- Anzeige - (Wochenblatt-Werbung wirkt)

Eine Frage der Schuld

Zwölf Geschworene
Welches ist die Tatwaffe? Der Frage der Schuld wird in dem Theaterstück »Die zwölf Geschworene« dezidiert auf den Grund gegangen. swb-Bild: uj

Theater-Deluxe vom Hegau:»Die 12 Geschworenen«

Singen. Von draußen heizte die Frühlingssonne am vergangenen Sonntag die Aula des Hegaugymnasiums ordentlich ein, passend zum Theaterstück »Die zwölf Geschworenen« nach Reginald Rose. Diese hatten sechs Tage vor Gericht verbracht, Zeugen, Sachverständige und Anwälte gehört. Nun waren sie gemäß der amerikanischen Verfassung in dem Geschworenenzimmer eingeschlossen, welches viel zu heiß war. Hier sollten sie über das Urteil beraten, das einstimmig gefällt werden muss. Sie müssen darüber abstimmen, ob die junge Puerto-Ricanerin eines Mordes an ihrer Mutter schuldig sei oder nicht. Würde die Jury einstimmig entscheiden, dass sie schuldig sei, würde das unweigerlich den elektrischen Stuhl für sie bedeuten.

Die Anwesenden erlebten ein Sprechtheater der Extraklasse. Die Theatergruppe des Hegaugymnasiums unter der Regie von Katja Rothfelder zeigte in beeindruckender Weise, wie eine willkürlich zusammengewürfelte Menschengruppe mit unterschiedlichen Interessen und unterschiedlicher Bildung untereinander agieren, diskutieren, Meinungen vertreten und vor allem ihre eigenen persönlichen Ziele verfolgen. Aufgrund der Beweislage der gehörten Zeugen schien die Sachlage zunächst eindeutig. Alle plädierten auf schuldig, bis auf die Geschworene Nummer 8. »Kein Geschworener in diesem Lande darf einen Menschen für schuldig erklären, wenn er nicht sicher ist«, war ihr Credo. Wortstark, mit ausdrucksvoller Mimik und mit gelebten emotionalen Momenten repetierten die Zwölf die Argumente der Zeugen, durchleuchteten die Aussagen auf etwaige Widersprüche und machten Zweifel geltend. Doch umso mehr Zweifler an der Schuld der Angeklagten auftauchten, legten sich die Todesstrafenbefürworter beeindruckend engagiert für ihre Meinung ins Zeug.

Die Theatergruppenleiterin Katja Rothfelder freute sich: »So viele Besucher an einem Sonntag, das ist selten. Letztes Jahr haben wir pausiert, dieses Jahr starten wir so richtig durch.« Die Vorbereitungen für so ein schwieriges Stück sei eine Herausforderung gewesen, meinte sie in einem Gespräch mit dem WOCHENBLATT. Vor allem die Eltern mussten viel Geduld aufbringen, denn geprobt wurde viel am Wochenende und in den Ferien. Es sei schwer gewesen, die inhomogene Gruppe im Alter von 11 bis 18 Jahren mit den unterschiedlichen Stundenplänen zusammenzubringen. Das Ergebnis ist beeindruckend. Für die Zuschauer ist es kaum zu glauben, wie professionell es die Schüler verstehen, mit ihren immens langen und anspruchsvollen Texten ein Spannungsfeld aufzubauen und das Publikum zum Nachdenken anzuregen. Interessierte haben noch die Möglichkeit, zu diese zeitgemäße Thema am Samstag, 10. März um 19.30 Uhr ein Urteil zu fällen.

Mehr Bilder in der Galerie.

Wochenblatt Redakteur @: Stefan Mohr