Umfrage
Wo die Menschen vor Ort Zusammenhalt erleben

Zusammen hat sich das Redaktionsteam - Oliver Fiedler, Tobias Lange, Anja Kurz und Philipp Findling - aufgemacht, um mit Menschen über das Thema Zusammenhalt zu sprechen. | Foto: Stefan Giner
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  • Zusammen hat sich das Redaktionsteam - Oliver Fiedler, Tobias Lange, Anja Kurz und Philipp Findling - aufgemacht, um mit Menschen über das Thema Zusammenhalt zu sprechen.
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Landkreis Konstanz. Der Beginn eines neuen Jahres gibt den Menschen die Möglichkeit, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. So auch in den Städten und Gemeinden des Landkreises, wo die Rathauschefs zu den traditionellen Neujahrsempfängen eingeladen haben, um über das vergangene und angefangene Jahr zu sprechen.
Ein Thema, dass im Wahljahr 2024 des Öfteren angesprochen worden ist, ist der gesellschaftliche Zusammenhalt. Der Tenor: Auch wenn es auf Bundes- und Landesebene nicht immer so gut funktioniert, stehen die Menschen auf Kreis- und kommunaler Ebene zusammen.

Die WOCHENBLATT-Redaktion hat dieses Thema aufgegriffen und den Menschen direkt drei Fragen gestellt:
1. Haben Sie das Gefühl, dass es einen gesellschaftlichen Zusammenhalt gibt?
2. Wo erfahren Sie im Alltag Zusammenhalt?
3. Was wünschen Sie sich für den Zusammenhalt?

Das sind die Antworten:

Simone Rettich-Bickel, 56 Jahre

Simone Rettich-Bickel | Foto: Anja Kurz
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1. „Ja, das Gefühl habe ich, trotz weltweiter Krisen und Unsicherheiten, die auf einen einprasseln. Der Zusammenhalt ist da.“
2. „Den spüre ich bei uns in der Firma, in Vereinen und im Dorf.“
3. „Ich wünsche mir, dass wir bei Themen, wie zum Beispiel der Flüchtlingskrise, Lösungen finden, die uns einen und keine Lösungen, die uns spalten. Egal um was es geht.“

Pius Hochleitner, 8 Jahre

Pius Hochleitner | Foto: Anja Kurz

1. „Ja, ich denke schon.“
2. „Nicht, wenn ich meine Freunde Schachmatt setze. Wenn wir Fußball spielen und mein Freund mir passt, dann spüre ich ihn.“
3. „Freundschaft und dass alle nett miteinander sind.“

Ewald Nübel, 74 Jahre

Ewald Nübel | Foto: Anja Kurz

1. „Ja. Ich bin voll involviert, zum Beispiel als Bezirksvorsitzender von den Landsenioren in Überlingen, Stockach und Konstanz.“
2. „In meiner Eigenschaft als Vorsitzender fühle ich mich Zuhause. Das strahle ich in die Gesellschaft hinein und das kommt auch wieder zurück.“
3. „Ich würde mich freuen, wenn diese Stellung so bleiben würde. Mehr geht eigentlich nicht.“

Martin Hüpping, Mitte 50

Martin Hüpping | Foto: Tobias Lange
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1. „Er ist noch da, aber er ist angegriffen. Es gibt Bereiche, wo er bröckelt.“
2. „Ich spüre ihn in vielen Dingen. In der Familie, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis. Hier funktioniert es noch gut.“
3. „Ich wünsche mir ein Vorleben von oben, dass auch dort das menschliche mehr zählt als politische Interessen.“

Joachim Haselwander, 55 Jahre

Joachim Haselwander | Foto: Tobias Lange
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1. „Auf Gemeindeebene gibt es den Zusammenhalt. Doch je höher man geht, desto schwieriger wird es.“
2. „Ich bin im Musikverein tätig. Dort ist der Zusammenhalt sichtbar. Etwa bei der Kirchweih, wenn das ganze Dorf mithilft.“
3. „Ich wünsche mir, dass wir miteinander sprechen. Und dass in den Medien auch das Positive berichtet wird, dass gezeigt wird, was gut läuft.“

Meinolf Bürgermann, 58 Jahre

Meinolf Bürgermann | Foto: Tobias Lange
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1. „Ich glaube, dass man das differenzieren muss. Innerhalb der Dörfer schon. Interkommunal gibt es Druck. Die Zuweisung von Flüchtlingen etwa überfordert die Gemeinden. Das merkt man.“
2. „Ich erlebe Zusammenhalt im Verein. Ich bin im Vorstand vom Haus- und Gartenverein tätig.“
3. „Die Menschen müssen sich bewusst sein, dass sie Verantwortung haben. Wenn es Gruppierungen gibt, die den Zusammenhalt unterbinden wollen, sollte der Mumm da sein, sich zu positionieren.“

Peter Groß, 44 Jahre
1. „In Vereinen gibt es noch Zusammenhalt. Wo er zurückgegangen ist, ist in der direkten Nachbarschaft. Früher hat man jeden gekannt. Heute kennt man die Leute oft nur noch vom Sehen.“
2. „Im direkten Umfeld. Wenn ich bei meiner Familie bin oder mit Freunden unterwegs bin.“
3. „Schön wäre es, wenn die Leute wieder öfter zusammenkommen. Beim nachbarschaftlichen Grillfest zum Beispiel.“

Günther Binder, 49 Jahre
1. „Er war schonmal stärker. Aber ich glaube, er ist wieder im Kommen.“
2. „Mit den Kollegen, wenn wir nach der Arbeit noch zusammen ein Feierabendbier trinken gehen.“
3. „Ich wünsche mir, dass wir wieder mehr auf die Gemeinsamkeiten eingehen und nicht auf die Unterschiede.“

Ein Besucher des Mooser Gemeinderats
1. „Ja, ich finde, man hält wieder richtig gut zusammen. Es gibt einzelne Ausreißer, die versuchen, die Allgemeinheit auszunutzen, aber im Großen und Ganzen finde ich den Zusammenhalt sehr gut.“
2. „Vor allem im eigenen Alltag wie beispielsweise im Straßenverkehr, wo ich es immer öfter beobachte, dass Autofahrer bei Kreuzungen Rücksicht walten lassen und trotz eigener Vorfahrt den anderen durchlassen. Oder auch beim Bäcker, wenn man in der Schlange steht und einander hilft.“
3. „Mein Wunsch ist, dass jeder weiß, dass er nicht immer alles haben muss. Man sollte darauf achten, nicht immer alles im System ausnützen zu wollen, sondern mehr an die Allgemeinheit zu denken.“

Zum Abschluss eine Anekdote: Wenn man was von Anfang an zusammen macht, dann wird es auch von allen getragen. Auf dieser Grundlage soll der Radolfzeller Altstadt mit Bürgerworkshops neues Leben eingehaucht werden. Der Auftakt am letzten Donnerstag war verheißungsvoll, denn die Ideen sprudelten nur so und es gab sogar Anfragen der Teilnehmer, ob man vielleicht das eine oder andere Kinderspielgerät spenden könne, wenn das Geld knapp bei der Umsetzung würde.
Mit im Boot wird da in Radolfzell schon bald eine Initiative "Die Stadtverschönerer" sein, wie der Radolfzeller Hans-Jürgen Chmielewski ankündigte. Er will daraus eine Bürgerinitiative machen, die sich als Gemeinschaft unter anderem darum kümmern möchte, die Vermüllung in der Altstadt und an der Seepromenade einzugrenzen. Das Vorbild kommt aus Überlingen, den Zusammenhalt oder die Solidarität zu diesem Thema will er schon bald umsetzen.

Autor:

Redaktion aus Singen

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