15 Jahre Verein Kinderchancen Singen e.V.
Ein „kraftvolles Netzwerk gegen Kinderarmut“ feiert Geburtstag
- Verantwortliche im Verein Kinderchancen Singen e.v. und Gäste zur Feier des 15jährigen Bestehens: (von links) Alexandra Guldin und Ute Wenseritt, hauptamtliche Mitarbeiterinnen, Wolfgang Heintschel, erster Vorstand und Caritas-Geschäftsführer, Mirja Zahirovic, hauptamtliche Leiterin Kinderchancen e.V., Udo Engelhardt, Gründervater und Vorstand sowie erster Vorsitzender der Tafeln im Landkreis Konstanz, Manne Lucha (Bündnis 90/ Die Grünen), Minister für Soziales, Gesundheit und Integration, Jonas Vogelbacher, Pädagoge der frühen Kindheit/Klassismusexperte aus Freiburg, Partner von Laura Braun, Liedermacherin aus Freiburg (tritt am 24. Oktober in der GEMS mit ihrem Programm „ Selber Schuld!“ auf) und Regina Brütsch, zweite Vorsitzende und AWO-Kreisgeschäftsführerin.
- Foto: Bernhard Grunewald
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Singen. Großen Besucherandrang löste am Samstagvormittag, 2. August, die Einladung zur Feier des 15-jährigen Bestehens des Vereins „Kinderchancen Singen“ im Treffpunkt Hospiz aus. Der Verein sorgt und kümmert sich seit Anbeginn lokal um das globale Problem von Kinderarmut.
In herzlicher Atmosphäre gab es am Samstag ein Wiedersehen langjährig miteinander Vertrauter, auch aus Politik, Gemeinderat und Kreisjugendamt. Ein besonderes Willkommen bei der Begrüßung durch Wolfgang Heintschel, erstem Vorstand von Kinderchancen und Geschäftsführer der Caritas Singen-Hegau, galt Marcus Röwer als neu gewähltem Bürgermeister sowie Minister Manne Lucha (Bündnis 90/Die Grünen), in der Landesregierung zuständig für Soziales, Gesundheit und Integration. Er ist mit der Entwicklung des Vereins vertraut und verbunden, insbesondere durch seine Freundschaft mit Udo Engelhardt, dem Originator und Vorstandsmitglied von Kinderchancen.
Auch Martin Burmeister, Verantwortlicher der Stadt Singen für Sozial- und Bildungsplanung, hob die Unterstützung des Landes bei der Förderung von Projekten gegen Armutsgefährdung hervor. Er dankte dem Verein, der „ein Vorreiter sei“ und „ein kraftvolles Netzwerk gegen Kinderarmut“ aufgebaut habe. Dies „gemeinsam mit der Stadt, Institutionen und vielen Engagierten, dem Landkreis und dem Land“. Burmeister sieht „noch mehr Aufgaben in der Armutsprävention“, die für Kommunen allerdings „immer schwieriger wird, denn das Geld wird knapper“. Trotzdem gelte es alles zu versuchen, „um die Situation von Kindern und Familien zu verbessern“.
Vom „Armutsschatten“, der einen als Kind begleitet, handelten im Anschluss auch Lieder der eigens aus Freiburg angereisten Singer-Songschreiberin Laura Braun, die ihre eigene Armutserfahrung mit nachdenklichen und einfühlsamen Texten besang und damit viel Anklang beim Publikum fand. Zustimmung in den von Mirja Zahirovic engagiert moderierten Anschluss-Gesprächsrunden gab es auch für Luchas Lob, dass es „ohne ihr Pionier-Engagement für Kinderchancen die Konzeption gegen Kinderarmut nicht gäbe - sie sind das Reallabor für die Erkenntnis, Teilhabe zu ermöglichen“.
Ohne Teilhabe gibt es „keine ökonomische Chance“, so Mucha, deshalb seien „Netzwerke von Kita, Schulsozialarbeit, Lehrern, Sportvereinen“ wichtig, „um jungen Menschen eine andere Biografie zu ermöglichen, um aus ihren Talenten das Beste zu machen, auch für unsere Gesellschaft“. Sein Credo: „Change A Dead End Story In An Open Story.“ - also der Aufruf, eine Geschichte, die in einer Sackgasse endet, in eine mit offenem Ende zu verwandeln.
Engelhardt selbst führt die Erfolgsstory von Kinderchancen auf drei Faktoren zurück: Vertrauen unter- und miteinander; mit guten Projekten vielfältige Unterstützung sichern; personelle Kontinuität wahren. Dies wissen auch Marc Laporte-Hoffmann, Rektor der Johann-Peter-Hebel-Schule, und Gerda Winter-Ficht, erste Vorsitzende des Elisabethenvereins Singen, zu schätzen, ebenso wie Anett Gollent, Frühe Hilfen für Jenische und Sinti, sowie die selbst armutserfahrene Elvira Senicak aus dem Kulturkreis der Jenischen - alle stehen mit Kinderchancen in engem Kontakt und konnten gezielte Fragen an Lucha und Engelhardt stellen.
In die Podiumsdiskussion wurden auch Laura Braun und ihr Partner Jonas Vogelbacher einbezogen, wobei er als Pädagoge der frühen Kindheit für einen Perspektivwechsel warb: “Kinder kommen stark in die Welt, man muss sie nicht stark machen - sondern darf sie nicht kaputt machen.“ Braun‘s eigenes Fazit: „Ich hab mir nicht gewünscht, dass Leute mir helfen, sondern, dass ich die gleichen Chancen bekomme.“ Regina Brütsch, zweite Vorsitzende des Vereins und AWO-Kreisgeschäftsführerin, fasste die ausführliche und lebendige Diskussion zusammen: „Wir brauchen mehr Startchancen, Gerechtigkeit - und dürfen die Grundsicherung für Kinder politisch nicht aus den Augen verlieren.“
Autor:Bernhard Grunewald aus Singen |