Hallo und guten Tag
Wenn Wasser zum Spekulationsobjekt wird

Ein Fernsehbericht von Monitor hat mich aufgeschreckt. Habe ich das richtig verstanden, dann gibt es eine EU– Kommission für Binnenmarkt und Dienstleistungen. Michel Barnier ist der zuständige EU–Kommissar für ein Schlüsselressort; schließlich ist in seinem Arbeitsbereich die Aufsicht über die Finanzdienstleister und den Abbau von Markthindernissen angesiedelt. Markthindernisse sieht der smarte Franzose wohl in der Wasserversorgung innerhalb der EU. Hier will er mit seiner Kommission Abhilfe schaffen und für Privatisierung der Wasserversorgung sorgen. Die ersten Opfer dieses Vorhabens sind in Portugal und Griechenland zu suchen. Gemeinsam mit IWF und EZB zwingt die EU diese Länder ihre Wasserversorgung zu verkaufen. Unter dem bezeichnenden Titel »Geheimoperation Wasser« zeigte der Fernsehbericht die Gefahren dieses Vorhabens auf.

Die Gemeinde Pacos de Ferreira hat ihre Wasserversorgung bereits verkauft. Die Folgen sind nach dem Bericht von Monitor katastrophal. Die Preiserhöhung betrug innerhalb weniger Jahre 400 Prozent und dann jedes Jahr weitere 6 Prozent. Die Menschen haben den Reportern die Rechnungen gezeigt; viele haben jetzt Schwierigkeiten die Wasserrechnungen zu bezahlen. In Griechenland sollen nach dem Willen von EU, IWF und EZB die großen Wasserwerke von Athen und Thessaloniki verkauft werden. In Portugal werden die Proteste lauter, weil die Menschen Angst haben vor schlechter Wasserqualität und horrenden Preisen. Doch Griechenland und Portugal sind erst der Anfang. Geht es nach dem Willen der EU-Kommission gibt es im Bereich der Wasserversorgung eine Marktöffnung. Diese Forderung findet sich gut versteckt in dem neuen Richtlinienvorschlag für Konzessionsvergabe. Wasserlizenzen müssen europaweit ausgeschrieben werden, so die Idee der Kommission. Eine so genannte Steering Group (Lenkungsgruppe) hat die EU-Kommission in Fragen der Wasserpolitik beraten. Diese Lenkungsgruppe ist nicht ausgeglichen besetzt, das gab selbst Michel Barnier zu. Für private Investoren wie die Großkonzerne Thames Water, Veolia, RWE und Gelsenwasser ist Wasser ein Spekulationsobjekt wie Gold. Die Analysten – so der Bericht von Monitor – schätzen den Wassermarkt in Europa auf eine dreistellige Milliardenhöhe. Aus meiner unmaßgeblichen Sicht auf vier Pfoten hätte ich noch ein paar Fragen. Saßen oder sitzen die Großkonzerne als Berater in der Lenkungsgruppe? Sind die Beispiele von London und Bordeaux nicht abschreckend genug? Dort verrotten die Leitungen, Schmutz dringt ins Trinkwasser und dann wird mit Chlor nachgeholfen, so die Aussage von Olivier Hoedeman von Corporate Europe Observatory. Wasser gehört nicht in die Hände von Konzernen, das ist Allgemeingut oder nicht? Hoffentlich stimmt das EU-Parlament im Februar gegen diese Richtlinie.

In diesem Sinn bis zum nächsten Mal, Ihr bunter Hund.

Autor:

Redaktion aus Singen

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