Sechs Monate Bürgermeister Röwer
"Die Narren sind ganz lieb mit mir umgegangen"
- Mit dem WOCHENBLATT sprach Marcus Röwer über seine Entscheidung, als Bürgermeister in Singen zu kandidieren. Nun ist er rund sechs Monate im Amt und spricht über sein erstes halbes Jahr in der Stadt.
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Singen. Marcus Röwer ist seit dem 1. September 2026 Bürgermeister der Stadt Singen. Im Interview erzählt er, wie er die ersten sechs Monate als „Erster Beigeordneter“, wie das Amt offiziell heißt, erlebt hat.
WOCHENBLATT: Herr Röwer, sind Sie gut in Singen angekommen?
Marcus Röwer: Sogar sehr gut. Ich wurde gut aufgenommen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier im Rathaus, aber auch vom Gemeinderat und den Singener Bürgern, sodass mir der Einstieg nicht schwerfiel.
WOCHENBLATT: Durch die Erkrankung Ihrer Vorgängerin war es kein fließender Übergang. Wie ging es Ihnen dabei?
Marcus Röwer: Ich hatte natürlich keine Einlernphase oder keine Phase mit langer Einarbeitung, in der es sich überschnitten hätte. Aber viele Themen waren mir als solche nicht neu. Bei den Abläufen hier im Haus, in einem wesentlich größeren Haus, mit anderen Strukturen, musste ich mich aber ein bisschen reinfuchsen.
Aber ich habe da eigentlich alle Unterstützung bekommen, sei es vom Personalamt oder dem Oberbürgermeister oder den anderen Führungskräften. Ich habe immer die Infos bekommen, die ich brauchte. Es ist ein angenehmer Umgang hier miteinander und deswegen auch ein angenehmes Arbeiten.
WOCHENBLATT: Hat Sie etwas in ihren ersten sechs Monaten in Singen überrascht?
Marcus Röwer: Überrascht würde ich jetzt nicht sagen, weil ich ja schon lange hier in der Raumschaft wohne und aus Volkertshausen immer mitverfolgt habe, was in Singen so los ist.
Ich würde eher sagen, dass es beeindruckend ist, wenn man Gelegenheit bekommt, in die verschiedenen Bereiche tiefer hineinzublicken. Beispielsweise zu sehen, wie viele sporttreibende Vereine es gibt, was für eine treue Arbeit sie machen und auch welche Erfolge sie erzielen auf ganz unterschiedlichen Ebenen.
Und es ist auch beeindruckend zu sehen, was die Schulen hier in der Stadt leisten, die doch mit einigen Herausforderungen zu kämpfen haben. Ich habe ganz viele Schulleiter kennengelernt, die trotz aller Herausforderungen ein Herz für die Schülerinnen und Schüler haben, die immer weitermachen, immer neue Ideen haben und sich nicht unterkriegen lassen
Was ich auch sehr schön finde, ist, wie hier die vielen Träger im Bereich des Sozialen zusammenarbeiten. Ich habe den Eindruck, dass hier in Singen ein gutes Miteinander herrscht, nicht ein Gegeneinander, nicht eine Konkurrenz. Das ist etwas, was nicht selbstverständlich ist.
WOCHENBLATT: Als Neuer bringt man immer auch eigene Vorstellungen mit. Was haben Sie als Bürgermeister in Singen verändert?
Marcus Röwer: Ich bin grundsätzlich jemand, der nicht kommt und sagt: ‚Jetzt machen wir alles anders.‘ Ich bin einer, der sich alles anschaut und dann mit der Zeit feststellt, hier und dort könnte man Dinge verändern. So habe ich es auch in Volkertshausen gemacht.
Eine Änderung gab es bei der Kita-Bedarfsplanung. Da hat man sich bislang immer auf die Bevölkerungsvorausberechnung bezogen. Ich habe angeregt, diese Datengrundlage für die Bedarfsplanung zu evaluieren und zu überarbeiten, sodass die tatsächlichen Bedarfe vielleicht etwas besser dargestellt werden. Das ist etwas, was große Auswirkungen haben kann. Bei der Entscheidung, ob man nochmal eine Kita baut oder nicht, muss die Datengrundlage passen.
WOCHENBLATT: Erinnern Sie sich an Ihre erste Amtshandlung in Singen?
