Krankenhaus Stockach schlägt Alarm
Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum steht auf dem Spiel
- Zahlreiche Beschäftigte des Krankenhauses Stockach, Kommunalvertreter und Bürger haben am Freitag das Krankenhaus Stockach symbolisch geschlossen. Sie sendeten mit ihrer Protestaktion ein deutliches Signal an die Bundespolitik.
- Foto: Achim Holzmann
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Stockach. Mit einer symbolischen Schließung des Krankenhauses haben Beschäftigte, Kommunalvertreter und Bürger am Freitag, 12. Juni, vor dem Krankenhaus Stockach ein deutliches Signal an die Bundespolitik gesendet. Im Rahmen des landesweiten Aktionstages der baden-württembergischen Krankenhäuser warnten die Verantwortlichen eindringlich vor den Folgen des geplanten Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Die zentrale Botschaft lautete: „Ohne Geld keine Versorgung.“
Vor zahlreichen Teilnehmern machte der Geschäftsführer des Krankenhauses Stockach, Bernd Zimmermann, deutlich, dass die Gesundheitsversorgung für rund 32.000 Menschen in Stockach und den umliegenden Gemeinden zunehmend unter Druck gerät. Schon heute schreiben mehr als zwei Drittel der deutschen Krankenhäuser rote Zahlen. Die geplanten gesetzlichen Änderungen würden die wirtschaftliche Situation vieler Häuser weiter verschärfen und damit die medizinische Versorgung unmittelbar gefährden. Besonders kritisch sehen die Krankenhäuser die unzureichende Finanzierung von Tarifsteigerungen für Pflegekräfte sowie den stetig wachsenden bürokratischen Aufwand.
Während Dokumentationspflichten und Verwaltungsaufgaben zunehmen, fehlen die notwendigen Mittel für Personal und Patientenversorgung. Für das Krankenhaus Stockach würde der aktuelle Gesetzentwurf nach Angaben der Geschäftsführung Einnahmeverluste von rund 1,2 Millionen Euro bedeuten. Die möglichen Folgen reichen weit über betriebswirtschaftliche Kennzahlen hinaus. Weniger Pflegepersonal, längere Wartezeiten, der Wegfall medizinischer Leistungen und weitere Wege zur nächsten Klinik könnten für viele Bürger Realität werden.
Gerade im ländlichen Raum, wo in den vergangenen Jahren bereits mehrere Krankenhausstandorte geschlossen wurden, wächst die Sorge vor einer schleichenden Ausdünnung der Gesundheitsversorgung. Weiter betonte Zimmermann, dass medizinische Versorgung kein beliebiger Kostenfaktor sei, sondern Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Notfälle, schwere Erkrankungen und pflegerische Betreuung ließen sich nicht nach wirtschaftlichen Erwägungen verschieben oder einsparen.
Deshalb richteten die Teilnehmer einen eindringlichen Appell an Bund und Länder, die Krankenhausfinanzierung langfristig verlässlich und auskömmlich auszugestalten. Mit Blick auf die für Juli geplante Beratung des Gesetzes im Bundesrat hoffen die Krankenhäuser nun auf politische Korrekturen. Für die Menschen in der Region geht es dabei um weit mehr als Zahlen im Haushalt – es geht um die Frage, ob medizinische Hilfe auch künftig dort verfügbar bleibt, wo sie im Ernstfall am dringendsten benötigt wird.
Autor:Achim Holzmann aus Singen |