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Das Automobil zum Kunstwerk erhoben

Rund um einen »Horch« als einem der spektakulärsten Fahrzeuge der Sammlung von Erdmann & Rossi Automobile: Kurator Christoph Karle, der Verwalter der Sammlung, Emmanuel Bacquet, Konstantin Karosas, der Sohn des verstorbenen Sammler,Gabriele Unbehaun-Maier und Hermann Maier zur Eröffnung am Samstag. swb-Bild: of

Sammlung der Nobelkarossen von "Erdmann & Rossiq von Saulius Karosas im MAC 2

Singen. Die neue Ausstellung im MAC 2 des Museum Art & Cars sorgte schon vor der Eröffnung für einiges an Furore, denn dort gibt es Fahrzeuge zu sehen, die in dieser Formation zum ersten Mal öffentlich zu sehen sein sind: der Sammler der Edelkarossen der Berliner Karosserieschmiede »Erdmann & Rossi«, Saulius Karosas, ist im letzten Jahr verstorben und eine Museum für die Fahrzeuge gibt es noch nicht. 

Die Sammlung von Saulius Karosas ist dabei in guten Händen. Kein geringerer als Emmanuel Bacquet, ehemaliger Direktor der weltberühmten Schlumpf-Collection in Mulhouse führt die Leidenschaft des Sammlers Karosas weiter, der übrigens eher zufällig auf das erste Modell einer Erdmann & Rossi Karosserie in seiner Heimat Littauen stieß, denn das Juwel offenbarte sich erst bei der Restauration.

Karosa wollte in die USA auswandern und mit dem Auto eigentlich Geld machen. Das machte er aber auch ohne den Oldtimer und er fing an, auf die Spur weiterer Fahrzeuge der Berliner Nobelschmiede zu gehen, die übrigens mit der Renaissance der Oldtimer eine Wiedergeburt in Berlin durch den Unternehmer Dr. Arthur Waldenberger erlebte, der ebenfalls zu Vernissage in Singen anwesend war.

Als führender Hersteller im deutschen Karosseriebau mit einer prominenten Kundschaft – darunter Werner von Siemens, Kronprinz Wilhelm und viele mehr –erschuf das Unternehmen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts individuelle Karosserien unter anderem für Mercedes, Horch (später Audi), Maybach und Rolls-Royce - und die wohl schönsten haben in der Sammlung von Karosas zusammengefunden und können nun in Singen bewundert werden. Denn diese Autos verkörpern eine Zeit, in der das Auto viel mehr war als ein Fortbewegungmitte, nämlich die Demonstration des eigenen Status in der Gesellschaft. Und dementsprechend wurde das Automobil gar zum Kunsobjekt, was man hier an sehr vielen Details an den Karosserien wie im Interieur ablesen kann.

Zusammen mit den Nobelkarosserien von Erdmann & Rossi zeigt das Museum außerdem vier weitere Fahrzeuge aus der Sammlung Saulius Karosas.

Die Edelkarosserien werden von einer geschickt kuratierten Gesamtausstellung umrahmt, die das Lebensgefühl der Großstadt Berlin der 1920er und 1930er Jahre transportiert. «Sleeping Beauties« –schlafende Schönheiten –des Rosenheimer Fotografen Herbert W. Hesselmann (1946–2011), Bilder aus der Geschichte von Erdmann & Rossi (unter anderem sogar ein Maggi-Lieferwagen der Marke) zu sehen, übertragene Motive von Otto Max „Umbo“ Umbehr (1902–1980) und Martin Höhlig (1882–1948) über die „Die Weltstadt im Licht“ geben der Ausstellung einen authentischen Rahmen, der in die diese grandiose Zeit versetzt, als Automobil auch eine Sache für die Reichen war.

Mehr Bilder von der Eröffnung gibt es in unserer Galerie.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler