Verleihung in der Curana in Beuren
Sofia Jäger erhält den Jugendkulturförderpreis 2026
- Preisträgerin vom Jugendkulturförderpreis 2026 des Lions Clubs Singen-Hegau war Sofia Jäger. Im Bild von links nach rechts Laudator Otto Ruch die Preisträgerin Sofia Jäger, Lions-Präsident Oliver Maier und der Vorsitzende vom Förderverein Pius Netzhammer.
- Foto: Achim Holzmann
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Beuren an der Aach. Ein Abend zwischen hochromantischer Klangsprache, technischer Innovation und der unerschütterlichen Kraft junger Ideen: Beim 24. Sommerkonzert des Bodensee-Kammerorchesters wurde am Freitag, 7. August, in der voll besetzten Curana-Halle der Jugendkulturförderpreis 2026 des Lions Clubs Singen-Hegau verliehen. Ausgezeichnet wurde die junge Klarinettistin und Tüftlerin Sofia Jäger, deren Projekt Kultur und Technik auf ungewöhnliche Weise miteinander verbindet.
Lions-Präsident Oliver Maier begrüßte zahlreiche Gäste aus Politik und Gesellschaft und würdigte das Engagement der Mitwirkenden und Sponsoren. Anschließend eröffnete das rund 60-köpfige Bodensee-Kammerorchester unter Leitung von Gero Wittich das Konzert mit Max Bruchs Konzert für Klarinette, Viola und Orchester in e-Moll op. 88. Das 1911 entstandene Spätwerk, Bruchs einziges Konzert für diese Instrumentenkombination, lebt weniger von demonstrativer Virtuosität als von einem innigen musikalischen Dialog. Benjamin Rivinius an der Viola und Lyuta Kobayashi an der Klarinette ließen die drei Sätze zwischen melancholischer Intimität, lyrischer Eleganz und zunehmend mitreißender Energie entstehen. Das begeisterte Publikum forderte mit lang anhaltendem Applaus eine Zugabe, die beide Solisten auch unisono präsentierten.
Im Mittelpunkt der Konzertpause stand die Verleihung des Kulturförderpreises mit Gewinnerin Sofia Jäger. Die Laudatio hielt Otto Ruch. Er würdigte die Fähigkeit der Preisträgerin, musikalische Erfahrung mit technischem Erfindergeist zu verbinden. Bereits mit acht Jahren begann Jäger Klarinette zu spielen; an der Hohentwiel-Gewerbeschule entwickelte sie gemeinsam mit Karl Laber und Dr. Daniel Reinke ein Lernsystem, das über Vibrationsmotoren an den Fingern die zu greifenden Töne signalisiert. Gesteuert durch einen Arduino, werden beim Erlernen des Instruments akustische und haptische Wahrnehmung miteinander verknüpft. Das Projekt überzeugte beim Landeswettbewerb «Jugend forscht» die Technik-Jury und wurde mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Entscheidend für die Jury des Lions Clubs war jedoch nicht allein die technische Raffinesse, sondern die Verbindung von Kreativität, Beharrlichkeit und kultureller Leidenschaft. Jäger steht damit beispielhaft für eine Generation, die Grenzen zwischen Kunst, Wissenschaft und Technik nicht als Trennlinien begreift.
Nach der Ehrung führte das Orchester den Abend mit Tschaikowskis 4. Sinfonie f-Moll op. 36 fort. Das Werk, geprägt von der Auseinandersetzung mit dem unerbittlichen «Fatum», durchschreitet ein dramatisches Spannungsfeld aus Bedrohung, Einsamkeit, flüchtiger Leichtigkeit und lebensbejahender Kraft. Vom düsteren Schicksalsmotiv des ersten Satzes bis zum triumphalen Finale entfaltete sich ein musikalisches Ringen zwischen persönlicher Verzweiflung und dem Willen zum Leben. So verband dieser Sommerabend drei Formen menschlicher Ausdruckskraft: die Sprache der Musik, die Neugier der Technik und den Mut einer jungen Preisträgerin, aus einer Idee eine konkrete Lösung entstehen zu lassen.
Autor:Achim Holzmann aus Singen |