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»Wir brauchen keine Löschflugzeuge«

Kreisbrandmeister Interview
Kreisbrandmeister Carsten Sorg sprach mit dem WOCHENBLATT über die Waldbrandgefahr aufgrund der aktuellen Trockenheit. swb-Bild: Archiv/dh

Kreisbrandmeister Carsten Sorg spricht über die Waldbrandgefahr

Landkreis Konstanz. Während sich der Sommer 2018 anschickt in die Fußstapfen des vielbeschworenen »Jahrhundertsommers« von 2003 zu treten, leiden Mensch und Natur unter den Temperaturen und der anhaltenden Trockenheit. Im WOCHENBLATT-Land blickte man besorgt auf die Situation in Brandenburg, wo die Feuerwehren tagelang mit einem Waldbrand am Autobahndreieck Potsdam zu kämpfen hatten. Tief sitzt zudem noch immer der Schock nach dem Großbrand in Gaienhofen. Aus diesem Grund sprach das WOCHENBLATT mit Kreisbrandmeister Carsten Sorg über die aktuelle Lage im Landkreis Konstanz.

WOCHENBLATT: Bestand bei dem Brand auf dem Hofgut Balisheim die Gefahr, dass sich das Feuer weiter ausbreitet und eventuell sogar auf den Wald übergreift.
Carsten Sorg: »Die Gefahr eines Waldbrands ist bei diesem Wetter natürlich latent vorhanden. Die Waldbrandgefahr wurde auf Stufe fünf erhöht. Dabei handelt es sich um die höchstmögliche Stufe. Das bedeutet, wer momentan ein Feuer macht, auch auf Privatgelände, der handelt grob fahrlässig. Beim Brand in Gaienhofen haben die Einsatzkräfte das Umfeld des Brandorts natürlich genauestens überwacht, um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Auch bei den Lagebesprechungen wurde diese Gefahr thematisiert.

WOCHENBLATT: Sollte es tatsächlich im Landkreis Konstanz zu einem Waldbrand kommen, ist die Feuerwehr für so einen Ernstfall gerüstet?
Carsten Sorg: »Die Feuerwehren im Landkreis sind gut. Jede Gemeinde verfügt über mindestens ein wasserführendes Fahrzeug, das schnell eingreifen kann. Die Feuerwehren z. B. in Singen, Radolfzell und Konstanz verfügen zusätzlich über Tankfahrzeuge mit großen Wassertanks, die zum Einsatzort gebracht werden können. Mehrere Feuerwehren verfügen zudem über Schlauchfahrzeuge, mit denen eine Wasserversorgung über mehrere Kilometer aufgebaut werden kann. Diese stehen z. B. in Stockach, Tengen und Eigeltingen. Sollte die Lage trotz allem eskalieren, können wir die Bundeswehr anfordern, die uns mit Löschhubschraubern unterstützen würde. Ich halte es für populistisch, zu fordern, dass die Feuerwehr im Landkreis spezielle Fahrzeuge zur Waldbrandbekämpfung oder gar Löschflugzeuge vorhalten sollte. Meines Wissens gab es in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern noch nie eine Waldbrandkatastrophe. Dementsprechend sind wir mit dem Equipment, das wir haben, gut ausgestattet.«

WOCHENBLATT: Was kann jeder einzelne tun, um die Brandgefahr einzudämmen?
Carsten Sorg: »Der naheliegendste Punkt ist natürlich offenes Feuer zu vermeiden. Auf keinen Fall dürfen glimmende Zigarettenkippen achtlos weggeworfen werden.
Natürlich sollte man generell keine Glasflaschen wegwerfen, aber bei der aktuellen Trockenheit kommt hinzu, dass diese wie ein Brennglas wirken, und so ein Feuer entfachen können.
Ich würde auch davon Abraten Fahrzeuge auf Wiesen abzustellen, da die Auspuffanlage im Unterbodenbereich sehr heiß wird und ebenfalls ein Feuer entfachen könnte. So ein Brand breitet sich auf einer trockenen Wiese extrem schnell aus.«

WOCHENBLATT: Sollten momentan auch beim Grillen besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden?
Carsten Sorg: »Ich würde niemanden vom Grillen abhalten wollen, aber bevor der Grill angefeuert wird sollte sicher gestellt werden, dass er auf einem festen, nicht brennbaren Untergrund steht und dass beim anfachen des Feuers kein Funkenflug entsteht. Auch von Büschen und Bäumen sollte unbedingt abstand gehalten werden. -Dabei möchte ich auch nochmal darauf hinweisen, dass man nur Grillanzünder verwenden sollte und niemals irgendwelche Brandbeschleuniger. Außerdem darf ein Grill niemals in einem Raum, beispielsweise einer Garage betrieben werden, auch nicht bei geöffnetem Garagentor, da sonst hochgiftiges Kohlenmonoxid entsteht. Grundsätzlich gilt im Moment: Wer das Gefühl hat, dass ein Feuer außer Kontrolle gerät sollte nicht zögern sondern sofort die 112 wählen.«

WOCHENBLATT: Welche Auswirkungen hat die Trockenheit in den Innenstädten?
Carsten Sorg: »Auch in den Innenstädten ist die Brandgefahr höher als sonst. Deshalb empfehle ich beispielsweise Lichtschächte an Kellern regelmäßig zu reinigen, damit sich dort kein Trockenes Laub und sonstiges brennbares Material sammelt. Immer wieder müssen die Kameraden ausrücken, weil sich brennbares Material in Lichtschächten entzündet hat, etwa aufgrund einer weggeworfenen Zigarettenkippe.«

Das Interview führte Dominique Hahn.

Wochenblatt Redakteur @: Dominique Hahn