lang. „Saldo“- „Saldo“ rufts aus dem Wald. Als Leser von Werbeheften bin ich schon ganz elektrisiert: Jetzt gibt es warme Matratzen auch im Hochsommer! Und das in jeder Dicke und Stärke! Dabei gibt es zugleich Box-Spring-Superbetten für jeden Spargeldbeutel! Da springt das Herz gleich mit in die Höhe! Ärgernis: Wer zu früh gekauft hat, den gestraft die Handelsgeschichte! So ist das eben im Leben! So ist das mit den Schnäppchen: Was liegt im Trend und welcher Ladenhüter entwickelt sich zum Preisknüller? Was aber macht den Oktober im Handel so attraktiv? So genau weiß ich das nicht mehr. Früher war der Oktober der Monat der Ladeneröffnungen. Wer hier seinen Neubau nicht stehen hatte, der konnte auf das kommende Weihnachtsgeschäft schon vorab verzichten. Ein Baukollektiv jagte das Nächste, ein Schnäppchen das nächste. Bei den Fotos für manche Neueröffnung war der letzte Plastikeimer noch im Gang stehen geblieben . . . Ein Schnäppchen für die Putzfrau?

Von Hans Paul Lichtwald

- Redaktion

Autor:

Redaktion aus Singen

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