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Wenn Papier Töne erzeugt

Papier-Orgel Wolfram Kampffmeyer
Wolfram Kampffmeyer mit eines seiner dreidimensionalen Tiere, das Erdmännchen. swb-Bild: ver
Papier-Orgel Wolfram Kampffmeyer
Die Papier-Orgel von Wolfram Kampffmeyer besteht aus rund 190 Teilen. swb-Bild: pr

Wolfram Kampffmeyer startete vor zwei Jahren ein neues Projekt: eine funktionsfähige Orgel aus Papier

Aach. Recht unscheinbar wirkt das Einfamilienhaus am äußersten Zipfel der Gemeinde Aach. Eine auffällige Figur in der Einfahrt lässt nur erahnen, wie viel Kreativität hinter der Fassade steckt. Hier wohnt Wolfram Kampffmeyer mit seiner Familie. Der Computeranimator hat an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg studiert, lebt seit 2017 in Aach und betreibt seit 2010 einen kleinen Online-Shop, über den er dreidimensionale Papiertiere als Bausatz verkauft – sein zweites Standbein neben der Computeranimation.

»Ich baue hauptsächlich Tiere, die mir gefallen«, berichtet Wolfram Kampffmeyer. Dabei hängt die Bauzeit eines jeden einzelnen Bausatzes von der Komplexität des Tieres ab. »Das Erdmännchen hat ein paar knifflige Details am Kopf, ansonsten ist es relativ einfach. Mit rund fünf Stunden ist man da gut dabei. Der Elch ist da wesentlich komplexer und braucht etwa zwölf Stunden im Zusammenbau«, weiß der Papercraft-Liebhaber.

Vor zwei Jahren begann er ein neues Projekt: eine Orgel komplett aus Papier gebaut, ebenfalls als Bausatz konzipiert. Der Clou – die Papier-Orgel erzeugt Töne!

»Angefangen hat alles, als ich Videos von Aliaksei Zholner entdeckt habe, der alles mögliche aus Papier baut – eben auch eine Orgel. Er behauptete, es sei unmöglich die Papier-Orgel nachzubauen. Das war für mich als leidenschaftlicher Bastler von dreidimensionalen Modellen Motivation genug, meine eigene Orgel zu bauen«, erzählt er im Gespräch mit dem WOCHENBLATT.

Alle Bauteile, Tasten, Pfeifen und Mechanik, sind komplett aus Papier. Angetrieben wird das Papier-Instrument von einem großen Luftballon, mit dem man bis zu 45 Sekunden spielen kann.

Zwei Jahre lang hat Kampffmeyer mit Prototypen experimentiert und seine Bauteile stetig verbessert. Sein Ziel war es, so wenig Bauteile wie möglich zu verwenden, um einen möglichst schnellen Zusammenbau der Orgel zu gewährleisten. So konnte er die Anzahl der benötigten Teile für eine Pfeife von sechs auf zwei reduzieren. »Es war viel Geduld und testen nötig«, gesteht der Computeranimator.

Die Orgel besteht aus drei Modulen mit rund 190 Teile und kann, wenn man mehr Töne spielen möchte, in beide Richtungen erweitert werden. Ein Modul besteht, je nach dem ob es sich um ein 5- oder 7-Töne-Modul handelt, zwischen 60 bis 80 Teilen. Die Orgel hat Wolfram Kampffmeyer so konzipiert, dass sich kaputte Teile leicht ersetzen lassen. Der Bausatz enthält neben allen notwendigen Bauteile und der Anleitung auch ein paar zusätzliche Teile zu Übungszwecken aber auch als Ersatzteile.

Nun ist er soweit, seine Papier-Orgel auf dem Markt zu bringen. »Das Projekt möchte ich auf der Crowdfunding-Seite www.kickstarter.com vorstellen und so versuchen, zu finanzieren«, so Kampffmeyer. Vorab nahm der Computeranimator Kontakt zu Aliaksei Zholner auf, um sicherzustellen, dass sein Modell kein Derivat von Zholners Orgel ist, sondern ein ganz eigenes Produkt ist. »Ich freue mich schon die Leute über dieses Projekt zu informieren. Da steckt viel Herzblut drin. Das Arbeiten mit Papier macht mir Spaß und diese Freude möchte ich gern mit anderen teilen«, zeigt sich Kampffmeyer stolz. Weitere Infos zum Projekt gibt es unter www.paper-organ.com

Wochenblatt Redakteur @: Graziella Verchio