Marcus Röwer: Der erste Termin war die Vorstellung vom vhs-Herbstprogramm. Das war gleich in der ersten Woche. Noch vor Gemeinderat und Ausschüssen.
WOCHENBLATT: Ein wichtiger Termin in Singen ist natürlich die Fastnacht. Sie sind selbst nicht so närrisch. Wie haben Sie die Singener Fastnacht erlebt?
Marcus Röwer: (lacht) Ich bin nicht der Obernarr, das ist richtig. Die Fastnacht in Singen ist geprägt von einer guten Atmosphäre, von einem sehr freundlichen Miteinander und von einer schönen Fröhlichkeit. Die Fastnacht hier ist auch wesentlich größer, es gibt wesentlich mehr Zahnrädchen, die ineinandergreifen müssen. Das ist den Akteuren wieder gut gelungen.
WOCHENBLATT: Dann zahlt man als Bürgermeister auch gerne die Wurstzipfel.
Marcus Röwer: Ja, das macht man wirklich gerne. Ich bin von den Narren sehr freundlich aufgenommen worden. Sie sind sie auf mich zugekommen und sind ganz lieb mit mir als Neuem umgegangen.
Die Fastnacht fühlt sich in Singen auch länger an, weil es mehrere Zünfte gibt und die teilweise ihre Ordensabende und Bunte Abende schon in den Wochen davor haben. In Volkertshausen war das doch sehr auf das Fastnachtswochenende konzentriert.
WOCHENBLATT: Stichwort Volkertshausen. Sie haben als amtierender Bürgermeister der Gemeinde für das Amt in Singen kandidiert. Mittlerweile haben sie mit Judith Joy Klotz eine Nachfolgerin, die die Wahl überzeugend gewonnen hat. Macht das die Entscheidung rückwirkend leichter?
Marcus Röwer: Absolut. Wenn jemand gewählt worden wäre, bei dem ich kein gutes Gefühl hätte, bei dem ich vielleicht Zweifel daran hätte, dass es gut laufen wird, dann wäre es anders. Auch wenn ich die Entscheidung im Grunde für richtig halte.
Aber jetzt haben wir da jemanden vom Fach: eine Juristin, hat schonmal in einem Rathaus gearbeitet, ist auch menschlich schwer in Ordnung und hat ein überzeugendes Wahlergebnis. Das ist natürlich keine Garantie, dass immer alles gut wird. Aber es ist eine sehr gute Grundlage dafür, dass es sehr gut werden kann. Und das ist ungemein erleichternd.
Und wenn ich nach Volkertshausen blicke, als Bürger und als ehemaliger Bürgermeister, dann sehe ich mit Freude, dass Frau Klotz ihre eigene Note setzt. Und das ist auch gut so. Und das muss sie auch, weil sie ist nicht Marcus Röwer, sondern Judith Joy Klotz.
WOCHENBLATT: Zurück nach Singen: Die Stadt hat einen reichhaltigen Veranstaltungskalender. Auf was freuen Sie sich in diesem Jahr?
Marcus Röwer: Ich freue mich natürlich auf das Stadtfest. Ich freue mich auf den Stadtlauf. Ich freue mich auf Konzerte vom BOS. Das sind beispielhaft drei Dinge, auf die ich gespannt bin.
WOCHENBLATT: Laufes Sie dann beim Stadtlauf auch mit?
Marcus Röwer: Ja. Das Rathaus schickt wieder eine Mannschaft und der werde ich mich anschließen. Wenn ich mir nicht den Fuß breche.
WOCHENBLATT: Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich für Singen?
Marcus Röwer: Ich wünsche mir, dass es den Menschen in der Stadt weiterhin gelingt, den vielfältigen Herausforderungen, die am Horizont stehen, gemeinschaftlich und möglichst einmütig zu begegnen. Ich habe Singen als sehr konstruktive Stadt wahrgenommen und auch die Menschen als nicht streitsüchtig, sondern konstruktiv. Wir stehen aber vor bemerkenswerten Herausforderungen und da wünsche ich mir, dass man auch über die verschiedenen Gruppen und Nationalitäten und Schichten hinweg einen gemeinsamen Geist bewahrt, mit dem man dann, glaube ich, auch schwere Herausforderungen meistern kann.
Autor:Tobias Lange aus Singen |