Aktionstag zur Integration und Orientierung
Sorge um gestrichene Förderungen für Geflüchtete
- Die Schüler und Beteiligten tauschen sich beim Aktionstag der Inlingua Sprachschule über gestrichene Förderungen aus.
- Foto: Pia Schaible
- hochgeladen von Wochenblatt Redaktion
Singen. Am 15. Juni fand in der Sprachschule Inlingua in Singen der Aktionstag zur Integration und Orientierung von Migranten statt. Die Sprachschule bietet Integrations- sowie Sprach- und Orientierungskurse für diese an, in welchen die Schüler nicht nur Deutsch, sondern auch über Geschichte, Kultur und Politik lernen und wie sie ein festes Standbein für das Leben in Deutschland gestalten können. Dieses Angebot stampft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge jetzt aber ein. Doch laut der Inhaberin der Inlingua Konstanz, Petra Bekker, plane die Bundesregierung bereits zurückzurudern.
300 statt 700 geförderter Stunden
Nachdem in den letzten Jahren laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mehrere überplanmäßige Ausgaben beantragt werden mussten und die Ausgaben für Integrationskurse von rund 500 Millionen auf etwa 1,3 Milliarden Euro angestiegen sind, soll es jetzt wieder Kürzungen im Bereich der Integrationskurse geben. Seit Februar 2026 hat das BAMF die Finanzierung drastisch eingeschränkt. Von bisher insgesamt 700 geförderten Kursstunden wurde laut Petra Bekker die Zahl auf 300 reduziert. Und die 300 Stunden wurden nur gefördert, weil sie für das laufende Jahr bereits bewilligt wurden. Bis auf weiteres sollen keine Förderungen für freiwillige Kurse ausgestellt werden, was laut Schätzungen des Volkshochschulverbands rund 130.000 Personen in Deutschland betrifft. Die Betroffenen dürfen sich nur noch als Selbstzahler für Kurse anmelden, was für viele finanziell schwierig ist.
Folgen der Kürzungen
Die Folgen dieser Kürzungen betreffen nicht nur neu Zugewanderte, sondern auch Fachkräfte und Ausbildungssuchende. Benötigte Fachkräfte können so vermehrt nur in niedrigeren Berufen arbeiten, weil ihnen das benötigte B2 Niveau fehlt, welches sie durch Sprachkurse und Prüfungen erlangen würden. Auch die Schüler der Inlingua fragten bei der Veranstaltung vermehrt, wie sie ohne das benötigte B2 Niveau eine Ausbildung finden können.
„Ohne Sprache gibt es keine Integration. Sprache ist der Schlüssel zu allem“, so Petra Bekker. Auch der Jugendmigrationsdienst der Caritas und die Migrationsberatung der Arbeiterwohlfahrt waren vor Ort, um Unterstützung und Arbeit der Organisationen sichtbar zu machen. Bekker sagte auch, dass man nicht an Bildung und Sprache sparen sollte. Hierbei äußerten die Schüler den Wunsch nach mehr angeboten und Gelegenheiten für Praxiserfahrung in Sprache. Die Schüler teilten aber auch ihre Freude am Unterricht mit, was sie schon alles über Deutschland und deutsche Geschichte sowie auch über andere Länder dank der kulturellen Vielfalt in der Klasse gelernt haben.
Bundesweiter Protest
Die finanziellen Einschnitte haben bundesweit zu massiver Kritik von Wohlfahrtsverbänden, Kommunen und Lehrkräften geführt. Kürzungen sollen von der Bundesregierung nun zumindest teilweise wieder zurückgenommen werden, erklärte Petra Bekker. Doch gewisse finanzielle Einschränkungen bleiben laut ihr wohl bis auf weiteres bestehen.
Pia Schaible
Autor:Redaktion aus Singen |